"Am Ende waren alle einfach platt!"

DKB Handball-Bundesliga

27:27-Unentschieden im letzten Saisonspiel gegen Göppingen - Verabschiedung von Kevin Schmidt, Tobias Reichmann, Daniel Valo und "Dankeschön" an Betreuer Horst Theis

Viel hatten sich die Wetzlarer Handballer vorgenommen im letzten Heimspiel der Saison. Nicht nur, dass man sich für die bittere Pleite gegen Berlin und den unglücklichen Punkverlust in Emsdetten rehabilitieren wollte, auch der neunte Tabellenplatz schien mit einem Sieg noch in Schlagweiten. Doch die nächste personelle Hiobsbotschaft lies die Hoffnungen im Vorfeld wieder sinken. Der unter der Woche angeschlagene Kent Robin Tönnesen musste für die Partie ganz passen. 

Mit dem 27:27 (14:18) gegen die Gäste von Frisch Auf Göppingen gelang dann zumindest ein versöhnliches Ende am letzten Spieltag. Die HSG begann fahrig und lies jede Körperspannung vermissen. Göppingen indes schien hellwach und willens, die Punkte in Wetzlar mit nach Hause zu nehmen. Während die Grün-Weißen Fehler en Masse produzierten und sich etliche Fehlwürfe leisteten, bestätigten die Gäste Wandschneiders Einschätzung aus der Vorschau. „Die fackeln nicht lange“ hatte der Coach da noch angemerkt und beim 7:3 (9.) durch Rnic schien sich dies mehr als zu bewahrheiten. 

Während Göppingen mit flüssigem Laufspiel und einfachsten Kreuzungen den vermeintlichen Schützen immer wieder in beste Position brachte, mühte sich Ado Harmandic im Wetzlarer Angriff meist vergebens. Zu umständlich, zu Fehler behaftet und durchsichtig für die Göppinger Defensivreihe. Auch die Auszeit des Wetzlarer Coaches beim 4:10 (14.) verfehlte ihre Wirkung. Die Wandschneider Schützlinge auch im Anschluss ohne Zug und Kampf. Erst als der akribische Taktiker zur Auszeit der Gäste (8:13, 21.) die Deckung auf 4:2 umstellte und im Angriff Flo Laudt für Ado Harmandic und Tobias Hahn für Evars Klesniks im rechten Rückraum brachte änderte sich das Auftreten der Hausherren. Deutlich aggressiver und mutiger in der Deckung zwangen sie nun den Göppinger Angriff zunehmend zu Fehlern und auch die Leistung vom seit der neunten Minute das Wetzlarer Gehäuse hütenden Wolff wurde nun zusehends stärker. 

Aber auch im Angriff lief das Spiel nun flüssiger. Nun waren es auch die Wetzlarer, die mit einfachen Kreuzungen und Verlagerungen die Rückraumschützen Fäth und Bliznac in Position brachten. Ergebnis war eine kleine 4:0-Serie der Hausherren zum 13:15 (29.). 15 Sekunden vor dem Pausenpfiff war es Rompf per Strafstoß, der seine Farben beim 14:17 auf Tuchfühlung hielt, doch scheinbar schon in der Kabine, verpennten die Wetzlarer den Anwurf und Lobedank mit dem Pausenpfiff zum 18:14 für seine Farben. Die Pausenansprache von Kai Wandschneider schien ihr Ziel zu finden, denn die Tiedtke und Co. spielten weiter schwungvoll und flüssig. Da die Fehleranzahl und Zahl der Fehlwürfe jedoch weiter extrem hoch waren, schaffte Frisch Auf Göppingen es, den Vorsprung auf 21:16 (37.) durch den starken Daniel Fontaine zu erzielen. Doch die HSG fing sich wieder und konnte sich nicht nur weiter in der Defensive, sondern auch in der Offensive stabilisieren. Besonders der vom Siebenmeterstrich souveräne Christian Rompf, der die gut herausgespielten Aktionen in Tore münzte, sorgte für den Anschluss. Beim 24:25 (54.) durch einen herrlichen Kempatrick in Unterzahl (!) von Klesniks auf Fäth ging ein Raunen durch die Menge und es schien, als sollte die HSG das Spiel noch drehen. Doch zunächst Harmandic und dann Laudt ließen die Chance auf den Ausgleich liegen. 

