Burgdorfs "Oldies" lassen die HSG Wetzlar alt aussehen

created by webmaster@hsg-wetzlar.de (Wolfgang Fischer)

Die Grün-Weißen sind mit der 24:30 (10:16)-Niederlage in Hannover sogar noch gut bedient Philipp Müller: "Blamabel"

Am Ende des sonnigen Novembersamstags sah es bei der HSG Wetzlar zappenduster aus. Die sechste Niederlage dieser Handball-Bundesliga-Saison war jedenfalls die bislang bitterste. Dabei sind die Grün-Weißen mit dem 24:30 (10:16) bei der Turn-und-Sportvereinigung Hannover-Burgdorf sogar noch glimpflich davongekommen.

 

"Das war einfach nur blamabel", erklärte Rückraumspieler Philipp Müller auf dem Weg in die Kabine, während die meisten der 2585 Zuschauer in der Stadion-Sporthalle am Maschsee die zwischenzeitlich sogar mit neun Toren (25:16) führenden Gastgeber ausgelassen feierten. Vor allem Burgdorfs "Oldies" ließen die HSG alt aussehen. Der 38 Jahre alte Torwart Nenad Puljezevic und der noch ein Jahr ältere ehemalige Hüttenberger Piotr Przybecki, der sieben Treffer erzielte, waren die Väter des praktisch nie gefährdeten Sieges der Norddeutschen, die in der Vorsaison noch beide Partien gegen die Domstädter verloren hatten.

"Wir haben keinen Druck auf die gegnerische Deckung ausüben können", grübelte Trainer Gennadij Chalepo nach der Schlappe ziemlich betroffen. "Und wenn, dann haben wir die freien Bälle vergeben", schüttelte der ehemalige weißrussischen Nationalspieler fassungslos das kahle Haupt. "Das war eine reife Leistung", freute sich dagegen sein Kollege Christopher Nordmeyer, der auf seinen Abwehrchef verzichten musste. Csaba Szücs hatte sich bei seinem Nationalmannschaftseinsatz für die Slowakei eine Fersenverletzung zugezogen.

"Immer eine gute Idee", heißt der Werbeslogan von Niedersachsen. Und genau daran mangelte es der HSG gestern Abend in der Landeshauptstadt. Nach einer Gedenkminute für die am Freitag auf dem Weg zum Spiel in Balingen tödlich verunglückten Schiedsrichter-Zwillinge Bernd und Reiner Methe schien die Mannschaft von Trainer Chalepo in Gedanken noch ganz woanders zu sein, als der Aufsteiger des Vorjahrs vor Ideenreichtum nur so sprühte. Nach zwei Minuten hieß es 2:0 für die Gastgeber. Als die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen nach zwei Gegentoren in Überzahl dennoch den 4:7-Rückstand (11.) wettgemacht hatte, schienen die ebenso wie ihr Gegner mit einem Trauerflor aufgelaufenen Grün-Weißen langsam ins Spiel zu kommen. Aber statt des möglichen Führungstors gab es immer wieder "Fahrkarten". Auf der Gegenseite nutzten die Niedersachsen ihre Chancen konsequent. Lediglich von der Siebenmetermarke scheiterten sie dreimal an Nikola Marinovic.

Der TSV Hannover-Burgdorf ging es in bisherigen Heimspielen ein wenig so wie der HSG in fremden Hallen gegen die Großen. In den Duellen mit Meister HSV Hamburg und die Füchsen Berlin gab es viel Lob, aber keine Punkte. Gestern Abend galt es für die Mannschaft von Vereinsurgestein Christopher Nordmeyer ebenso wie für die zuvor seit fünf Pflichtspielen sieglosen Grün-Weißen. Aber die sind nach dem ordentlichen Saisonstart nicht mehr wieder zu erkennen. Und im Gegensatz zu den vorausgegangenen Niederlagen ergaben sie sich unweit der Hannoveraner Fußball-Arena früh ihrem Schicksal.

Dass es am Ende zumindest zahlenmäßig noch einigermaßen erträglich ausging, lag in erster Linie daran, dass die Burgdorfer schon Minuten vor dem Abpfiff damit begonnen hatten, ihren Triumph auszukosten. Und dass der freundlich begrüßte Lars Friedrich gegen seinen Ex-Verein nervenstark die Siebenmeter verwandelte. Aber das änderte nichts daran, dass es für die HSG Wetzlar "langsam ernst wird", wie Torwart und Kapitän Nikolai Weber nach dem kleinen Debakel am Maschsee nachdenklich erklärte.

Hannover-Burgdorf: Puljezevic (bis 49.), Weiner - Johannsen (3), Clößner (1), Jonsson (1), Hallgrimsson (5), Jurdzs (1), Buschmann (1), Lehnhoff (6/2), Rydergard, Przybecki (7), Svavarsson, Olsen (5)

Wetzlar: Marinovic (bis 25.), Weber - Schmidt (3/1), Rompf (1), Salzer (1), Valo (4), Jungwirth, Mraz (4), Müller (2), Chalkidis, Fäth (1), Harmandic, Friedrich (8/6), Kristjansson

Schiedsrichter: Brauer /Holm (Hamburg/Hagen)
Zuschauer: 2545
Zeitstrafen: Hannover-Burgdorf sechs (Svavarsson zwei, Hallgimsson, Buschmann, Clößner, Lehnhoff); Wetzlar drei (Jungwirth zwei, Chalkidis)
verworfene Siebenmeter: Lehnhoff, Olsen und Hallgrimsson (Hannover-Burgdorf) scheitern an Marinovic (8., 14,, 30.), Schmidt (Wetzlar) scheitert an Puljezevic (10.), Jonsson (Hannover-Burgdorf) scheitert an Weber (58.)

Thomas Hain