Balic überragt! Wetzlar siegt beim HSV Handball

DKB Handball-Bundesliga

31:28-Auswärtserfolg in O2 World in Hamburg – Abwehr-Umstellung von Trainer Kai Wandschneider der Schlüssel zum Erfolg

Die Serie ist gebrochen! Nach über zehn Jahren konnte die HSG Wetzlar am Samstag wieder in Hamburg gewinnen. 31:28 siegten die Mittelhessen beim HSV Hamburg. Nach der vierten Niederlage in Folge verbleibt das Team von Christian Gaudin mit 2:10 Zählern auf einem Abstiegsrang, die Gäste aus Mittelhessen klettern hingegen vorübergehend auf Rang fünf. Kent Robin Tönnesen (9/3) war bei den Wetzlarern der beste Torschütze. Auch beim HSV erfolgte der meiste Druck von den Halbpositionen, Adrian Pfahl und der wieder genesene Alexandru Simicu trafen je siebenmal.

Den ersten Treffer der Partie erzielte Adrian Pfahl, der in der zweiten Minute das 1:0 für den HSV erzielte. Der Linkshänder war in der Anfangsphase der zentrale Akteur im Hamburger Spiel, seine Mannschaftskameraden versuchten ihn immer wieder in Szene zu setzen. Doch gegen die kompakt arbeitende Deckung der Wetzlarer taten sich die Hanseaten schwer, im aufgebauten Angriff lief nicht viel zusammen. Auf der gegenüberliegenden Seite wirkte das Angriffsspiel deutlich stimmiger und teilweise fast elegant. Besonders Ivano Balic glänzte mit viel Übersicht und schönen Anspielen. Die HSG erspielte sich so immer wieder gute Chancen und konnte sich bis zur neunten Minute auf 5:2 absetzen.

Mit einer Parade gegen den am Kreis freistehenden Balic verhinderte Johannes Bitter nach einem HSV-Treffer den erneuten Drei-Tore-Rückstand für seine Mannschaft. Zwar erzielte Hans Lindberg mit einer schönen Einzelaktion im Gegenzug den Anschlusstreffer, doch ging das in dieser zehnten Spielminute fast unter: Eine Aktion zuvor war Adrian Pfahl liegengeblieben, musste minutenlang behandelt werden und verließ schließlich langsam das Feld. Für ihn kam Matthias Flohr in die Partie.

Nach einer Viertelstunde führte Wetzlar nach dem nächsten Treffer von Lindberg weiterhin – wenn auch nur knapp mit 7:6. Lindberg hatte per Siebenmeter in der zwölften Minute zwar zwischenzeitlich ausgeglichen (5:5), doch gegen den HSG-Angriff und die Übersicht eines Balic fand die Hamburger Defensive kein Mittel. Auch die Unterzahl nach einer Zeitstrafe gegen Carlos Prieto hatte dem Vorsprung nichts anhaben können. Die Hamburger haderten hingegen zunehmend mit den Schiedsrichterentscheidungen.

Nach einer Auszeit von Christian Gaudin kam Pfahl zumindest im Angriff wieder in die Partie und in der Deckung versuchten die Hamburger, die Kreise von Balic mit einer Manndeckung durch den Ex-Wetzlarer Kevin Schmidt einzuengen. Doch dadurch entstanden im restlichen Abwehrverbund größere Lücken, die die Rückraumschützen der Mittelhessen wie Florian Laudt und Kent Robin Tönnesen zu nutzen wussten. So setzte sich die HSG bis zur zwanzigsten Minute auf 10:7 ab. Auch der Torwartwechsel bei den Hamburgern von Bitter auf Max-Henri Hermann blieb zunächst wirkungslos.

In der 21. Minute sah in Jens Tiedtke der nächste HSG-Spieler eine Zeitstrafe und Pfahl nutzte die Überzahl, um auf 9:11 zu verkürzen. Hermann parierte nun zweimal glänzend und der inzwischen eingewechselte Alexandru Simicu netzte wenig später zum Anschlusstreffer ein. Der HSV schien ins Spiel zu finden.

Kai Wandschneider reagierte umgehend und legte nun seinerseits die Grüne Karte. Der Coach der Mittelhessen gönnte Balic nun eine Pause. Für den genialen Regisseur rückte Laudt auf die Mitte und Abwehrchef Kristian Bliznac kam im linken Rückraum. Der Schwede traf umgehend zum 12:10 und stellte einen Angriff später mit einem Gegenstoßtreffer die Drei-Tore-Führung wieder her.

