| Interview mit Trainer Michael Roth |
| Dienstag, den 01. Juni 2010 um 19:55 Uhr |
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„Mit dem Saisonverlauf können wir grundsätzlich zufrieden sein"
"Rang zehn in der Zukunft durchaus realistisch“ Eine sicher turbulente Saison liegt hinter der HSG Wetzlar. Mit einem tollen Start begeisterte das Team des neuen Trainers Michael Roth die Fans in der stimmungsgeladenen RITTAL Arena. Sagenhafte 12:10-Punkte standen Ende November zu Buche. Alles schien über Plan zu laufen, doch dem goldenen Herbst folgte ein frostiger Winter. Nun, da die Saison 2009/10 mit dem schweren Auswärtsspiel bei den Rhein-Neckar-Löwen zu Ende gegangen ist, ist die Zeit des Resümees gekommen. Wir haben den 48jährigen Ex-Nationalspieler und Buchautor über seine ersten Saison in der Goethe- und Optikstadt befragt. Für die HSG Wetzlar geht dieser Tage eine, vor allem wirtschaftlich turbulente Saison zu Ende! Wie lautet Ihr Fazit? Michael Roth: „Grundsätzlich muss ich schon sagen, dass, betrachtet man die ganzen Umstände dieser Saison, man durchaus zufrieden sein kann. Einer tollen Startphase folgte im Dezember eine ganz harte und schwierige Zeit. Verletzungen, die Störfeuer von außen, der gesundheitliche Rückschlag von Rainer Dotzauer und die wirtschaftliche Misere, das war schon alles sehr intensiv. Besonders das all dies in einer Situation geschah, als wir dabei waren, Spielergespräche zu führen und die neue Saison zu planen. All diese Umstände waren da sehr hinderlich. Nichtsdestotrotz haben wir mit vereinten Kräften ruhig und besonnen diese Situation gemeistert. Stellvertretend seien hier Hardo Reimann, Sascha Schnobrich und Hans Grumbach genannt, die unermüdlich geackert haben und in dieser Phase alles Erdenkliche getan haben, dass wir überlebt haben und auch weiterhin überleben werden. Insofern gesehen kann man sagen, acht Spieltage vor dem Ende den Klassenerhalt quasi sicher zu haben ist schon ein Erfolg. Ich bin da etwas ehrgeiziger und denke, wir haben vier bis sechs Punkte zu wenig auf dem Konto. Besonders die Niederlagen zu Hause gegen Dormagen und Balingen schmerzen da sehr und sie zeigen, dass es nun auch Zeit für einen gewissen Umbruch ist. Damit sind nicht nur neue Spieler und Typen gemeint, sondern auch, eben mit diesem neuen Personal, andere Spielformen und Strategien.“ Was war für Sie aus sportlicher Sicht das wichtigste Ereignis der abgelaufenen Spielzeit? Michael Roth: „Da kann man sicher nicht nur eines benennen. Zum einen die vielen tollen Heimspiele in der Arena mit den tollen Fans im Rücken. Stellvertretend dazu sind sicher die Spiele gegen Berlin und Lemgo in ganz besonderer Erinnerung bei allen. Das hat gezeigt, zu was eine Mannschaft im Stande sein kann, wenn sie mental und physisch auf der Höhe ist. Das muss auch in der kommenden Runde unser Ziel sein, in jedem Spiel der ersten Liga. Weiter war es ganz wichtig, in einer Phase von Verletzungen, Krankheiten und der Sperre von Giorgos Chalkidis, dass wir mit einem Minikader aufgetreten sind, der in seiner Zusammensetzung auf den einzelnen Positionen eigentlich undenkbar war und Erfolg hatte. Dass wir mit den wenigen Möglichkeiten zu Hause gegen Magdeburg gewinnen konnten, das war schon wichtig und eine tolle Sache.