Historie

Als aus den beiden traditionsreichen Trägervereinen, dem TSV Dutenhofen – gegründet 1904 – und dem TV Münchholzhausen – gegründet 1909 – im Jahr 1992 die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen wurde, startete die Geschichte unserer heutigen HSG Wetzlar.

Lange prägten die beiden Trägervereine auch über die Mittelhessischen Grenzen hinaus den Handballsport auf höchstem Niveau, ehe man sich zur Bildung der Spielgemeinschaft entschloss und damit Synergieeffekte nutzen wollte. Seit der Saison 1999/2000 startet die Bundesliga-Mannschaft des Vereins unter dem Namen "HSG D/M Wetzlar", der im Frühjahr 2004 in "HSG Wetzlar" geändert wurde.

Wirtschaftlicher Träger ist seit dem 01.07.2001 die "HSG D/M Wetzlar Handball Bundesliga Spielbetriebs GmbH & Co. KG." - ebenfalls geändert in "HSG Wetzlar Handball Bundesliga Spielbetriebs GmbH & Co. KG".

Während der TV Münchholzhausen bis in die damalige Regionalliga vorstoßen konnte, gelang dem TSV Dutenhofen in den achtziger Jahren der Aufstieg in die zweite Bundesliga (Südgruppe). Dort gelang sukzessiv die Weiterentwicklung, die 1991/92 beinahe im Aufstieg in die erste Liga gipfelte. Nach der Fusion 1992 konnte auch in den Jahren 1996 und 1997 der zweite Platz erreicht werden, doch der Aufstieg misslang erneut knapp.

Im Folgejahr siegte die HSG D/M dann in der erstmals ausgetragenen Relegation gegen den Nordzweiten VfL Bad Schwartau, scheiterte aber darauf am Bundesligisten TSV Bayer Dormagen, dem heutigen DHC Rheinland.
Doch das Jahr sollte trotzdem ein sportlich sehr erfolgreiches und einschneidendes für die Handballer aus Dutenhofen und Münchholzhausen werden. Im Pokal 1997 sorgte die Mannschaft für Furore und zog sensationell ins Finale ein. Dort musste sie sich zwar dem TBV Lemgo geschlagen geben, doch der Vizepokaltitel berechtigte zur Teilnahme am Europapokal.

In der Saison 1997/98 folgte das bis dato sportlich erfolgreichste Jahr der Grün-Weißen. Nicht nur dass endlich der langersehnte Aufstieg in die Bundesliga gelang, auch im Europapokal setzte die HSG D/M ihre Siegesserie fort und stürmte unerwartet ins Finale. Dabei schaltete man namhafte Vereine wie Steaua Bukarest, Sporting Lissabon, Elektromos Budapest und im Halbfinale Polyot Tscheljabinsk aus. Erst im Finale musste sich die Spielgemeinschaft aus dem Wetzlarer Osten dem spanischen Spitzenteam von CB Cantabria Santander geschlagen geben.

Seither spielt die HSG nun ununterbrochen in der stärksten Liga der Welt, mittlerweile nun schon in der 17. Saison.
2004 erfolgte die Umbenennung der Mannschaft in „HSG Wetzlar“ um den Bezug zu Wetzlar und der Region deutlicher zu unterstreichen und die Spielbetriebs GmbH wirtschaftlich noch stärker zu machen.

Die Jahre in der Bundesliga verliefen seit dem Aufstieg mit schwankenden Erfolgen und Ergebnissen. In der Ära von Velimir Petkovic (1998-2004) etablierte sich die Mannschaft nicht nur in der Bundesliga, sondern sorgte Jahr für Jahr für einige Überraschungen. 2002 schloss das Team sensationell als achter der Liga ab und schnupperte in Richtung Europapokalplätze.
Besonders hoch zu bewerten ist dieser Erfolg, weil nach dem damaligen Abgang von Leitfigur und Spielmacher Markus Baur niemand so recht an einen solchen Erfolg dachte. Doch die Geerken, Bjarnasson, Monnberg und der ehemalige Coach „Jimmy“ Chalepo traten als geschlossenes Team auf und schafften die Überraschung.

In dieser Zeit stieß Nebojsa Golic als Nachfolger von Baur zum Team und prägte fünf Jahre das Gesicht der HSG Wetzlar. Auch wenn die Platzierungen stetig schlechter wurden, hielten die Domstädter Jahr für Jahr mit minimalen Mitteln frühzeitig die Klasse.
Nach dem zwölften Platz 2004 stand ein weiterer Einschnitt für die Grün-Weißen Handballer an. Mit der Planung und dem Bau des Einkaufszentrums FORUM in Wetzlar wurde auch eine große, 5000 Zuschauer fassende Mehrzweckarena gebaut in welcher die HSG Wetzlar als Ankermieter ab dem Frühjahr 2005 ihre Heimspiele austragen sollte. Eigens für den Umzug wurden Heimspiele verlegt und am 13.03.2005 war es dann soweit: Mit der Partie gegen die SG Wallau/Massenheim startete das Team in der neuen Heimspielstätte. Doch der Erfolg blieb aus. Mit 27:28 mussten sich die Wetzlarer der Truppe aus dem Frankfurter Raum geschlagen geben.


