Sven-Sören Christophersen blickt gar nicht so unzufrieden auf seine Einsätze bei der Europameisterschaft zurück Am Sonntag endete die Handball-Europameisterschaft in Österreich. Aus deutscher Sicht stellt das Abschneiden der Mannschaft des Deutschen Handball-Bundes (DHB) eine Enttäuschung dar. Auch für den Wetzlarer Bundesliga-Handballer Sven-Sören "Smöre" Christophersen war dieses Turnier alles andere als ein persönliches Highlight.
Als Nummer zwei hinter dem Ex-Wetzlarer Lars Kaufmann auf der Königsposition im linken Rückraum nominiert kam Christophersen, trotz der vermeintlichen Überforderung Kaufmanns, nur wenig zum Zug. Erst im vorletzten Spiel der Nationalmannschaft gegen Spanien verbuchte der Rückraumspieler seinen ersten von lediglich drei Treffern insgesamt und bekam in der abschließenden Partie gegen Tschechien vermehrt Spielanteile. Dabei hatte der Toptorjäger der HSG Wetzlar noch im Vorfeld des Turniers gehofft, dass die Bekanntgabe seines Wechsels nach Berlin am Ende der Runde seinen Kopf und viele weitere Kräfte frei machen würde.
Das Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der EM ist sicher sehr enttäuschend. Wie sehr ist Sven-Sören Christophersen frustriert?
Sven-Sören Christophersen: Das sehe ich schon aus zweierlei Hinsicht. Sicher war für die Mannschaft mehr drin und auch erwartet, alleine die Ergebnisse beim Supercup haben Anlass zur Hoffnung gegeben. Da konnten wir leider nicht drauf aufbauen und uns so präsentieren, wie man das von uns erwartet und gehofft hat. Darüber hinaus bin schon etwas enttäuscht darüber, dass ich wenige Einsatzzeiten hatte und somit wenig Einfluss auf das Spiel nehmen konnte. Dies war die Entscheidung des Bundestrainers und diese muss und werde ich so akzeptieren. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen werde ich mich weiter reinknien und alles dran setzen, mich weiter zu empfehlen und dem Bundestrainer zu zeigen.
Inwieweit überwiegt die persönliche Enttäuschung über die wenigen Einsatzzeiten (45 Minuten in sechs Spielen insgesamt) und damit wenigen Chancen, sich zu beweisen?
Christophersen: Genau genommen hatte ich ja nur in den beiden letzten Partien wirkliche Einsatzzeiten, alles zuvor war eher sporadisch. Gegen Spanien hatte ich noch etwas Wurfpech mit Aluminiumtreffern und Situationen, in denen passives Spiel angezeigt war, aber trotzdem und auch gerade gegen Tschechien war ich nicht unzufrieden mit meiner Leistung. Insofern ist die Enttäuschung über die wenigen Einsätze schon da. Bei meinen Spielen allerdings habe ich für mich festgestellt, dass ich Akzente zu setzen vermag und auch spielerisch sehr gut mithalten kann, von daher bin ich recht zufrieden. Ich werde mich daher in der Bundesliga weiter beweisen, weitere Chancen suchen und sie nutzen.
Wie werden Sie das Turnier verarbeiten und sich auf den Rest der Rückrunde in der Bundesliga vorbereiten?
Christophersen: Ich hatte von meinem Trainer dankenswerter Weise bis Mittwoch Sonderurlaub bekommen. Das war eine gute Gelegenheit, alles noch mal sacken zu lassen und zu reflektieren, um es für die Zukunft zu nutzen. So habe ich den Kopf ganz gut frei bekommen und bin wieder fit und freue mich riesig auf die Arbeit mit den Jungs in Wetzlar. Wir sind eine tolle Truppe und seit eineinhalb Jahren bereitet es mir hier Riesenspaß. Deswegen und das verspreche ich allen, werde ich mich absolut reinhängen und bis zum letzten Tag 100 Prozent geben, um mit dem Team das Beste rauszuholen.
In Wetzlar werden Sie wieder eine sehr verantwortungsvolle Rolle spielen und viel Last, das zuletzt durchlebte Leistungstief zu überwinden, ruht auf Ihren Schultern. Wie werden Sie damit umgehen?
Christophersen: Dass ich hier in Wetzlar eine Spiel tragende Person bin, ist ja für mich nichts Neues und darüber hinaus auch mein Wunsch und meine Forderung. Ich nehme diese Rolle sehr gerne an und will immer in der Mannschaft, in der ich spiele, einen solchen Platz einnehmen.
Was wünschen Sie sich für die restliche Saison mit der HSG Wetzlar und für sich persönlich?
Christophersen: Unser formuliertes Ziel ist Platz zwölf, und daran sollten wir festhalten. Wenn es uns gelingt, erneut die sehr guten Leistungen aus dem November abzurufen, diese konstant zu spielen, dann ist vielleicht sogar eine Überraschung drin. Wichtig dazu ist intensive und konzentrierte Arbeit, und wir brauchen Erfolgserlebnisse, dann kommt auch der Spaß und die notwendigen Punkte.
Welche Platzierung halten Sie, auch in Anbetracht des angekündigten Weggangs von Ihnen, Avishay Smoler und des sofortigen Wechsels von Petar Djordjic nach Flensburg, noch für möglich?
Christophersen: Wie gesagt, unser Ziel ist Platz zwölf, und daran gilt es sich zu orientieren. Wenn es besser werden kann, dann umso besser. Ich bin auch sehr guter Dinge, habe Mitte Januar ein paar Mal mit Michael Roth telefoniert und weiß daher, dass die Mannschaft gerade im physischen Bereich richtig hart gearbeitet hat. Da wir erst am 20. Februar (Heimspiel gegen GWD Minden, Anm. d. Red.) wieder ran müssen, haben wir jetzt noch zweieinhalb Wochen Zeit, mich und Alois Mraz wieder in die Feinabstimmung zu integrieren. Diesen Vorteil müssen wir unbedingt nutzen und uns darüber klar sein, dass bei der hohen Belastung der Topteams die Mannschaften hinter und um uns ebenfalls die eine oder andere Überraschung schaffen werden. Also müssen wir einiges tun und schnellstmöglich Punkte sammeln.
Ebi Klotz
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