Aufopferungsvoller Kampf der HSG wird nicht belohnt

DKB Handball-Bundesliga

SC Magdeburg siegt denkbar knapp - Alois Mraz mit einer starken Leistung auf der ungewohnten Kreisläuferposition

Trotz einer, über 60 Minuten, kämpferisch starken Leistung gelingt es der HSG Wetzlar nicht sich mit einem Punktgewinn zu belohnen. Beide Mannschaften begegneten sich nahezu über die komplette Spielzeit auf Augenhöhe, so dass die Entscheidung erst in letzter Minute zu Gunsten des SC Magdeburg fällt. Die Möglichkeit bestand bis zur letzten Sekunde für die Grün-Weißen als Sieger vom Parkett zu gehen, jedoch stolperten die Mittel-Hessen über ihre eigene Chancenverwertung. „Wir haben einfach zu viel verworfen“, so das eindeutige Fazit von HSG-Trainer Kai Wandschneider.  

Mraz mit starker Leistung am Kreis 

Die Vorzeichen standen nicht gut bei der HSG Wetzlar, da mit Jens Tiedtke der Stammkreisläufer aussetzen musste. Beim vergangenen Auswärtsspiel in Hannover handelte sich der ehemalige Nationalspieler eine rote Karte ein und konnte somit am heutigen Abend nicht in das Spielgeschehen eingreifen. Als Ersatz musste der Rückraumallrounder Alois Mraz die ungewohnte Kreisläuferposition bekleiden, da auch Kári Kristjansson verletzungsbedingt ausfiel. Der 125fache tschechische Nationalspieler fand sich jedoch schnell am Kreis zurecht und mit fünf Toren und vier erkämpften 7-Metern überraschte Mraz nicht nur die 4.114 Zuschauer. Auch HSG-Trainer Kai Wandschneider war höchst zufrieden mit „Loisi“: „Alois hat ein Sonderlob verdient, da er in der Offensive als auch in der Defensive eine starke Partie abgeliefert hat.“

Konzentrierter Beginn von der HSG Wetzlar 

In der Anfangsphase agierten die Mittel-Hessen sehr konzentriert und spielten sich gute Torchancen heraus. Mit einem immer besser aufspielenden Nikolai Weber, setzte sich die HSG nach 14 Minuten auf 8:6 leicht ab. In den kommenden Minuten gingen die Wandschneider-Schützlinge jedoch zu fahrlässig mit ihren Chancen um, so dass Magdeburg schnell zum Ausgleich kam. Diese grün-weiße Schwächephase wurde von den Mannen aus dem Bördeland routiniert ausgenutzt. Wetzlar wiederum verstrickte sich immer häufiger in 1:1 Aktionen und durch die schwindende Wurfqualität fand nun auch der SCM-Schlussmann Gerrie Eijlers immer besser in die Partie. „Gerrie hat uns in der ersten Halbzeit im Spiel gehalten“, so der ehemalige Co-Nationaltrainer Frank Carstens. Doch auch HSG-Rückhalt Nikolai Weber konnte einige Bälle entschärfen, so dass Wetzlar nur mit einem knappen 12:13 Rückstand in die Halbzeit ging. 

Ein Kampf bis zur letzten Sekunde 

Von Beginn der zweiten Hälfte an offenbarte sich den zahlreich erschienen Fans in der Rittal Arena ein gewohntes Bild. Wie am Ende der ersten Halbzeit rannten die Heimherren dem Rückstand hinterher. Der SCM fand wiederum zu jedem Anschluss oder Ausgleichstreffer der Grün-Weißen die passende Antwort und gab im zweiten Durchgang nicht einmal die Führung in Wetzlarer Hände. Diese ließen sich zunächst nicht davon beeindrucken und blieben mit Gewaltwürfen von Michael Müller oder mit sehenswerten Treffern von Alois Mraz im Spiel. Der Schlüssel zum Magdeburger Erfolg offenbarte sich Mitte der zweiten Halbzeit. „Wir haben in der Offensive sehr diszipliniert und effektiv gespielt und konnten mit einer teils guten Deckungsleistung unser Tempospiel aufziehen“, so SCM-Trainer Frank Carstens über sein Erfolgsrezept. Eben dieses Gegenstoßspiel und somit die einfachen Treffer fehlten der Heimsieben nahezu über die gesamten 60 Minuten. Trotz aller Makel, die das Spiel der HSG Wetzlar besaß, steckten die Gastgeber zu keinem Zeitpunkt auf und lieferten den favorisierten Magdeburgern einen erbitterten Kampf. Beim Stand von 27:27 in der 57. Minute war die Spannung deutlich auf den Tribünen zu spüren, woraufhin die heimischen Fans ihre Spieler nach vorne peitschten. Trotz zweier Angriffe  und über 4000 Fans im Rücken gelang es den Mannen um Regisseur Adnan Harmandic nicht den Ball im Tor der Gäste unterzubringen. Bei Magdeburg übernahm der 38 jährige Norweger Stian Tönnessen die Verantwortung und markierte den entscheidenden Treffer zum 28:27, der den Auswärtssieg besiegeln sollte. 