Auch in der Folge schien die einstige Heimstärke aus alten Tagen in der engen und rustikalen Halle in Dutenhofen verloren gegangen und die Mannen vom damaligen Coach Holger Schneider nicht so recht heimisch zu werden in der neuen, schmucken Arena. Es folgten sechs Spiele ohne Sieg, was für Unruhe bei den Fans und im Umfeld sorgte. Zum Rundenende musste dann auch Holger Schneider gehen.


Mit Martin Schwalb kam erneut ein Hoffnungsträger nach Wetzlar, doch nach 1:11 Zählern zum Rundenstart quittierte der Coach den Dienst und folgte dem Ruf aus Hamburg. 

Dragan Markovic trat die Nachfolge an und auch ihm gelang erst im Endspurt der Klassenerhalt auf Rang 15. Dank drei von vier gewonnener Heimspiele zum Schluss und den beiden deutlich schwächeren Teams aus Pfullingen und Delitzsch konnten die Grün-Weißen auch im Herbst 2006 wieder in der stärksten Liga der Welt antreten.

Doch die Abgänge von Alexis Alvanos, Andy Klimpke, Damir Radoncic, Christian Caillat und Ghenadij Chalepo wogen schwer. Vlatko Mitkov und Mike Näsby konnten die Lücke Alvanos nicht schließen und auch Markus Hock und der junge Timo Salzer konnten den Abwärtstrend nicht stoppen.

Das erste Opfer in der schwierigen Zeit wurde der Trainer. Dragan Markovic musste. den Platz frei machen für die interne Lösung um Wolle Klimpke und Robert Sighvatsson. Doch auch den beiden einstigen Spielern sollte es nicht gelingen wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren.

Die Verantwortlichen besserten nach, der Vertrag von Näsby wurde im November aufgelöst, dafür stieß Kresimir Ivankovic zum Team und im Januar 2007 sollte Milan Vucicevic im rechten Rückraum für mehr Durchschlagskraft sorgen. Doch alle Mühen fruchteten nicht und so setzte Rainer Dotzauer alle Hoffnung in die Verpflichtung des Meistercoaches vom TBV Lemgo, Volker Mudrow.

In einem Herzschlagfinale gelang dem ehemaligen Nationalmittelspieler dann auch der Klassenerhalt. Am letzten Spieltag mit einem knappen 30:29 gegen den SC Magdeburg sicherten sich die Grün –Weißen ein weiteres Jahr in der Bundesliga.

Mit einer neuen Philosophie, Spielern der Region, jungen Spieler und einer höheren Identifikation mit dem deutschen Handball sollte es bei der HSG Wetzlar wieder aufwärts gehen. Der schnelle Erfolg blieb jedoch aus, Platz 14 in der Tabelle war nur eine geringe Verbesserung.

Es folgten Verpflichtungen weiterer junger Hoffnungsträger wie Peter Jungwirth, Petar Djordjic und Sven Sören Christophersen. Aber auch in der Abschlusstabelle 2009 sprang lediglich der 13te Rang heraus und auch die Ära Mudrow endete vorzeitig.

Mundrows Nachfolger Michael Roth gelang dann der elfte Platz und die Zeichen schienen in Richtung Steigerung zu stehen. Auch in Sachen Personal tat sich erneut einiges und nach der Spielzeit 2009/10 baute Michael Roth weiter an einem jungen Team für die Zukunft. Nach dem Christophersen in Richtung Berlin abgewandert war, musste der Kopf des Teams ersetzt werden.

Mit Philipp Müller, Steffen Fäth und Lars Friedrich wurden weitere deutsche Spieler mit viel Potential verpflichtet und mit Lukas Loh, Christian Rompf und Tobias Hahn erhielten junge Akteure eine Chance sich in der stärksten Liga der Welt zu bewähren.

Mit Michael Roth als Trainer schien der sportliche Weg schien in guten Bahnen zu verlaufen, da ereilten wirtschaftliche Probleme die HSG Wetzlar. Mehr und mehr verdüsterten sich die Wolken am Himmel in den Herbsttagen 2010 und ein große Etatlücke und eine beinahe Zahlungsunfähigkeit ließen einen Konkurs und den damit verbundenen Rückzug der HSG Wetzlar unausweichlich erscheinen.

