"Ado" verpasst Sensation

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Harmandic verwirft mit Abpfiff Siebenmeter

Im leichten Nieselregen an der Elbe hat sich die HSG Wetzlar vom HSV Hamburg nicht nass machen lassen. Fast auf den Tag genau sieben Jahre nach dem noch unter Trainer Holger Schneider errungenen einzigen Sieg in der Hansestadt (24:22) unterlagen die Mittelhessen gestern Nachmittag am 16. Spieltag der Handball-Bundesliga in der O2-World unglücklich mit 24:25 (10:13).

 

Es war zwar die siebte Niederlage der Grün-Weißen aus den letzten elf Partien. Das Auftreten beim noch amtierenden Deutschen Meister, der in der Tabelle jedoch bereits acht Minuspunkte Rückstand auf den THW Kiel aufweist, machte aber Hoffnung für die restlichen beiden Partien dieses Jahres kommenden Mittwoch (20.15 Uhr) gegen den VfL Gummersbach sowie am Dienstag, 27. Dezember, beim SC Magdeburg.

"Die Mannschaft hat mich heute total überrascht. Sie hat am Ende zwar äußerst unglücklich verloren, aber ihre Chance genutzt und tolle Werbung in eigener Sache betrieben", war HSG-Geschäftsführer Björn Seipp nach den 60 dramatischen Minuten zwar geknickt über die knappe Niederlage, aber auch stolz auf das, was seine Jungs vor 10 698 Zuschauern geboten hatten.

Schon in Halbzeit eins ließ sich die Truppe aus Dutenhofen und Münchholzhausen vom HSV-Starensemble, das seinen 222. Sieg seiner knapp zehnjährigen Erstliga-Geschichte feierte, nie abschütteln. Gestützt auf eine beherzt zupackende Deckung sowie einen starken Torwart Nikolai Weber dahinter lagen die Gäste nie mehr als mit drei Toren zurück. Nach knapp zehn Minuten zog Philipp Müller beherzt zum 4:6 ab, nach elf Minuten markierte der slowakische Linkshänder Daniel Valo das 5:7. Philipp Müller (zum 6:8, 14.) und Kari Kristjan Kristjansson (zum 7:9, 16.) hielten Wetzlar weiter im Spiel, ehe dem Isländer nach 19 Minuten sogar der 9:9-Ausgleich glückte.

Zwar legte der DHB-Pokal-Viertelfinalist, der unter der Woche sein Match bei den Rhein-Neckar Löwen äußerst glücklich nach Verlängerung für sich entschieden hatte, drei Tore durch Pascal Hens, Matthias Flohr und Igor Vori zum 12:9 nach, doch Adnan Harmandic besorgte viereinhalb Minuten vor dem Wechsel das 10:12, ehe Pascal Hens den 13:10-Halbzeitstand markierte.

Auch als die Hausherren nach 38 Minuten mit 18:13 in Front lagen, gaben sich die Gäste nicht geschlagen. "Wir waren ein Team, jeder hat für den anderen gekämpft", freute sich HSG-Coach Gennadij Chalepo über die Aufholjagd der Seinen, die beim 20:20 (51.) durch Timo Salzer wieder egalisiert hatten.

Was nun folgte, war ein Krimi, wie ihn Edgar Wallace nicht hätte besser schreiben können. Jede Führung des HSV glichen die Grün-Weißen durch Kristjansson (21:21, 52.), Harmandic (22:22, 55.) und abermals Kristjansson (23:23, 57., 24:24, 58.) wieder aus, ehe dem kroatischen Kreisläufer Igor Vori eineinhalb Minuten vor dem Abpfiff das 25:24 für den HSV Hamburg gelang.

Trainer Chalepo ist stolz auf seine Mannschaft: "Haben ein tolles Spiel hingelegt"

Harmandic vergab danach den Ausgleich, der Däne Hans Lindberg scheiterte 29 Sekunden vor Schluss am starken Nikolai Weber im HSG-Tor, ehe die Hamburger Deckung Kari Kristjan Kristjansson zu Boden riss und Adnan Harmandic erneut zum Siebenmeterpunkt schritt. Die Uhr war bereits abgelaufen, als der Bosnier zum dritten Mal an Nationaltorhüter Johannes Bitter scheiterte.

Der Jubel in der O2-World kannte keine Grenzen, die Gäste schlichen konsterniert, aber erhobenen Hauptes vom Feld. "Natürlich bin ich unzufrieden, denn wir hatten uns mit unserem beherzten und engagierten Auftreten einen Punkt verdient. Aber ich bin auch sehr stolz auf meine Jungs, sie haben ein tolles Spiel hingelegt", sah Chalepo die Niederlage am Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Sein Gegenüber Per Carlén entschuldigte sich unterdessen bei den eigenen Fans: "Das war heute nicht der HSV, den wir eigentlich präsentieren wollen. Uns hat Energie gefehlt, die Batterie war nach den letzten schweren Spielen leer. Am Ende hatten wir Glück, die Partie noch gewonnen zu haben. Wetzlar hat ein gutes Spiel gemacht." Das im hohen Norden aber nicht mit Punkten belohnt wurde.

Hamburg: Bitter, Beutler - Kraus (2), Schröder, Duvnjak (2), Lackovic (2), Flohr (5), Vori (2), Bertrand Gille (1), Guillaume Gille (2), Vugrinec (2), Lindberg (4), Marcin Lijewski (1), Hens (2)

Wetzlar: Weber, Marinovic - Schmidt, Rompf, Salzer (5), Valo (2), Jungwirth (1), Müller (4), Fäth, Hahn, Harmandic (5/2), Friedrich (1/1), Kristjansson (6)

Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal)
Zuschauer: 10 698
Zeitstrafen: Hamburg eine (Marcin Lijewski)
verworfene Siebenmeter: Kraus (Hamburg) scheitert an Marinovic (55.), Harmandic (Wetzlar) scheitert an Beutler und Bitter (46., 48., 60.), Friedrich (Wetzlar) scheitert an Beutler (25.)

(afi)