Abwehr-Umstellung Schlüssel zum Heimsieg über TV Emsdetten!

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar gewinnt mit 24:19 gegen kampfstarken Aufsteiger - Kevin Schmidt trifft vor 4021 lautstarken Zuschauern zehn Mal

Wetzlars Trainer Kai Wandschneider war im Vorfeld nicht müde geworden, vor der Qualität des Gegners aus Westfalen zu warnen und den mahnenden Hinweis zu geben, dass das Spiel gegen den TV Emsdetten kein Selbstläufer werde! Wie sehr der gebürtige Hamburger einmal mehr mit seiner Einschätzung recht hatte, konnten die 4021 Zuschauer in der Rittal Arena besonders in den ersten dreißig Minuten der Partie gegen den Aufsteiger mit verfolgen. Beide Teams starteten verhalten und die Abwehrreihen dominierten das Spiel in der Anfangsphase. Evars Klesniks brachte seine Farben mit 1:0 (3.) in Front und es schien, als sei dies der Startschuss für die Grün-Weißen. Doch in den kommenden sechs Minuten sollte keine der beiden Mannschaften ein Mittel gegen die sehr konsequent und gut agierenden Defensivreihen finden. War es auf Seiten der HSG Wetzlar Keeper Magnus Dahl, der an die Leistung der ersten Halbzeit in Berlin anzuknüpfen schien, so machte der Routinier der Gäste, Vitali Feshchanka auf der anderen Seite reihenweise Chancen der Grün-Weißen zu Nichte. 

Als der einstige Wetzlarer „Jimmy“ Chalepo in der 19. Minute seine erste Auszeit nahm, schienen sich alle Prognosen des Vorfeldes zu bewahrheiten, hatte doch HSG-Geschäftsführer Björn Seipp orakelt und die Fans um Feingefühl gebeten, wenn „es nach zehn bis fünfzehn Minuten noch 5:5“ stehen sollte. Der TV Emsdetten kam nun, besonders dank des guten Zusammenspiels zwischen Selmanovic, Bozovic und dem bulligen Koch am Kreis, immer besser im Angriff zurecht. Doch auch der Zwei-Tore-Rückstand beim 5:7 (20.) schien die HSG wenig zu beeindrucken. Konsequent und sehr diszipliniert spielten die Fäth, Balic und Co. ihre Angriffe herunter und erlaubten sich nur wenige überhastete Abschlüsse. Der Lohn war die zweite Führung des Spiels, als Kevin Schmidt auf der linken Außenbahn souverän abschloss. Doch erneut der wurfgewaltige Bozovic, nach Kreuzung mit Selmanovic egalisierte wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff. 

Auch nach der Pause änderte sich das Bild nur wenig. Zwei überhastete Angriffe der Wetzlarer über die zweite Welle trugen dazu bei, dass die Emsländer beim 12:10 (33.) erneut mit zwei Treffern in Front lagen. Doch wie schon in der ersten Halbzeit ließen sich die Grün-Weißen nicht aus der Ruhe bringen. Diszipliniert und sehr gut organisiert durch den gut leitenden Harmandic auf der Mittelposition spielte sich die Gastgeber immer wieder Chancen heraus. In der Deckung zog Wandschneider nun eine in den letzten Wochen bereits stechende Trumpfkarte. Die Umstellung auf eine Positionsverteidigung gegen den rechten Rückraum, beginnend mit Kevin Schmidt brauchte noch gut acht Minuten, doch dann holten sich die Prieto, Tiedtke und Co. immer mehr Ballgewinne.

Der TV Emsdetten wirkte hilflos, immer wieder ließ Chalepo den Linksaußen einlaufen, doch dieses Konzept scheiterte an den technischen Fehlern der Gäste oder der Deckung (Wandschneider: „Kevin hat das schon sehr gut gemacht, aber Ivano hat das genial gespielt, da gibt es kein Steigerung mehr“), die mehrfach Bälle schlichtweg herausfischte. Wetzlar kam nun, durch die Ballgewinne auch immer besser in der Vorwärtsbewegung ins Spiel. Hier war es insbesondere Kevin Schmidt, der seine Chancen ganz souverän und eiskalt nutzte und mit zehn Tagestreffern zum Topscorer avancierte. 

Emsdettens Hilflosigkeit wusste sich nun auch in Zahlen auszudrücken. Ganze acht Minuten blieben die Mannen von Chalepo ohne Torerfolg, versäumten es durch taktische Umstellungen, ihren Toptorschützen der ersten Halbzeit, Janko Bozovic, wieder ins Spiel zu bringen. Kevin Schmidt war es dann, der erstmals beim 18:16 (49.) eine zwei Tore Führung für seine Farben heraus werfen konnte und diese ließ sich die HSG dann auch nicht mehr nehmen. Kontinuierlich ackerte die Deckung und was dann noch auf´s Tor kam, war Beute des stark haltenden Magnus Dahl und auch in der Konterbewegung wurde das Wetzlarer Spiel immer besser. Der Kempatreffer zum 19:16 (51.) durch Schmidt, der vom Publikum frenetisch gefeiert wurde, schien den Knoten der Hausherren endgültig platzen zu lassen. 