Doch nach einer Zeitstrafe gegen Tönnesen verkürzten Lindberg per Siebenmeter und Schmidt in der umkämpften Begegnung auf 12:13. Und gut anderthalb Minuten vor der Pause war dann auch der Ausgleich endlich da: Lindberg erkämpfte sich den Ball und schickte Henrik Toft Hansen zum Gegenstoß: 14:14.

Pfahl legte nach einer Parade Herrmanns die erste HSV-Führung seit der Anfangsphase nach. Nachdem Bliznac im Gegenzug erst am Pfosten und dann frei im Nachwurf an Herrmann gescheitert war, ging der HSV angesichts des Spielverlaufs durchaus überraschend mit einem 15:14-Vorsprung in die Kabine.

Bei der HSG Wetzlar kam nach der Pause Jose Hombrados in die Partie und ersetzte Andreas Wolff im Tor. Auch Gaudin wechselte nach zwei Minuten zwischen den Pfosten und brachte Bitter zurück in die Partie. Beide frisch ins Spiel gekommenen Keeper konnten erste Paraden für sich verzeichnen. Die beiden Mannschaften lieferten sich nun einen offenen Schlagabtausch, in dem ein Tor nach dem anderen fiel. So ließ Balic Simicu mit einer schönen Finte aussteigen und netzte zum 17:16 ein. Der Rückraumspieler „revanchierte“ sich jedoch in der 38. Minute und erzielte nach dem zwischenzeitlichen 18:18-Unentschieden den 20:19-Führungstreffer aus Hamburger Sicht.

Nach dem anfänglichen Schwung, mit dem beide Teams aus der Kabine gekommen werden, beruhigte sich das Spiel nun etwas. Doch auch mit etwas weniger Tempo war das Spiel umkämpft: Jens Tiedkte, Kevin Schmidt und Evars Klesniks sahen innerhalb einer knappen Minute alle eine Zeitstrafe. Die Hamburger nutzten den Platz, der sich auf dem Spielfeld und setzten sich von 20:19 auf 23:20 (42.) ab. Das war auch der Verdienst von Bitter, der einige schöne Paraden hatte zeigen können. Auf der Gegenseite war hingegen wieder Wolff für den insgesamt recht glücklosen Hombrados in die Partie gekommen.

Trotz des Rückstandes steckte die HSG jedoch nicht auf: Tönnesen netzte vom Siebenmeterpunkt zweimal eiskalt und unbeeindruckt vom Pfeifkonzert des Hamburger Publikums ein, sodass die HSG eine gute Viertelstunde vor dem Ende wieder auf 22:23 herangekommen war. Nach einer Zeitstrafe gegen Kentin Mahe agierte der HSV in Unterzahl und musste zudem auf Kapitän Pascal Hens verzichten, der in Unterzahl als zusätzlicher Feldspieler gekommen war, dann jedoch verletzt vom Feld musste.

In der 46. Spielminute hatte Wetzlar – immer noch in Überzahl – die Chance zum Ausgleich, doch Laudt scheiterte völlig frei an Bitter. So erhöhte Henrik Toft Hansen stattdessen wieder auf zwei Tore: 24:22. Der Ausgleich fiel erst vier Minuten später, als Adnan Harmandic zum 25:25 einnetzte. Der eingelaufene Tobias Hahn legte kurz darauf das 26:25 für die Mittelhessen drauf.

Acht Minuten vor dem Ende führte Wetzlar so mit einem Tor und HSV-Coach Gaudin nahm seine letzte Auszeit. Der Erfolg blieb jedoch zunächst aus: Die HSG konnte auf 27:25 erhöhen und die Hamburger taten sich gegen die Deckung der Mittelhessen weiterhin schwer. Fünf Minuten vor dem Ende konnte Simicu zwar noch einmal den Anschluss herstellen, nachdem Toft Hansen zuvor mit einer Großchance an Wolff gescheitert war, doch Wetzlar agierte nun clever.

Bis zum Zeitspiel zögerte die HSG ihren Angriff hinaus und Balic netzte mit einem Schlagwurf eiskalt und mit viel Auge zum 28:26 ein - eine entscheidende Aktion. Denn, zudem kassierte Toft Hansen noch eine Zeitstrafe und Mahe wenig später die nächste. Nachdem Hombrados Lindberg zudem noch einen Siebenmeter abgenommen hatte und Hahn knapp zwei Minuten vor dem Ende zum 30:27 einnetzte, war die Vorentscheidung gefallen. Der HSV verlor das vierte Spiel in dieser Saison und Wetzlar durfte einen verdienten 31:28-Auswärtssieg feiern. 

Quelle: www.handball-world.com