Auch Gefühle können täuschen

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HSG Wetzlar nur Punktelieferant beim SC Magdeburg

er erhoffte Husarenstreich blieb aus. Im letzten Pflichtspiel der Handball-Bundesliga vor der im Januar beginnenden Europameisterschaft unterlag die HSG Wetzlar in der Magdeburger Getec-Arena dem gastgebenden SC mit 25:31 (10:18).

 

Nach den zuletzt gezeigten respektablen Leistungen gegen Gummersbach und beim deutschen Meister HSV Hamburg hatten sich die Mittelhessen auch in Magdeburg etwas ausgerechnet. „Ich habe ein gutes Gefühl, dass wir gut abschneiden können, denn wir haben die Qualität, den SCM zu besiegen“, hatte Trainer Gennadij Chalepo seinen Schützlingen vor dem Anpfiff in der fast ausverkauften Arena Motivationshilfe gegeben. Doch der Erkenntnisgewinn, dass Magdeburg bislang mit einer mickrigen Heimbilanz von 8:8 Punkten hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, vermochte den Gästen keinen zusätzlichen Schwung verleihen. Im Gegenteil, Gefühle können täuschen. Die Hausherren zeigten sich trotz des Ausfalls von Mannschaftskapitän Fabian van Olphen (Kreuzbandriss) und Jure Natek (Leistenoperation) von Beginn an hoch konzentriert und spielten die Gäste von der Lahn mit sehenswertem Tempohandball schwindelig.

Schnell führte der SC mit 4:1 (Landsberg, 5.), und als Steffen Fäth eine Zwei-Minuten-Strafe abbrummen musste, hieß es 6:1 nach Treffern von Tönnesen (Strafwurf) und Robert Weber. Als erneut der österreichische Rechtsaußen des SC erfolgreich abschloss (7:2), platzte Chalepo der Kragen. Schon in der achten Minute warf er den grünen Karton auf den Zeitnehmertisch und rief seine Mitarbeiter zur Dienstbesprechung. Aber auch diese zeigte keine nachhaltige Wirkung, denn zunächst scheiterte Lars Friedrich mit einem Siebenmeter am starken Gerrie Eijlers im SC-Gehäuse, dann konnte eine Zeitstrafe gegen Magdeburgs Jurecki von den Lahnstädtern nicht genutzt werden. Auch der Wetzlarer Torwartwechsel (Nikola Marinovic löste in der 12. Minuten den glücklosen Niko Weber ab) brachte der indisponierten HSG-Abwehr keine Stabilität.

Und da in der HSG-Offensive neben überhasteten Fehlversuchen haarsträubende technische Fehler unterliefen, hatte der SC es leicht, auf 10:4 (15.) davon zu ziehen. Nachdem Marinovic einen Strafwurf von Stian Tönnesen parierte und Fäth auf 11:7 (23.) verkürzte, schienen sich die Wetzlarer etwas freischwimmen zu können. Doch drei Treffer der Gastgeber in Folge machten die HSG-Bemühungen schnell wieder zunichte. Über die Stationen 14:7 (26.) und 16:9 (29.) schraubte der Tabellensechste den Zwischenstand bis zur Pause auf 18:10.

Die Entscheidung war bereits hier gefallen, denn die Mittelhessen konnten auch im zweiten Durchgang nicht mehr über ihren Schatten springen. Der Torabstand blieb relativ konstant (20:12, 35., 23:15,40.) weil die Chalepo-Truppe den kleinen norwegischen Spielmacher des SC, Stian Tönnesen, nie neutralisieren konnte.

Die Gastgeber spielten jetzt auch für die Galerie. Nach tollem Zuspiel von Tönnesen warf Weber per Kempa-Trick das 24:15 (41.) und begeisterte die Zuschauer. Die HSG kam acht Minuten vor dem Ende dank der Nervenstärke des neuen Siebenmeterschützen Kari Kristjansson auf fünf Tore heran (27:22), zu mehr reichte es aber nicht, obwohl sich der SCM etliche Nachlässigkeiten leistete. Magdeburg spielte die Partie locker zu Ende und konnte sich dabei begnügen, seinen verletzten Rückraumschützen Ales Pajovic meist nur in der Abwehr einzusetzen. Bei Wetzlar wurde deutlich, dass nur dann ein besseres Abschneiden möglich ist, wenn alle Mannschaftsteile auf gleichem Niveau spielen. Und daran mangelte es in Magdeburg ganz deutlich.

(uc)