“ Hatten Sie jemals ernste Zweifel am Überleben der HSG Wetzlar? Wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen? Michael Roth: „Nun ja, in der Zeit, in der ich wegen Rainer Dotzauers krankheitsbedingtem Ausfall auch das Amt des Sportlichen Leiters übernommen habe, da war es schon sehr kritisch. Du hast, neben dem täglichen Geschäft in der Halle, tiefe Einblicke ins Tages- und Finanzgeschäft und siehst wie kritisch das alles ist. Da hatte ich schon ein wenig Angst, dass hier etwas kaputt gehen könnte. Ich selber habe weniger Verlustängste, habe immer ein zweites Standbein und schon einige Erfahrungen in den vergangenen zwanzig Jahren in diesem Geschäft sammeln können. Die Bedenken gab es schon, aber wie gesagt, ich habe gelernt damit umzugehen und ich denke, unsere Offenheit und Transparenz der Mannschaft gegenüber, waren wichtig! Wir haben es geschafft, die Unsicherheiten, die bei jedem in dieser Phase existent waren, zumindest zu minimieren. Ganz kannst du dies nie ausblenden, aber eben dieser offene Umgang mit den Problemen hat da geholfen. Ich behaupte zwar, wenn wir diese Probleme nicht gehabt hätten, dann hätten wir es sogar geschafft, ‚Smöre‘ Christophersen zu halten, der sich ja eigentlich schon für uns entschieden hatte, aber im Zuge dieser Ungewissheit das Vertragsangebot aus Berlin angenommen hat. Ein Schritt, der durchaus nachvollziehbar und für mich und die HSG Wetzlar zu respektieren ist.“ Gab es denn ernsthafte Anfragen von anderen Vereinen und wenn ja, wann wären Sie denn schwach geworden? Michael Roth: „Natürlich laufen im Dezember immer die Planungen bei allen Vereinen und die anderen haben die damalige Situation hier in Wetzlar natürlich auch mitbekommen. Da wird dann, wie ja auch geschehen, ganz schnell mal etwas kolportiert, nach dem Motto ‚Roth will gehen‘! Ich gebe auch unumwunden zu, dass es zwei Angebote gab, die sehr interessant waren und die ich mir angehört habe. Allerdings stand für mich auch immer fest, und das habe ich auch immer so kommuniziert, dass ich in Wetzlar bleibe, sofern es der Verein schafft, sich wirtschaftlich so zu positionieren, dass wir sportlich schlagkräftig in die Runde gehen können. Einzig drohende Aussichten durchgereicht zu werden und eben keine Perspektive zu haben, wirtschaftlich wie Sportlich, hätten mich damals dazu bewogen von Bord zu gehen. Was aber nicht geschehen ist!“ Viele Akteure verlassen am Ende der Saison die HSG Wetzlar und es steht einmal mehr ein deutlicher Umbruch bevor. Wie sehen Ihre Ziele in diesem Rahmen für die nahe und mittlere Zukunft aus? Michael Roth: „So groß sehe ich den Umbruch gar nicht, denn das Gerüst der Mannschaft bleibt bestehen. Um Alois Mraz, Timo Salzer, ‚Bruno‘ Chalkidis und Kevin Schmidt werden wir neue, junge Gesichter präsentieren. Das Ziel im kommenden Jahr lautet wirtschaftliche Konsolidierung. Zeitgleich muss das neue Team sportlich wachsen und eine echte Einheit werden. Wenn wir es schaffen, eine ähnliche Rolle wie in dieser Saison zu spielen und frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, dann wäre das schon gut. Da die Mannschaft zwei Jahre so zusammenbleiben wird, müssen wir im zweiten Jahr schauen, wo wir stehen. Vielleicht kann man die Mannschaft dann, wenn es wirtschaftlich passt, punktuell mit einem bis zwei Qualitätsspielern ergänzen, aber man darf nicht unrealistisch sein, in der ersten Liga wird es für unseren Verein immer sehr schwer sein. Insofern ist eine Prognose sehr schwierig. Nichtsdestotrotz denke ich, dass wir eine gute Mannschaft und trotz wirtschaftlich schwerer Zeiten solche tollen Leute wie Philipp Müller, Steffen Fäth, Kari Kristjansson an die Lahn geholt haben. Darüber hinaus gilt es auch Timo Ludwig und einen Lukas Loh weiter heran zu führen.“ Wenn all dies gelingt, was denken Sie ist ein konkretes realistisches Ziel in zwei bis drei Jahren? Michael Roth: „Wenn wir kommende Saison zusammen wachsen und wir uns wirtschaftlich konsolidieren, wenn wir dann punktuell ergänzen könnten, dann ist der zehnte Platz durchaus realistisch.“ |






















