Björn Seipp: „Die sportliche Situation ist ernst!“

HSG-Geschäftsführer Björn Seipp

DKB Handball-Bundesliga

Der Geschäftsführer der HSG Wetzlar im Interview zur Lage beim Handball-Erstligisten

Mit großen Hoffnungen waren Mannschaft, Verantwortliche und Fans des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar am Wochenende ins Hessenderby gegen die MT Melsungen gegangen. Mit einem Heimsieg sollte ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht werden – doch daraus wurde nichts. Am Ende setzte es für die Grün-Weißen eine knappe 25:26-Niederlage gegen den nordhessischen Rivalen. HSG- Geschäftsführer Björn Seipp blickt im Interview auf das Wochenende zurück, aber auch nach vorne.

Herr Seipp, wie bewerten Sie die sportliche Situation der HSG Wetzlar nach der Heimniederlage am Wochenende?

Björn Seipp: „Die Situation ist trotz der derzeitigen fünf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge ernst, da gibt es nichts drum herum zu reden. Natürlich haben wir nach dem glücklichen Heimsieg gegen Hannover vor zwei Wochen gehofft, dass die Mannschaft am Samstag einen weiteren Befreiungsschlag landet. Doch das ist leider nicht geglückt! Wir stehen aber nicht erst jetzt unter Druck, sondern mindestens schon seit der Heimniederlage gegen Großwallstadt, in der bereits wichtige Pluspunkte im Kampf um den Klassenerhalt verloren gingen. Schaut man auf das Restprogramm aller Erstligateams, die noch gegen den Abstieg kämpfen, haben wir sicherlich mit die schwersten Aufgaben zu bewältigen. Deshalb wird es wichtig sein, dass die Mannschaft jetzt die Enttäuschung vom Wochenende aus den Köpfen bekommt, um am nächsten Spieltag in Lemgo wieder angreifen zu können!“ 

Wetzlar hat die beste Abwehr aller Teams in der unteren Tabellenhälfte und in dieser Saison selbst gegen Spitzenteams immer knappe Spiele angeliefert! Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass dennoch so viele Spiele knapp verloren wurden?

Björn Seipp: „Sicherlich haben wir eine eingespielte und physisch sehr stabile Abwehr, die es vielen Gegnern schwer macht, zu einfachen Toren zu kommen. Unser Problem ist in dieser Saison zumeist nicht die Deckung, sondern die Durchschlagskraft über 60 Minuten im Angriff – das war auch am Wochenende wieder so. Unser Trainer Kai Wandschneider impft den Spielern seit seinem Amtsantritt immer wieder ein, diszipliniert und ‚auf den Punkt‘ zu spielen. Allerdings unterlaufen uns noch zu viele individuelle Fehler, die in knappen Spielen eben den Ausschlag zu Gunsten des Gegners geben können und auch gegen Melsungen wieder gegeben haben. Diese Fehler gilt es auf ein Minimum zu reduzieren, denn werden wir auch wieder erfolgreich sein!“

Je höher der Druck umso schwieriger wird dies aller Voraussicht nach!

Björn Seipp: „Das ist klar! Im Abstiegskampf kannst Du nur bestehen, wenn Du den Druck in Energie umwandelst. Um dies zu schaffen, muss man in allererster Linie diszipliniert und leidenschaftlich spielen. Die spielerischen Konzepte sind vorhanden. Leidenschaft, Kampfbereitschaft und Disziplin muss jeder Spieler selbst in die Waagschale werfen. Ich bin mir sicher, dass alle bei uns begriffen haben, um was es für die HSG Wetzlar und die Handballregion Mittelhessen geht. Persönliche Interessen sind hier und jetzt absolut fehl am Platz – es geht nur noch darum Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Dafür ist alles zu tun! Handball ist und bleibt Ergebnissport!“

Gibt es bei der HSG Wetzlar den auch einen  „worst case“-Plan?

Björn Seipp: „Zunächst einmal will ich klarstellen, dass wir alle an die Qualität unser Mannschaft glauben. Auch wenn die nächsten Aufgaben sicherlich schwer werden, sind wir uns sicher, dass die Jungs das Format haben, um beispielsweise auch in Lemgo, Lübbecke, Gummersbach oder zu Hause gegen Magdeburg erfolgreich zu sein. Auch Hamburg muss in der stimmungsgewaltigen Rittal Arena erst einmal gewinnen. Aber natürlich haben wir als Verantwortliche auch eine wirtschaftliche Verantwortung dem Verein, der Stadt, den Sponsoren und den Fans gegenüber. Deshalb ist es unsere Pflicht auch Planungen und Maßnahmen für einen möglichen Abstieg in die 2. Liga anzustellen. Alles andere wäre fahrlässig!“

Über der HSG Wetzlar hängt ja noch das sogenannte Damokles-Schwert mit Namen „Revision Göppingen“. FrischAuf! hat ist gegen das Klimovets-Urteil vorgegangen und hofft somit doch noch die Punkte zu erhalten, die sportlich und anschließend auch nochmal juristisch verloren wurden. Wie stehen da die Chancen der HSG Wetzlar?

Björn Seipp: „Wir sehen uns auch weiterhin im Recht, dass die HSG Wetzlar bei der Beantragung des Spielerpasses im sogenannten ‚guten Glauben‘ war und nichts davon wissen konnte, dass der Spieler einen weiteren, angeblich gültigen Pass besessen haben soll. Zu diesem Schluss kam die HBL, danach wurde es auch durch das Urteil des DHB-Bundessportgerichts bestätigt und wir gehen davon aus, dass das auch das Gericht in der nächsten Instanz bekräftigt. An den Fakten hat sich letztlich ja nichts geändert! “

Mit Ihrem Antrag auf Revision gegen die „Sperre“ des Spielers Klimovets ist die HSG Wetzlar, wie jetzt bekannt wurde, allerdings gescheitert! Warum?

Björn Seipp: „Aus rein formellen Gründen! In dem zugestellten Beschluss heißt es, wir hätten die Gebühr und den Auslagenvorschuss nicht an die HBL sondern an den DHB zahlen müssen. Die notwendige, fristgerechte Zahlung sei somit nicht nachgewiesen. Die Zurückweisung unserer Revision stellt in der für die HSG Wetzlar vorrangigen Angelegenheit, nämlich der Entscheidung über die Vergabe der Punkte aus der Göppingen-Partie, jedoch keinen Nachteil dar. Diese Entscheidung ist davon juristisch völlig isoliert zu sehen. Für uns ist es von enormer Wichtigkeit, dass wir die sportlich hart erkämpften Punkte aus diesem Spiel behalten, dann könnte – auch mit Blick auf unser gutes Torverhältnis - vielleicht schon ein weiterer Sieg zum Klassenerhalt reichen.“