Björn Seipp: „Wir müssen wieder unser wahres Auswärtsgesicht zeigen!“

DKB Handball-Bundesliga

Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp im Interview – 41,jähriger äußert sich über die Situation in der zweiten Tabellenhälfte der Liga, Personalplanungen und sportliche Ziele

Neun Teams stehen in der Tabelle der DKB Handball-Bundesliga aktuell vor der HSG Wetzlar – neun aber auch hinter den Grün-Weißen! Nach 29 Partien liegen die Mittelhessen auf Platz 10 der Tabelle, mit 27:31-Punkten. HSG-Geschäftsführer Björn Seipp (Bild) hatte vor dem Saisonstart, gemeinsam mit Trainer Kai Wandschneider, den „frühzeitigen Klassenerhalt“ aus Ziel ausgegeben. Im Interview heute äußert sich der 41-jährige über die Situation in der zweiten Tabellenhälfte der DKB Handball-Bundesliga, Personalplanungen des Clubs sowie die Ziele bis zum Saisonende.

 

Herr Seipp, neun Spieltage vor dem Saisonende steht die HSG Wetzlar auf dem 10. Tabellenplatz der DKB Handball-Bundesliga! Normalerweise würden man sagen im gesicherten Mittelfeld!

Björn Seipp: „Sie sagen es – normalerweise! Aber in dieser Saison ist zumindest in der unteren Tabellenhälfte der Liga nur wenig normal. Der Kampf um den Klassenerhalt ist auch aufgrund der vier Abstiegsplätze und der starken Leistungen der Aufsteiger so spannend wie selten. Es ist derzeit noch nicht wirklich absehbar, welche Teams am Ende den Gang in die 2. Liga antreten müssen. Unser Trainer Kai Wandschneider und ich haben von Anfang an prognostiziert, dass man in diesem Jahr 28 Punkte braucht, um nicht abzusteigen und ich denke, dass sich dies bewahrheiten könnte, da es Wochenende für Wochenende vermeintliche Überraschungsergebnisse gibt und alle Teams eifrig punkten!“

 

Wie froh sind Sie, dass Ihre Mannschaft Stand heute bereits 27 Pluspunkte auf dem Konto hat?

Björn Seipp: „Natürlich hat uns der Heimsieg über Erlangen am vergangenen Wochenende gut getan, weil er in vielerlei Hinsicht wichtig war! 27 Punkte sind zum jetzigen Zeitpunkt und aufgrund der großen Verletzungsproblematik in der Hinrunde eine sehr ordentliche Ausbeute, auch wenn wir sicherlich noch vier bis fünf Punkte mehr hätten holen können. Auf der anderen Seite hat die Mannschaft auch Überraschungszähler wie gegen Hamburg, Flensburg, Berlin oder Magdeburg eingefahren, mit denen man nicht unbedingt planen konnte. Die Mannschaft weiß aber, dass die aktuelle Ausbeute in vielerlei Hinsicht kein Ruhekissen ist – gerade auch, wenn man sich den eigenen Spielplan und die kommenden Aufgaben der Konkurrenz anschaut. Um unser Primärziel zu erreichen und ganz sicher zu gehen, müssen wir noch einen Sieg einfahren und das am liebsten am Wochenende beim Bergischen HC.“

 

Hat die Niederlage in Bietigheim dafür gesorgt, dass sich die Mannschaft gegen Erlangen ein Stück weit schwer getan hat?

Björn Seipp: „Das wäre respektlos gegenüber dem Gegner! Grundsätzlich hat Erlangen mit einer stabilen Abwehr, einer hervorragenden Torwartleistung und großer Moral dafür gesorgt, dass die Partie bis zum Ende eng gewesen ist. Aber natürlich stand unsere Mannschaft auch unter enormen Druck. Die Niederlage in Bietigheim war unnötig, weil wir nicht bereit waren. Das hat neben den mitgereisten Fans allen voran die Mannschaft gewurmt, die das in den darauffolgenden Tagen mit den Trainern, unter anderem in zahlreichen Einzelgesprächen, aufgearbeitet hat. Klar war, dass die Partie gegen Erlangen ein Muss-Spiel werden würde und die Erwartungshaltung hoch war. In solchen Spielen kann man dann nicht locker und befreit aufspielen! Am Ende geht es darum, solche Spiele zu gewinnen – egal wie – und das haben die Jungs getan! Der Schönheitspreis ist nebensächlich, es zählt das nackte Ergebnis.“

 

Jetzt geht es am Wochenende zum Bergischen HC, einem Team, dass in diesem Jahr mit 22:8-Punkten auf Platz 5 der Heimtabelle steht! Was erwartet Sie dort?

