Björn Seipp: "Wir werden die Kontrollen intensivieren!"

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DKB Handball-Bundesliga

Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp über das Sicherheitskonzept der Rittal Arena und die Solidaraktion beim Heimspiel gegen den THW Kiel

Fünf Tage nach den Anschlägen von Paris steigt für die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga am Mittwochabend das Spitzenspiel gegen den Meister THW Kiel. Geschäftsführer Björn Seipp gibt im Interview mit der Gießener Allgemeinen Zeitung Auskunft über das Sicherheitskonzept für die Rittal Arena Wetzlar.

Gibt es vor dem Hintergrund der Ereignisse von Paris Überlegungen, das Sicherheitskonzept für die Arena zu ergänzen?

Björn Seipp: "So viel ist klar: Wir werden aus unseren künftigen Heimspielen ganz sicher keine Hochsicherheitsveranstaltungen machen! Trotzdem müssen wir nach den schrecklichen, unmenschlichen Anschlägen in Paris angemessen reagieren, aber eben nicht überreagieren! Neben einigen Maßnahmen, die die Besucher gar nicht wahrnehmen werden, sollen an allen Eingängen der Rittal Arena die Taschen- und Personenkontrollen intensiviert werden und ich bin mir sicher, dass unsere Zuschauer dafür Verständnis haben."

Ist das überhaupt ein Thema bei  den Verantwortlichen?

Björn Seipp: "So schlimm es ist, es muss bei im Schnitt über 4.000 Zuschauern ein Thema für uns sein! Aus diesem Grund haben wir uns heute auch mit dem Hallenbetreiber Gegenbauer und der hiesigen Polizei abgestimmt. In diesem Zusammenhang sei aber auch erwähnt, dass das hessische Innenministerium klargestellt hat, dass es in Hessen aktuell keine Hinweise auf eine Bedrohung gibt und niemand Angst haben muss - auch nicht eine Sportveranstaltung zu besuchen."

Wie sieht das Sicherheitskonzept der HSG Wetzlar bei Heimspielen grundsätzlich aus?

Björn Seipp: "Für die Sicherheit in der Rittal Arena zeichnet sich der Hallenbetreiber Gegenbauer verantwortlich. Wir kaufen diese Logistik- und Personalleistung im Zuge der Anmietung der Halle mit ein. Auch die Polizei ist bei jedem Heimspiel in der Arena zugegen. Natürlich kennen wir als Veranstalter die Konzepte, die sehr professionell ausgearbeitet und schlüssig umgesetzt sind, aber ich denke, dass diese nicht in die Öffentlichkeit gehören, denn der Großteil der Umsetzung läuft sowieso im Verborgenen – bis auf die bereits angesprochenen Taschen- oder Personenkontrollen."

Wird es am Mittwoch noch einmal Solidaraktionen geben?

Björn Seipp: "Ja, wie mit der Liga und dem Fernsehen abgestimmt wird es eine Schweigeminute für die Opfer des Terrors in Paris geben. Zudem spielen wir erneut mit einem Trauerflor, um unser tiefes Mitgefühl und unsere absolute Solidarität mit den Franzosen zu symbolisieren." 

Muss man der Öffentlichkeit für die Zukunft offen sagen, dass solche Ziele wie Sportstätten eben Risiken bergen?

Björn Seipp: "Ich denke ja, das muss man! Es ist sehr bedrückend, aber unser Leben ist mittlerweile überall verwundbar. Dass jetzt offenbar auch Sportstätten ins Ziel dieser Leute geraten, die solche barbarischen Anschläge verüben, ist neu. Aber wir dürfen darauf, meiner Meinung nach, nicht überregieren und uns unserer Freiheit und der Freude am Sport nicht berauben lassen, denn dann haben die Terroristen das erreicht, was sie wollen. Das müssen wir verhindern. Ich freue mich uneingeschränkt auf das Spiel am Mittwoch und das sollten alle tun!"

Hatte die HSG Wetzlar während Ihrer Amtszeit als Geschäftsführer schon einmal eine besondere Situation zum Thema Sicherheit?

Björn Seipp: "In zehn Jahren Rittal Arena hat es bei unseren Heimspielen nie ein Sicherheitsproblem gegeben – was für unsere Fans und die Handballzuschauer im allgemeinen spricht. Ausschreitungen, wie wir sie aus dem Fußball kennen, sind im nationalen- und internationalen Handball kein Thema und darauf sind wir stolz, was aber nicht heißt, dass man sich in Sachen Sicherheit zurücklehnen kann."  

Abschließend noch ein Wort zur Twitter-Aktion am Samstag vor der Göppingen-Partie. Diese und der Umgang mit Guillaume Joli wurden sehr positiv aufgenommen.

Björn Seipp: "Für uns ist es selbstverständlich, dass wir Solidarität mit Frankreich und besonders den Menschen in Paris zeigen. Die Anschlägen haben auch bei uns allen für tiefe Betroffenheit gesorgt und es war direkt, ohne Abstimmung mit der HBL, klar, dass wir bei unserem Auswärtsspiel in Göppingen und zu Hause gegen Kiel mit Flor spielen werden, um unserer Trauer um die Opfer Ausdruck zu verleihen. Natürlich haben wir uns vor unserem Spiel auch lange und ausführlich mit Guillaume Joli unterhalten. Seine Familie lebt nicht in Paris, aber natürlich war er als Franzose besonders tief getroffen, besorgt und traurig, sagte aber, dass er auf jeden Fall spielen möchte, um für ein paar Stunden Ablenkung von den schrecklichen Ereignissen zu erfahren."

Quelle Gießener Allgemeine Zeitung