Göppingen, in Durchgang zwei mit vielen Fehlern und Nachlässigkeiten, schaffte es trotzdem den Vorsprung bei zwei Zählern zu halten. Beim 27:25 40 Sekunden vor dem Ende durch Daniel Fontaine, der den Ball mit voller Wucht durch die „Hosenträger“ von Andi Wolff jagte, war die Partie zu Gunsten der Gäste faktisch gelaufen. Doch mit Christian Rompfs sechsten Siebenmetertreffer nur 10 Sekunden später keimte wieder Hoffnung auf. Ein Ballverlust der Göppinger, eine Disqualifikation gegen Daniel Fontaine und eine unbändig kämpfende HSG sorgten 4 Sekunden vor dem Ende für den vielumjubelnden 27:27 Endstand. Neben Fontaine wurde dann auch noch Steffen Fäth Disqualifiziert, da er den Anwurf der Göppinger regelwidrig verhinderte. Beide werden wohl einer Sperre entgegensehen, denn ein zusätzlicher Bericht der beiden nicht sonderlich souverän wirkenden Unparteiischen wurde angekündigt. 

Im Nachgang der Partie wurden mit Tobias Reichmann, Daniel Valo und Kevin Schmidt  drei Spieler in würdigem und emotionalem Rahmen verabschiedet. Die emotionalste Verabschiedung indes wurde dem langjährigen Betreuer Horst Theis zu Teil, der nach inoffiziellen 35 Jahren nun etwas kürzer treten will.

 

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff; Prieto, Tiedtke (4), Rompf (9/6), Reichmann (1), Laudt (3), Fäth (8), Kraft, Bliznac (1),  Hahn, Harmandic (1), Klesniks.

Frisch Auf Göppingen: Prost, Marinovic; Kraus (4), Kneule (2), Oprea, Späth (2), Beljanski, Lobedank (4), Markez (2), Pevnov (1), Fontaine (4), Thiede, Rnic (4), Schiller (4).

Schiedsrichter: Immel / Klein (Ratingen/Tönisvorst) – Zuschauer: 4.053  – Zeitstrafen: 2:6  ( Wetzlar: Hahn - Göppingen: Markez, Späth, Kneule) – Disqualifikation: Fontaine, Göppingen (60.), Fäth, Wetzlar (60.) beide mit Bericht - Strafwürfe: 6:6 / 0:1 

 

Stimmen zum Spiel:

Kai Wandschneider (Trainer HSG): Ich und auch die Mannschaft sind sehr froh, dass die Saison nun zu Ende ist. Ich denke, alles in allem war das eine sehr erfolgreiche Runde, bei all den Widrigkeiten und Verletzungsmiseren, waren wir zu Beginn der Runde ein echter Abstiegskandidat. Wenn wir unter anderem nicht Ivano Balic, Carlos Prieto und Evars Klesniks nachverpflichtet hätten, dann wären wir sang- und klanglos in Richtung zweite Liga marschiert, denn die erste Liga ist so stark wie lange nicht. Ich muss ein Kompliment an das Team machen, die haben auch heute wieder bis zuletzt gekämpft und über die Saison sind sie eine echte Gemeinschaft geworden. Das wir heute einen Punkt geholt haben ist letztlich sicher sehr glücklich, wir haben genau einmal ein Unentschieden gehabt. Ich könnte jetzt noch etwas Weiteres dazu sagen, aber, das darf ich nicht. Alles in allem hat dieses Spiel heute die gesamte Runde wiedergespiegelt und der Ausfall von Steffen im ersten Spiel der neuen Runde, durch seine Disqualifikation heute, ist eine Katastrophe. Die Diagnose bei Kent, eine sehr schwere Verletzung des Schultereckgelenks, ist ebenso bitter. Er wird jetzt sechs Wochen knallhart Reha machen müssen und dann hoffen wir, dass er uns zur Vorbereitung zur Verfügung steht. Am Ende waren alle einfach platt, in der Deckung haben wir das mit der 4:2 Variante gut gelöst und Flo einen sensationellen Job gemacht und konnte nachher nicht mehr laufen. Im Angriff haben uns ein paar Tricks und zwei schöne Kempa-Tore geholfen.

Aleksander Knezevic (Frisch Auf Göppingen): Das war sicher zum Schluss ein verlorener Punkt heute. Wenn du das ganze Spiel siehst, dann hatten wir zum Ende auch etwas Pech mit technischen Fehlern. Aber, wenn du siehst, dass wir durch diesen Punkt einen Platz klettern konnten, dann ist das doch versöhnlich. Auch bei uns spiegelt dieses Spiel so ein wenig die gesamte Saison wieder. Wir waren sicher nicht konstant stabil genug und dann hat die Umstellung der Deckung von Wetzlar uns auch ein bisschen Probleme bereitet und wir haben den Faden verloren.