Emsdetten mühte sich, doch lediglich drei Treffer in 15 Minuten reichten nicht, um noch einmal in die Nähe eines Punktgewinns zu kommen. Die HSG konnte sich am Ende sogar den Luxus erlauben wieder die eine oder andere Nachlässigkeit im Angriff aufkommen zu lassen, zu wenig Ideen und Effektivität zeigten die Gäste. Die endgültige Entscheidung war sicher der Konter von Kevin Schmidt zum 23:19 (56.) Balic hatte erneut genial den Spielzug gelesen, den Ball locker abgefangen und Schmidt auf die Reise geschickt. Die letzten vier Minuten plätscherten dahin, ehe Tönessen mit dem Schlusspfiff den 24:19-Endstand erzielte und den für die HSG so wichtigen Sieg unter Dach und Fach brachte.

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff; Schmidt (10/1), Prieto, Tiedtke (1), Tönnesen (3), Reichmann, Fäth (4/1), Hahn (3), Bliznac, Harmandic (2), Balic, Klesniks (1).

TV Emsdetten: Babin, Feshchanka; Selmanovic, Kvalvik, Bozovic (7), Løkkebø (2), Thünemann, Halilbegovic (2), Schüttemeyer, Boomhouwer (1), Schulz, Paladin (1), Arnarson (2), Gretarsson, Koch (4)

Schiedsrichter: Hartmann/Schneider (Sachsen Anhalt) – Zuschauer: 4021 – Zeitstrafen: 6:6 Minuten (HSG: Tiedtke, Bliznac, Klesniks- TVE: Halilbegovic, Kvalvik, Løkkebø ) – Strafwürfe: 5:2/1:0  - Kevin Schmidt scheitert an Feshchanka (7.), Tönnesen wirft vorbei (35.), Fäth an die Latte (46.),Gretarsson scheitert an Dahl (29.) 

Stimmen zum Spiel:

Genadij Chalepo (Trainer TV Emsdetten):

"Es ist immer schwierig für einen Aufsteiger, für uns ist jedes Spiel schwer und wir können nur kämpfen und weiterkämpfen. Es war kein gutes Handballspiel hier, von Wetzlar war nichts zu sehen und wir haben gut verteidigt. Bei uns ist das Fehlen von Rangnarsson nicht zu ersetzen und es fehlen am Ende die letzten 15 Minuten die Kräfte. Wir haben eben keine Erfahrung und müssen lernen clever zu sein."

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar)

"Kompliment an den TV Emsdetten für eine tolle kämpferische Leistung und eine gute Deckung. Ich finde, wir haben ein ganz gutes Spiel gemacht und viele Chancen erarbeitet, nur sind wir reihenweise an meinem alten Freund Feshchanka gescheitert, dem ich beinahe die Freundschaft hätte kündigen müssen (lacht). Der TVE hat ganz geschickt das Tempo verschleppt und mit Bozovic einen sehr starken Vollstrecker in der ersten Hälfte gehabt. Bei uns hat zwar die 6:0-Deckung sehr gut gearbeitet und Magnus Dahl stark gehalten, aber die Umstellung auf 5:1-Abwehr sehe ich als Schlüssel zum Sieg. Kevin hat das dort schon gut gemacht, aber Ivano ist dort einfach genial. Ein Lob auch für die gute Spielleitung an Ado Harmandic und an Tobi Hahn, der seine Sache sehr ordentlich gemacht hat. Für uns ist das heute sehr wichtig gewesen, jetzt haben wir 14 Punkte und das habe ich vor acht Wochen so noch nicht geglaubt. Der TV Emsdetten jedoch wird noch für einige Mannschaften ein ganz unangenehmer Gegner werden, besonders zu Hause in deren Halle."

Carlos Prieto (HSG Wetzlar):

"Das war super heute und sehr wichtig. Jetzt haben wir 14 Punkte und das beruhigt etwas. Trotzdem müssen wir weitermachen und nach vorne gehen. Wir haben seit Wochen sehr gut trainiert, eine gute Stimmung und deshalb haben wir das auch verdient heute. Wir entwickeln uns stetig, auch vom Kopf her und müssen das weiter tun. Wir müssen an uns glauben, an das, was wir können und dann noch mehr wollen. Wir können vom Grunde her in jedem Spiel gewinnen."

Jens Tiedtke (HSG Wetzlar):

"Der Sieg heute war wichtig und der Grund dafür war eine über 60 Minuten sehr starke Deckung mit einer sehr guten Torhüterleistung. Wir hatten schon in der ersten Halbzeit gute Chancen, aber diese nicht verwertet, insofern konnten wir da auch froh sein, nicht zur Pause hinten zu liegen. In der zweiten Hälfte haben wir das fortgesetzt und die Umstelung auf 5:1-Deckung hat uns auch besser ins Angriffs- und Tempospiel gebracht, da hatten wir mit Kevin Schmidt einen sehr starken Vollstrecker."

Kent Robin Tönnesen (HSG Wetzlar):

"Der TV Emsdetten war sehr stark und hat sehr diszipliniert in der Abwehr gespielt. In der ersten Halbzeit war unsere Chancenverwertung zu schwach, aber die Deckung gut, daher ist das 10:10 in Ordnung zur Pause. Gut das wir dran geblieben sind. Die zweite Halbzeit waren wir sehr diszipliniert und die Deckung, mit Magnus dahinter, hat super funktioniert."