"Addo" reißt Spiel rum

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HSG Wetzlar dreht Partie gegen FA Göppingen zum 26:25

Hinter den Kulissen bastelt Aufsichtsratschef Manfred Thielmann an der Mannschaft der Zukunft. Auf dem Parkett verzauberte Adnan "Addo" Harmandic die Gegenwart. Nach langem Anlauf riss der bosnische Spielmacher die erste Bundesligapartie nach der EM-Pause aus dem Feuer und führte die Handballer der HSG Wetzlar gestern Abend zum glücklichen 26:25 (13:14)-Sieg über Frisch Auf Göppingen.

Video (Quelle: mittelhessen.de) => Pressekonferenz
Video (Quelle: mittelhessen.de) => "Ado" & Co.
Video (Quelle: mittelhessen.de) => Michael Thiede (Frisch Auf! Göppingen)

Nach "einem Gegurke", so Torwart Nikolai Weber, herrschte am Ende Spannung pur. Nach einer Zeitstrafe gegen Philipp Müller verkürzte Drasko Mrvaljevic zweieinhalb Minuten vor Schluss auf 25:26. 63 Sekunden vor Ultimo trat der Mazedonier erneut zum Strafwurf an, traf aber nur die Unterkante der Latte. Danach retteten die Hausherren den Erfolg über die Zeit. "Nur der Sieg zählt!", schrie Torwart Weber seine Begeisterung heraus. Während sein Coach mit seinen Gefühlen zu kämpfen hatte. "Ein Traum ist wahr geworden, ein Triumph über den ehemaligen Trainer ist einfach nur außergewöhnlich", schüttelte Gennadij Chalepo im allgemeinen Siegestaumel fast ungläubig den Kopf.

"Ich weiß wirklich nicht, wo wir im Moment stehen", gab sich Frisch-Auf-Trainer Velimir Petkovic beim nachmittäglichen Kaffeetrinken im Hotel Blankenfeld, wo der Altmeister nach der Anreise am Morgen Station machte, ungewohnt unsicher. So durfte sich auf der Gegenseite auch sein einstiger Spieler Gennadij Chalepo gefühlt haben. Schließlich war die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte allerhöchstens durchwachsen verlaufen.

Chalepo feiert Triumph gegen seinen ehemaligen Trainer Petkovic

Die Gäste erwischten den besseren Start und führten nach 13 Minuten mit 7:3. Während die offensive Deckung des aktuellen EHF-Pokalsiegers auch ohne ihren mit einer Grippe zu Hause gebliebenen Chef Dalibor Anusic den wenig durchschlagkräftigen HSG-Rückraum in Schach hielt, agierte die Wetzlarer Abwehr viel zu statisch und ließ vor allem Pavel Horak schalten und walten. Und vor allem werfen. Erst als Chalepo den Tschechen nach einer Auszeit durch Tobias Hahn in Manndeckung nehmen ließ, stand die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen hinten besser. Wobei sich der erst am Montag verpflichtete Weltmeister von 2007, Andrej Klimovets, bei allem Bemühen noch Abstimmungsdefizite offenbarte, durchaus als Aktivposten erwies. Als Alois Mraz im linken Rückraum Philipp Müller ablöste, wirkte die zweite Reihe der Grün-Weißen gefährlicher. Auch wenn der Tscheche in manchen Aktionen übermotiviert zu Werke ging und mit einem Ball aus fast 20 Metern am bosnischen Ex-Nationaltorwart Emir Tahirovic scheiterte.

Nachdem der eingewechselte Nikola Marinovic auf der Gegenseite einen Siebenmeter pariert hatte und Kevin Schmidt seine Farben mit einem spektakulären Tempogegenstoß auf 11:12 heranbrachte, kam endlich etwas Stimmung in der enttäuschend schwach besetzten und bis dahin zuweilen fast totenstillen Arena auf.

"Draußen vor der Tür war die Lahn zur dicken Eisfläche gefroren. Auf dem Parkett ging es dagegen heiß her. Auch wenn die Spannung die Qualität deutlich übertraf. Nach dem 14:14 durch Schmidts Siebenmeter drohte die HSG dennoch wieder auszurutschen. Doch vor allem der starke Mittelmann Adnan Harmandic hielt Wetzlar im Spiel. Per Siebenmeter sorgte der Bosnier fünf Minuten vor Schluss mit dem 24:23 für die erste Führung und durfte sich am Ende von Mitspielern und Zuschauern als Held des Tages feiern lassen.

Wetzlar: Marinovic (20. bis 34.), Weber - Schmidt (4/2), Salzer, Valo (6), Mraz (3), Müller (2), Fäth (n.e.), Hahn (3), Harmandic (5/1), Friedrich (1), Kristjansson (2), Klimovets

Göppingen: Tahirovic, Rutschmann (n.e.) - Oprea (1), Thiede (6), Schöne (3), Späth (1), Mrvaljevic (6/2), Lobedank (1), Markez (1/1), Rnic (1), Schubert, Markicevic, Horak (5)

Schiedsrichter: Brauer/ Holm (Hamburg/Hagen)
Zuschauer: 3232
Zeitstrafen: Wetzlar vier (Müller zwei, Valo, Friedrich); Göppingen vier (Späth, Mrvaljevic, Rnic zwei)
verworfene Siebenmeter: Markez (Göppingen) scheitert an Marinovic (25.), Schmidt (Wetzlar) scheitert an Tahirovic (40.), Friedrich (Wetzlar) scheitert an Tahirovic (47.), Mrvaljevic (Göppingen) an die Latte (58.)

Thomas Hain