Auch wenn solche Niederlagen sehr schmerzhaft sind, muss man im Lager der HSG Wetzlar den Fokus direkt auf die anstehende Aufgabe legen. Schon am Samstag besteht für die Domstädter die Möglichkeit beim VFL Gummersbach wieder in die Erfolgsspur zurück zu finden. Der Übungsleiter der HSG Wetzlar Kai Wandschneider legte die Marschroute für das kommende Auswärtsspiel fest: „Kopf hoch und dann volle Kraft voraus Richtung Gummersbach. Dort wollen wir die zwei Punkte einfahren, die wir heute Abend nicht geholt haben!“  

HSG Wetzlar: Weber, Marinovic; Schmidt (7/3), Rompf, Philipp Müller, Fäth (4), Fridgeirsson, Harmandic (3), Michael Müller (5), Valo (1), Reichmann (2), Hahn, Zörb, Mraz (5). 

SC Magdeburg: Eijlers, Gustavsson; Grafenhorst (6), Musche, van Olphen (2), Kneer (4), Tönnessen (1), Rojewski (4), Schäpsmeier (1), Weber (3/1), Hornke (2), Jurecki (4), Landsberg (1), Wiegert. 

Zeitstrafen: 2:4 Minuten: HSG (Philipp Müller) - SCM (Landsberg, Rojewski), Strafwürfe: 3:6/1:2, Schiedsrichter: Peter Behrens / Marc Fasthoff, Zuschauer: 4114 


 Spielverlauf: 0:1 (2.Minute), 1:2 (4.), 3:3 (5.), 5:4 (8.), 6:6 (12.), 8:6 (14.), 8:8 (20.), 10:10 (24.), 10:11 (26.), 12:13 (HZ), 13:13 (32), 14:15 (35.), 17:18 (37.), 20:20 (43.), 22:22 (48.), 24:25 (52.), 26:26 (56.), 27:27 (57.), 27:28 (Endstand). 

Alois Mraz: Wir haben in der ersten Halbzeit zu viel verworfen und in der zweiten Halbzeit es einfach nicht geschafft in Führung zu gehen. Magdeburg ist eine starke Mannschaft, die am Ende verdient gewonnen hat. Wir haben alles gegeben und bis zum Ende gekämpft aber leider ohne etwas Zählbares mit zu nehmen. 

Kai Wandschneider: Wie haben einfach zu viel verworfen und zu viele Fehler in der zweiten Welle produziert. Am Ende fehlen ein paar Prozent um so einen starken Gegner wie Magdeburg zu schlagen. Ein Sonderlob gebührt Alois Mraz der eine sehr starke Partie gespielt hat. In Gummersbach wollen wir die zwei Punkte einfahren, die wir heute Abend nicht holen konnten. 

Yves Grafenhorst:  In Wetzlar zu gewinnen ist immer unglaublich schwer, was den Sieg umso schöner macht. Die HSG hat uns alles abverlangt und doch Glück konnten wir das Spiel noch für uns entscheiden. Wir haben eine starke, geschlossene Mannschaftsleistung abgeliefert und freuen uns jetzt über den knappen Sieg. 

Frank Carstens: Ich bin sehr glücklich dieses intensive Spiel gewonnen zu haben. Wir haben uns vorgenommen in der Offensive diszipliniert und effektiv zu spielen. Das ist uns zum größten Teil sehr gut gelungen. In der ersten Halbzeit hat uns zudem Gerrie Eijlers im Spiel gehalten. In der zweiten Halbzeit standen wir besser in der Deckung und konnten dann unser Tempospiel aufziehen.