Bittere Niederlage zum Jahresabschluss

DKB Handball-Bundesliga

Domstädter verlieren 29:32 gegen die "Gallier von der Alb"

Zum Jahresausklang in der DKB-Handball Bundesliga kam es in der Rittal-Arena zum Aufeinandertreffen zwischen der HSG Wetzlar und der HBW Balingen-Weilstetten. Während die Wetzlarer bis zum Dezember als das Team der Stunde galten und zeitweilig den dritten Tabellenrang inne hatten, rangierte das Team von Dr.Rolf Brack wie gewohnt in den unteren Tabellenregionen. Doch auch die Gallier von der Alb überzeugten im Verlauf der Hinrunde bereits mit einigen sehr spektakulären Ergebnissen und so war es für Kai Wandschneider und seine Mannschaft nicht einmal ein „Sieg im Vorbeigehen“ zum Jahresabschluss. 

Nach relativ ausgeglichenem Beginn und einer leichten Führung der HSG beim 4:2 (5.) allerdings übernahmen die Gäste das Kommando. Eine Vielzahl technischer Fehler auf Seiten der Gastgeber und eine immer aggressiver und kompakter stehende Deckung der Gäste machte den Hausherren das Leben schwer. Bereits früh hatte Brack mit der taktischen Variante des siebten Feldspielers begonnen und praktizierte dies zunehmend im Verlauf der ersten Hälfte. Der HSG indes schien dies, verbunden mit einem breit angelegten Spiel der Schwaben im Rückraum nicht zu schmecken und die Brack-Sieben nutzten die breiten Lücken nun ein ums andere Mal. Als Kai Häfner, erneut unter Nutzung des siebten Feldspielers das 16:11 (27.) erzielte schienen die Gäste das Spiel vollends in den Griff zu bekommen. 

Auch die Auszeit von Kai Wandschneider beim 8:11 )21.) fruchtete nicht und ein Wurf ins leere Tor der Balinger von Jens Tiedtke schien  zu wenig. Doch die HSG bäumte sich auf als Kevin Schmidt ebenfalls das leere Tor traf (13:16 ; 27.) schien die Partie wieder offen. Doch Balingen setzte nach und distanzierte die Hausherren zur Pause erneut mit fünf Treffern auf 19:11 durch Häfner. 

Auch nach der Pause konnte sich die HSG, trotz aller Versuche, die Gäste nicht in ihrem Drang stoppen. Reichmann verkürzte noch einmal auf 17:20 (34.), doch in der Folge waren es die Schlinger, König und Co., die den Gastgebern das Leben wieder schwer machten. Die HSG machte zudem einige Fehler, lies die Chance gegen einen Feldspieler im Tor aus, als Tiedtke in der 46ten am zurückeilenden Benny Herth im Gehäuse scheiterte. Beim 29:22 (51.) durch Linninger schienen die Balinger  die Grün-Weißen in ein Debakel zu schicken. 

Doch erneut bäumte sich die HSG auf, zeigte nun die altbekannten Qualitäten und agierte deutlich aggressiver in der Deckung, ohne das die beiden Unparteiischen dies häufiger mit der Anzeige von passivem Spiel entlohnten. Zweimal Valo zum 26:29 (56.) ließen die Hoffnungen auch bei Kai Wandschneider noch einmal aufkeimen und auch der Treffer von Harmandic zum 27:30 (57.) zeugte von Kampf und Wille. 

Doch die Kraft war weg und die Balinger mit dem Schwung der Führung retteten die Partie über die Zeit. „Uns hat heute einfach die Energie gefehlt. Hinzu kommen zu viele individuelle Ausfälle bei uns. Der Substanzverlust fängt ja schon früh an, mit der Verletzung von Valo Ende November, der unsäglichen Sperre für Philipp, Alois´ Verletzung, das rächt sich nun und subsummiert sich. Der Sieg der Balinger geht daher auch absolut in Ordnung. Nichtsdestotrotz habe ich eine kämpfende und sich nicht aufgebende Mannschaft gesehen. Ich denke wir haben eine tolle Saison bisher gespielt und müssen nun weiterarbeiten, hoffen, dass von unseren Nationalmannschaftsfahrern alle gesund wieder zurückkehren“, so Wandscheneider in seiner Analyse.

Wetzlar: Marinovic, Weber; Schmidt (4/3),Fridgeirsson (2), Tiedtke (3), Rompf (1), Valo (3), Reichmann (4), Fäth (1), Michael Müller (1), Hahn, Harmandic (6/2), Kristjansson (1).

HBW Balingen-Weilstetten: Putera, Katsigiannis, König (2), Foth (1), Herth (3/2), Tubic (2), Ettwein (1), Schlinger (5), Theuerkauf (3), Wessig, Häfner (5), Stevic, Billek (5), Liniger (5/3) 

Zeitstrafen: 2:12 Minuten (HSG: Tiedtke – HBW: Foth 2, Tubic 2, Herth, Ettwein) – Strafwürfe: 6:52/6:5 (Schmidt scheitert an Katsigiannis, Theuerkauf an den Pfosten) - Schiedsrichter: Hartmann/Schneider (Magdeburg) – Zuschauer: 4014

Roland Schlinger: Es ist eine unglaublich große Freude heute. Nachdem wir zuletzt immer recht knapp verloren haben und jeweils das ein oder andere Pünktchen verdient hatten. Ob ich der Matchwinner bin, das vermag ich nicht zu sagen, aber je länger man im System Brack spielt, desto besser kommt man damit auch zurecht. Das bedeutet eben auch, dass man besser versteht und sieht, welche Möglichkeiten man hat und zudem vertraut einem der Trainer dann auch mehr. Heute lief es sehr gut bei mir.

Flo Billek: Hatten zuletzt zweimal knapp verloren und das gegen Teams die deutlich stärker sind als wir, da wussten wir schon, dass nicht alles falsch ist, was wir machen. Vor dem Spiel waren die Wetzlarer in einer ähnlichen Situation und von daher haben wir schon an unsere Chance geglaubt, zudem Essen bewiesen hat, das man hier was holen kann. Wir haben uns gut vorbereitet und an uns geglaubt, dass es so gut geklappt hat, das ist natürlich wunderschön.

Marinovic: Wir haben heute nicht unser Maximum gezeigt und das reicht dann eben gegen kein Team aus der Bundesliga. Wir haben schlecht verteidigt und keine gute Torhüterleistung gezeigt, hinzu kommt eine sehr hektische Angriffsleistung. Balingen hat sehr ruhig und diszipliniert gespielt und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir haben nie Lösungen finden können und somit ist das ein verdienter Sieg.

Rolf Brack: Ich bin sehr, sehr glücklich über diesen Erfolg. Nach zwei knapper und unnötiger Niederlagen zuletzt, war bei uns die Gier nach Erfolg riesengroß. Wir hatten zudem ein kleines Plus auf der Torhüterposition und der Mut schon früh den siebten Feldspieler zu bringen ist zudem belohnt worden. Nichtsdestotrotz hat Wetzlar hier immer gute Aktionen gespielt und es uns immer wieder schwer gemacht, von daher ist es beim 27:30 noch einmal extrem  kitzelig und ich dachte es sei noch länger, deswegen hatte ich die Auszeit noch genommen.

Andreas Klotz