Björn Seipp: „Wie immer in der Bundesliga – ein harter Kampf von der ersten bis zur letzten Minute. Dem BHC muss man für die Heimstärke in diesem Jahr ein echtes Kompliment zollen. Nicht umsonst haben dort bereits Spitzenteams verloren. Für uns wird es darum gehen, dass wir vollkonzentriert und engagiert in die Partie starten. Das haben wir in der Hinrunde sehr oft, in den vergangenen drei Auswärtsspielen aber nie geschafft. Die Abwehr- und Torhüterleistung werden meiner Meinung nach von entscheidender Bedeutung sein. Wenn wir bereit sind und den Kampf kollektiv annehmen, dann verfügen wir über genug Qualität im Kader, um auch in Wuppertal erfolgreich zu sein.“

 

Wie sieht es um die Erwartungshaltung Ihrerseits aus? Wo wollen Sie Ihr Team nach dem letzten Spieltag sehen?

Björn Seipp: „Unter unseren Fans, bei der traditionellen Saisonabschlussfeier! Nein, Spaß beiseite. Ich denke schon, dass wir den Anspruch an uns selbst haben sollten, die 30 Punkte-Marke klar zu reißen. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre dann im Bereich des machbaren, aber wir fahren besser damit, von Spiel zu Spiel zu denken – uns auf die jeweils kommende Aufgabe zu fokussieren! Das Spiel beim BHC wird eine große Herausforderung und es ist von entscheidender Bedeutung, dass unser Team in dieser Partie wieder sein wahres Auswärtsgesicht aus der Hinrunde zeigt! Da haben wir mit zum Teil sehr starken Auftritten 10 Auswärtspunkte geholt. Daran gilt es für die Mannschaft anzuknüpfen! Zu Hause haben in den vergangenen neun Spielen 14:4-Punkte geholt. Damit können wir mehr als zufrieden sein!“

 

Im Sommer wird der Kader der HSG Wetzlar auf einigen Position verändert! Sind Sie mit den Personalplanungen schon durch?

Björn Seipp: „Nein, noch nicht ganz! Wir sind derzeit noch auf der Suche nach einem Nachfolger für Kent Robin Tönnesen, der uns im Sommer in Richtung Berlin verlassen wird. Ich denke aber, dass wir auf der halbrechten Position schon bald Vollzug melden können. Ansonsten laufen noch Gespräche, auch im Hinblick auf unsere vielversprechenden Nachwuchstalente, die wir in der kommenden Saison über Zweitspielrechte mit Drittligisten weiter nach vorne bringen wollen. Generell sehen wir uns immer in der Verantwortung Entwicklungen genauestens zu beobachten und gegebenenfalls zu reagieren.“

 

Neben Jens Tiedtke, José Hombrados und Kent Robin Tönnesen wird auch Ivano Balic die HSG Wetzlar im Sommer verlassen! Wie schwer wiegt dieser Abgang!

Björn Seipp: „Grundsätzlich werden alle Spieler, die nächste Saison nicht mehr in unserem Kader stehen, eine sportliche und menschliche Lücke hinterlassen. Ivano ist ohne Wenn und Aber der Führungsspieler unserer Mannschaft, auf und abseits des Spielfeldes. Natürlich hätten wir es gerne gesehen, wenn er uns auch in der kommenden Saison noch einmal zur Verfügung gestanden hätte, aber wir haben selbstverständlich vollstes Verständnis, dass er seine erfolgreiche Karriere beenden möchte, um sich einer neuen Aufgabe zu widmen. Ivano ist nicht nur ein herausragender Handballer, sondern auch ein ganz feiner Mensch und wir freuen uns einfach darüber, ihn noch bis zum letzten Saisonspiel im HSG-Trikot sehen zu dürfen. Er wird sich bis zum Schluss für den Club und seine Mitspieler zerreißen.“

 

Freuen dürfen sich die Fans auf drei Neuzugänge, die heute schon feststehen!

Björn Seipp: „Mit Nikolai Weber kehrt nicht nur ein richtig guter Torhüter, sondern eine Identifikationsfigur mit einem grün-weißen Herzen zu uns zurück. Dazu haben wir mit Filip Mirkulovski unseren Wunschspieler für die Position Rückraum Mitte unter Vertrag genommen. Mit Jannik Kohlbacher bekommen wir einen der talentiertesten deutschen Kreisläufer dazu, auf den wir uns sehr freuen, da er sich in Großwallstadt toll entwickelt hat und jetzt der nächste Schritt für ihn bei der HSG Wetzlar ansteht.“