Anhäufung von Missgeschicken

created by webmaster@hsg-wetzlar.de (Wolfgang Fischer)

Nur 20 gute Minuten Schwache Chancenverwertung »Den Gegner starkgemacht und nicht gewehrt«

Die Schlachtenbummler der HSG Wetzlar waren in bester Urlaubsstimmung und hatten hohe Erwartungen. Bekleidet mit Baströckchen, Blumenketten, Shorts und Strohhüten machten sich die Fans gestern in die Aschaffenburger Unterfrankenhalle auf, um ihre Mannschaft beim TV Großwallstadt lautstark und optisch auffällig zu unterstützen. Doch erstmals in der laufenden Runde der Handball-Bundesliga enttäuscht das Team von Gennadij Chalepo auf ganzer Linie.

 

Die 23:28 (11:14)-Niederlage an der hessisch-bayerischen Landesgrenze war vollkommen unnötig, da die spielerisch limitierten Großwallstädter nur aufgrund der Wetzlarer Anhäufung von Missgeschicken und Unzulänglichkeiten zum Erfolg kamen. »Wir haben verloren. Sonst niemand. Wir haben uns das selbst zuzuschreiben«, gab Spielmacher Timo Salzer zu. Das Ärgerliche war, dass Großwallstadt ähnlich schwach spielte und für die HSG eigentlich zwei Punkte zum Greifen nahe gewesen waren.

»Dass wir so den Faden verlieren und uns durch ein paar von Martin Galia gehaltene Bälle und ein paar Treffer aus dem Rückraum aus dem Konzept bringen lassen, darf nicht sein und ist schwer zu verstehen«, sagte Salzer. Dabei war seine Truppe recht beachtlich gestartet und spielte den TVG zunächst in eigener Halle regelrecht an die Wand. Georgios Chalkidis traf völlig frei stehend vom Kreis aus zum 4:1 (6.), Philipp Müller war drei Minuten später aus halblinker Position zum 5:3 erfolgreich. Wetzlar diktierte in den ersten 20 Minuten das Geschehen und hielt vor allem die Großwallstädter Klasse-Leute Stefan Kneer und Jens Tiedtke gut in Schach.

Beim 6:3 durch einen Gegenstoß von Salzer in der elften Minute und beim 7:3 (13.) durch den gleichen Spieler war die grün-weiße Welt noch in Ordnung. »In den ersten 20 Minuten waren wir die bessere Mannschaft«, meinte Chalepo, der dann aber vor allem die mangelnde Chancenverwertung zu bemängeln hatte: »Das ist jetzt schon das dritte Spiel in Folge, in dem wir so viele Chancen auslassen. Das ist für mich nicht zu erklären, da wir ja vorher alles richtig machen und uns gut freispielen.«

Durch diese Schwäche verlor Wetzlar den Faden und die klare spielerische Linie. Salzer verstrickte sich fortan unnötigerweise in Einzelaktionen, die Kreisläuferposition schien verwaist, und im Tor bekam Nikolai Weber keine Hand mehr an den Ball. Das Team von TV-Trainer Peter David wusste die zahlreichen Missverständnisse und Fehler im HSG-Spiel geschickt auszunutzen. Moritz Schäpsmeier traf per Tempogegenstoß zum 10:10 (21.), nachdem Kristjansson vorne gepatzt hatte, und versetzte die Mittelhessen in eine Schockstarre, die mit dem Ertönen der Halbzeitsirene in einer besonderen Situation gipfelte. Denn just in diesem Augenblick markierte Joakim Larrson nach einem tollen Köhrmann-Zuspiel per Kempatrick den 14:11-Halbzeitstand.

»Wir wussten, dass Wetzlar wiederkommen würde. Umso besser war die Reaktion der Mannschaft«, freute sich Großwallstadts Co-Trainer Uli Wolf. Er sollte recht behalten, denn in der 44. Minute hatte Kristjansson frei stehend am Kreis die Riesenmöglichkeit zum 19:19-Ausgleich, scheiterte aber am toll reagierenden Galia, der lange stehen blieb und den Heber des Isländers wie eine Pflaume herunterpflückte. »Das war der Knackpunkt. Solche Chancen müssen drin sein, zumal Großwallstadt danach auf 24:18 davongezogen ist«, meinte Chalepo, der aber noch mehr grundlegende Eigenschaften vermisste: »Wir haben den Gegner starkgemacht und uns dann nicht gewehrt. Die wussten gar nicht, was sie machen sollten am Anfang. Hier hätten wir was holen müssen.«

TV Großwallstadt: Wolff, Galia; Spatz (5/2), Kneer (6), Tiedtke (4), Holst (7), Larsson (2), Jakobsson, Schäpsmeier (3), Kaufmann, Köhrmann (1)

HSG Wetzlar: Weber, Marinovic; Schmidt (6/4), Salzer (5), Valo (2), Jungwirth (1), Mraz, Müller (4), Chalkidis (1), Fäth, Harmandic, Friedrich (1), Kristjansson (3)

Schiedsrichter: Damian/Wenz (Mainz/Bingen)
Zuschauer: 2421
Zeitstrafen: 4:4 Minuten
Siebenmeter: 3/2:5/4

Jan Martin Strasheim