HSG Wetzlar startet Vorbereitung mit Sprung-, Sprint- und Laktat-Test in Gießen Vor dem Schweiß stand erst einmal ein bisschen Spaß. "Sind das die neuen Handball-Schuhe?", fragte Neuzugang Philipp Müller den auf einer Holzbank sitzenden Michael Roth. "Der übt fürs Skifahren", ergänzte Torhüter Nikolai Weber beim Anblick des Spezialverbandes, mit dem der Coach des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar beim gestrigen Trainingsstart auf dem Gelände der Sportuniversität in Gießen erschien. "Ich habe mir einen Teilriss der Achillessehne zugezogen", begründete Roth das Tragen des kniehohen schwarzen Schuhs.
Der 48-Jährige war beim Auftakt zu sechs Wochen harter Vorbereitung auf die 13. Saison der Grün-Weißen in der stärksten Liga der Welt der Einzige, der nicht rund lief. Die 17 Spieler - nur Neuzugang Steffen Fäth fehlte aufgrund seiner Nominierung für die Junioren-EM (27. Juli bis 8. August in der Slowakei) gestern - absolvierten einen Sprung-, einen Sprint- und einen Ausdauertest, an dessen Ende Laktatwerte genommen wurden. Unter Beobachtung von Professor Frank C. Mooren, dessen Mitarbeiter Karsten Krüger und weiteren Helfern des sportmedizinischen Instituts der Justus-Liebig-Universität gaben die Mannen um Kapitän Timo Salzer bei brütender Hitze alles. "Weil wir nicht nur schauen wollen, wie gesund, sondern vor allem wie leistungsfähig die Jungs sind", sagte Mooren. "Die Spieler bekommen anhand der Ergebnisse ihre Vorgaben. Individualisiertes Training ist unser gemeinsames Ziel", ergänzte der erfahrene Sportwissenschaftler.
"Kontrolle ist wichtig für Sportler, und meine Spieler wollen kontrolliert werden", ist Michael Roth die Notwendigkeit dieser Leistungsdiagnostik bewusst. "Wir legen in den ersten 14 Tagen die Basis in Sachen Kraft und Ausdauer. Aber auch die Schnelligkeit ist wichtig für die Athletik", blickte der HSG-Coach schon einmal voraus auf die kommenden Wochen. Ein ganz wichtiger Mosaikstein ist natürlich auch das Zusammenspiel auf dem Feld. Es gilt, die insgesamt acht Neuzugänge so schnell wie möglich zu integrieren. "Deshalb stehen in unserem Plan auch viele Turnierstarts. Da ist die tägliche Belastung hoch, und man kann als Trainer in der Kürze der Zeit taktisch einiges ausprobieren", so Roth.
Der Reigen der Vorbereitungsspiele beginnt am kommenden Samstag. Dann treffen die Wetzlarer um 19 Uhr in Hemau nahe Regensburg auf den Zweitligisten HC Erlangen. Am Sonntag um 18 Uhr gehts mit dem Auftritt bei Bezirksligist HSG Oberlahn (die inzwischen als HSG Marburg/Cappel firmiert) weiter. Das erste von zwei Trainingslagern führt die Grün-Weißen vom 23. bis 25. Juli nach Backnang. Nordöstlich von Stuttgart soll auch Steffen Fäth kurzzeitig zur Mannschaft stoßen. "Denn es ist wichtig. dass er seine neue Mannschaft kennenlernt", sagte Michael Roth gestern. Zum Abschluss der Tage im Schwäbischen steht die Teilnahme am Turnier des TSV Backnang mit Partien gegen die Zweitligisten TV Neuhausen und TV Bittenfeld sowie gegen Erstliga-Kontrahent HBW Balingen/Weilstetten auf dem Plan.
Neben Turnieren stehen Testspiele gegen Banja Luka und einige Zweitligisten an
Die letzte Juli-Woche gehört dem Linden-Cup, wo es am 28. Juli (Mittwoch) um 20.15 Uhr zum prestigeträchtigen Duell mit Nachbar TV Hüttenberg kommt. Einer weiteren Testpartie in Schlüchtern gegen die HSG Kinzigtal (30. Juli) folgt der Heimauftritt gegen ZKB Borac Banja Luka. Das von Dragan Markovic gecoachte bosnische Spitzenteam gastiert am 2. August (Montag) um 20 Uhr in der Sporthalle Münchholzhausen. Während des daran anschließenden Sparkassen-Cups mit Vorrundenduellen gegen Wisla Plock (Polen) sowie die Zweitligisten TV Emsdetten und HSG Düsseldorf (Roth: "Da hoffe ich, dass wir ins Finale kommen") erhöht die HSG ihr Pensum mit einem Trainingslager in Bad Wildungen.
Die Begegnungen bei Regionalligist HSG Pohlheim (11. August, 19.30 Uhr) und bei der TSG Sulzbach (21. August) sind weitere Aufgalopps für die neue Runde. Das Intersport Masters in Sindelfingen (13. bis 15. August) mit Partien gegen US Dunkerque/Belgien, Bittenfeld und die Rhein-Neckar Löwen sowie die Tests beim TV Hüttenberg (18. August, 17 Uhr) und gegen die HSG Frankfurt RheinMain am 22. August (18 Uhr) in Lich dienen dann als Generalprobe für das erste Bundesligaspiel, das bekanntlich vorverlegt wurde.
Denn die Wetzlarer eröffnen bereits am 25. August (Mittwoch) um 20.15 Uhr die Saison 2010/2011 mit dem Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt. Dieser Termin hat nach Meinung von Roth mehrere Vorteile. "Zum einen kommen wir nach einem Jahr Abstinenz endlich mal wieder in den Genuss eines Fernsehspiels. Denn Sport1 wird aus der Rittal-Arena übertragen", sagte der Coach gestern. "Zum anderen sind die Flensburger vielleicht noch nicht so im Rhythmus. Da ist die Chance für eine Überraschung größer. Zumal unser Auftaktprogramm hart ist."
Auch Lars Friedrich ist sich der Schwere der ersten Aufgaben bewusst - was den Linkshänder gestern aber nicht vom Flachsen abhielt. "Dank des frühen Termins gegen Flensburg ist die Vorbereitung nicht so lange", schmunzelte der Rückraumspieler , der wie Philipp Müller den Umzug nach Mittelhessen hinter sich hat und eigentlich nur noch einen Studienplatz in der Region für seine Freundin sucht.
Ehe es am gestrigen Abend in der Halle zur Sache ging und bevor am Freitag um 19 Uhr in Münchholzhausen das erste öffentliche Training stattfindet, war auch Michael Roth gestern positiv gestimmt. "Wobei ich normalerweise schlechte Laune haben müsste, weil ich zur Zeit wegen meiner Verletzung nicht selbst Sport treiben kann." Was der durchgeschwitzte Timo Salzer wiederum nicht so stehen lassen wollte: "Wieso, Trainer. Du kannst doch Radfahren, während wir laufen." Bei allem nötigen Ernst in der Vorbereitung darf der Spaß auch bei der HSG Wetzlar nicht fehlen.
Quelle: Volkmar Schäfer - Wetzlarer Neue Zeitung
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