Achtbar aus Affäre gezogen

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Chalepo-Team vergibt sechs Siebenmeter Valo muss nach elf Minuten passen

Fleischspieße, Auflauf, Nudelspeise und Pudding – eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff hatte ein Catering-Betrieb in einer abgeschiedenen Ecke der Flensburger Campushalle kräftig aufgetischt. Die Spieler der HSG Wetzlar scharten sich nach der 30:36 (15:18)-Niederlage bei der SG Flensburg/Handewitt um das Schlemmerbuffet. »Jeder das, was er verdient«, sagte das Catering-Personal anerkennend. Die Mittelhessen durften etwas kräftiger zugreifen, sie hatten sich im hohen Norden achtbar aus der Affäre gezogen. »Immerhin haben wir 30 Tore gegen ein Spitzenteam gemacht«, meinte HSG-Rückraumspieler Philipp Müller, mit einem Bierchen in der Hand. Er war einer der Besten im HSG-Team gewesen.

 

Nur zu Beginn hatte es so ausgesehen, als ob die Wetzlarer wieder arg unter die Räder kommen würden wie zu Weihnachten 2010. Die ersten fünf Angriffe zerschellten am überragenden Flensburger Keeper Mattias Andersson. Blitzschnell antworteten die Hausherren mit Gegenstößen. Erinnerungen wurden wach an die herbe 22:42-Abfuhr, über die eigentlich keiner mehr sprechen wollte. Wetzlars Trainer Gennadij Chalepo legte die Grüne Karte bereits nach sechs Minuten. Kein Wunder, lag sein Team doch mit 0:5 zurück. »Ich wollte, dass wir mehr Geduld aufbringen und konsequenter zum Tor gehen«, sagte der Trainer später über die Worte, die er in der Auszeit verloren hatte.

Er brachte auf der Schaltzentrale Alois Mraz für Timo Salzer, während Adnan Harmandic diesmal bis auf einen Siebenmeter auf der Bank sitzen blieb. »Ein anderes Mal wird er wieder mehr spielen«, deutete Chalepo an. Nach zehn Minuten kam Philipp Müller für den blassen Steffen Fäth. Die Gäste boten nun eine Partie auf Augenhöhe. Allerdings hatten die Zuschauer nie das Gefühl, dass die Angelegenheit kippen könnte.

Dafür hatten die Flensburger zwei »Versicherungen« zwischen den Pfosten. »Die besseren Torhüter standen auf der anderen Seite«, musste Chalepo erkennen. »Man könnte aber auch sagen, dass wir die schlechteren Schützen hatten.« Wiederholt blickten die Hessen ehrfürchtig auf Keeper Andersson, der ihnen so manchen »Freien« abkaufte. Am Ende hatte der Schwede unter den Augen seiner Nationaltrainer Staffan Olsson und Ola Lindgren 22 Paraden auf seinem Konto. Sein dänischer Vertreter Sören Rasmussen mauserte sich zum Siebenmeter-Schreck. Insgesamt vergab die HSG sechs Strafwürfe – was noch beim Imbiss kopfschüttelnde Reaktionen auslöste.

Ein weiterer Grund für die Chancenlosigkeit: Die Deckung. »Eine Abwehrschlacht war es nicht«, merkte Chalepo an. Das lag auch an der Taktik des Favoriten. »Ich wollte, dass wir viel laufen, viel Druck ausüben und viel Spaß haben«, erklärte SG-Coach Ljubomir Vranjes. Aber auch der frühzeitige Ausfall von Daniel Valo war ein empfindlicher Rückschlag für die Gäste. »Ohne ihn fehlt ein wichtiger Baustein unserer Abwehr«, meinte Müller, der stattdessen in den Mittelblock rückte. Valo war in der elften Minute mit Michael Knudsen zusammengestoßen. Kopf an Kopf. »Ich hatte ihn nicht gesehen, er mich wohl auch nicht«, erzählte der Slowake später. Er lag zunächst benommen auf dem Parkett, musste behandelt werden und wurde sogar in ein Flensburger Krankenhaus gebracht. Zum Essen war der Linkshänder wieder zurück. Mit Kopfschmerzen und ohne Appetit – aber mit der Zuversicht, am Freitag gegen Balingen spielen zu können.

Nach dem frühen Fünf-Tor-Rückstand hatte Holger Glandorf (11.) zum 9:3 getroffen, beim 10:12 hatte Lars Friedrich die Gäste wieder herangebracht. Dichter kamen die Wetzlarer dem Favoriten aber nicht mehr. In der zweiten Halbzeit kam die HSG noch auf 20:23 heran (40.), doch das Scheibenschießen ging weiter, bei dem sich auch der Ex-Wetzlarer Petar Djordjic mit vier Treffern in den letzten acht Minuten auszeichnen konnte.

SG Flensburg/Handewitt: Andersson, Rasmussen; Karlsson, Eggert (8/6), Glandorf (10), Mogensen (4), Svan Hansen (2), Djordjic (5), Heinl, Kaufmann (2), Knudsen (5)

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber; Schmidt (2), Salzer, Valo, Jungwirth (2), Mraz (2), Müller (6), Chalkidis (4), Fäth, Harmandic, Friedrich (6/2), Kristjansson (7), Hahn (1)

Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Altenheim/Elgersweier)
Zuschauer: 5814
Zeitstrafen: 12:6 Min.
Siebenmeter: 6/6:7/2 (Andersson hält gegen Schmidt, Rasmussen gegen Friedrich (2) und Kristjansson. Harmandic wirft vorbei)

Jan Kirschner