Turbulente Tage an der Lahn mit täglichen Hiobsbotschaften und zunehmend auch sportlich magere Ergebnisse ließen die Fans und Freunde der HSG zittern.

In dieser schweren Zeit lockte dann die MT Melsungen den HSG-Coach Michael Roth nach Nordhessen und der neue Aufsichtsrat entschied, dass der einstige Co-Trainer Jochen Beppler gemeinsam mit Zweitmannschaftstrainer und Ex-Spieler Ghenadij Chalepo die sportlichen Geschicke führen sollten. Auch der neue Geschäftsführer Sascha Schnobrich musste aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug erklären.
Mit Björn Seipp wurde dem langjährigen Pressesprecher der HSG dieser Posten anheim getragen und mit dem Jahreswechsel 2010/11 startete ein komplett neues Team der HSG.

Sportlich schafften Beppler und Chalepo noch einen sensationellen elften Rang in der Abschlusstabelle nach miserablem sportlichem und wirtschaftlichem Start in die Spielzeit.

 

 

In der Saison 2011/12 konnte die HSG die Hinrunde mit 13 Zählern abschließen. Um den verletzungsbedingten Problemen entgegenzuwirken sollte mit der Verpflichtung des einstigen Nationalspielers Andreij Klimovets der letzte Rückhalt für das Deckungszentrum geschaffen werden. Ein Formfehler in der Beantragung der Spielberechtigung allerdings sorgte im Februar 2012 für etwas Unruhe und die gewonnen Punkte der HSG aus dem Heimspiel gegen Göppingen wurden durch die HBL aberkannt und Klimovets zunächst bis zum Rundenende gesperrt.

Seit März 2012 trainiert nun Kai Wandschneider die Mannschaft und schaffte in der Saison 2011/12 schließlich noch den Klassenerhalt mit Belegung des 15. Platzes.

Die erste „richtige“ Saison Wandschneiders sollte dann direkt die erfolgreichste der Vereinsgeschichte werden: die HSG belegte einen sensationellen 7. Platz in der Saison 2012/13. Dies lag unter anderem auch an den Spielern Nikolai Weber und den Zwillingen Philipp und Michael Müller im Rückraum sowie den drei jungen deutschen Nationalspielern Tobias Reichmann, Kevin Schmidt und Steffen Fäth.

Dieser grandiose Erfolg mit Belegung des 7. Platzes in der Saison 2012/13 unter der Regie von Kai Wandschneider machte die HSG nicht zuletzt für den ehemaligen Welthandballer Ivano Balic attraktiv. Auch andere nationale sowie internationale Handballtalente fanden den Weg nach Wetzlar, um das Team zu verstärken.

Etwas überraschend landete die HSG Wetzlar auch zum Ende der Saison 2014/15 auf einem sehr guten 8. Tabellenplatz. Die Saison war insbesondere geprägt von vielen Emotionen, da es die letzten Spiele von dem "Mozart des Handballs" Ivano Balic vor seinem Karriereende waren. Neben dem Welthandballer verließen auch der Kapitän Jens Tiedtke, Adnan Harmandic, Kent Robin Tönnesen, José Hombrados und Dejan Manaskov die Grün-Weißen.

 

Am Ende war es „nur“ der 10. Tabellenplatz, allerdings hatten die Grün-Weißen nur zwei Punkte Rückstand auf Platz 7 und hielten sich einige Spieltage auf den internationalen Rängen. Besonders in der heimischen Rittal Arena, die ganze elfmal ausverkauft war, spielten die Wetzlarer Jungs stark und schlugen so einige Favoriten, wie die SG Flesburg-Handewitt, SC Magdeburg und MT Melsungen.

Am Ende konnte die Truppe von Kai Wandschneider eine fantastische Heimbilanz mit 23:9 Punkten aufweisen. Zudem stellte die HSG Wetzlar mit Steffen Fäth, Jannik Kohlbacher und Andreas Wolff gleich drei #badboys, die mit der Deutschen Nationalmannschaft im Januar 2016 in Polen Europameister wurden. Im Finale wurde der Wetzlarer Torwart Andreas Wolff zum großen Held, als er 48% der spanischen Würfe hielt. Es entfachte eine wahnsinnige Euphorie in Deutschland, aber auch in Wetzlar und Umgebung.

Knapp 2000 grün-weiße Fans kamen zum Empfang der drei Wetzlarer Europameister ins Forum Wetzlar.

Mit dem Saisonende 2015/16 erfolgt ein Umbruch im Team der HSG Wetzlar : acht Spieler (Fäth, Wolff, S. Weber, Rompf, Joli, Prieto, Bliznac und Laudt) verlassen den Verein oder beenden ihre Karriere.