Couragierte Wetzlarer lassen Tabellenführer lange zittern!

Bild: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

Rhein-Neckar Löwen setzen sich erst in der Schlussphase mit 23:19 in Rittal Arena durch – Wandschneider spricht Grün-Weißen großes Kompliment aus!

Die HSG Wetzlar hat den Tabellenführer der DKB Handball-Bundesliga, die Rhein-Neckar Löwen, am Sonntagabend dank einer bärenstarken Abwehrleistung und eines couragierten Auftretens extrem ins Wanken letztlich aber nicht ins Fallen gebracht. Nach 60 extrem spannenden Handballminuten setzten sich die Gäste in der ausverkauften Rittal Arena mit 23:19 (10:11) gegen die Grün-Weißen durch und atmeten nach Spielschluss gleich mehrfach tief durch. „Das war ein toller Auftritt unserer Mannschaft, der ich ein großes Kompliment ausspreche“, so HSG-Trainer Kai Wandschneider nach dem Spiel. „Wir hatten die Löwen knapp 50 Minuten am Wickel, aber letztlich hat uns die Durchschlagskraft aus dem Rückraum gefehlt, allen voran aus dem Mitte und von der rechten Angriffsseite, um heute etwas Zählbares mitzunehmen. Trotzdem war ein einfach ein tolles Handballspiel für unsere sensationellen Fans und das Publikum an den Bildschirmen, die sicher gesehen haben, dass wir alles reingehauen haben, um das Meisterschaftsrennen weiter offen zu halten.“

Von Anfang an war die Partie, in der die Hausherren erneut auf Kristian Bliznac (Augenverletzung) und Sebastian Weber (Rückenprobleme) verzichten mussten, ein Fight auf Biegen und Brechen.  Die Gästeabwehr ließ sich im ersten Angriff der HSG Wetzlar nicht aus der Reserve locken. Die Gelbhemden brachten ihrerseits den Ball aber ebenso im Gehäuse der Domstädter unter. Die stimmungsgewaltigen Zuschauer mussten über vier Minuten auf den ersten Treffer des Duells warten. Dann fand Kim Ekdahl für den Ligaprimus gleich zweimal die Lücke. Nach sechseinhalb Minuten löste Filip Mirkulovski den Knoten bei den Wetzlarer und netzt nach einer feinen Einzelaktion und zum erlösenden 1:2. Es war ein Abwehrfight mit offenem Visier. 

Andreas Wolff trumpfte nun mehrmals auf. Max Holst nutzte dies, indem er eine eigentlich schwierige Torgelegenheit gegen Mikael Appelgren in den Ausgleich ummünzte. Der 26-jährige Schwede hatte noch nicht ins Spiel gefunden, ähnlich wie seine Vorderleute im Angriff, einmal abgesehen von Appelgrens Landsmann Ekdahl. Der avancierte in der frühen Phase für die Löwen zum „Go to guy“. Wetzlar verpasste es nachzulegen und tat sich in der Offensive noch schwerer als die Gäste. Steffen Fäth kam bisher nicht zum Zug. Mads Mensah stellte in der 16. Spielminute auf 2:4. Über die hervorragende Abwehrarbeit hatten sich die Löwen einen kleinen Vorteil verschafft. Patrick Groetzki stellte nach 23 Minuten auf 6:9. Die Rhein-Neckar Löwen schienen dadurch vollends ins Spiel gefunden zu haben und es recht komfortabel zu beherrschen.

Die Gäste gaben diese Position in der Schlussphase der ersten Halbzeit aber aus der Hand. Nach einer Auszeit zogen die Mittelhessen ihre Abwehr auf eine 6:0-Defensive zurück. Wandschneider machte Vorgaben für den Angriff, was folgte war ein deutlich verbessertes Timing und die Grün-Weißen erzielten mehrmals den Anschlusstreffer. Christian Rompf traf von Linksaußen zum 10:10 (29.). Die HSG-Fans machten ebenfalls ordentlich Druck. Auch wenn Rompf die folgende Konterchance zur Führung ausließ: Die Löwen wirkten verunsichert. Mehrere Angriffe wurden vergeben. Mit der Sirene bekam Wetzlar eine weitere Wurfchance. Der ansonsten im Angriff zu zaghafte Vladan Lipovina feuerte aus dem zentralen Rückraum zum vielumjubelten 11:10-Halbzeitstand. 

Kurz nach Wiederanpfiff war es dann erneut Kem Eckdahl mit zwei Treffern für die Gäste. Dann steckte er auf Groetzki durch, der zum 12:13 netzte. Die Löwen setzten im Angriff gleich einige Akzente, obschon Andy Schmid einen schwarzen Tag erwischt hatte. Überdies unterlief Wetzlars Christian Rompf  ein Wechselfehler. Doch die Löwen agierten in dieser Phase ideenlos und Wetzlar stemmte sich mit Mann und Maus gegen die Unterzahl. So war es Maximilian Holst, der  nach 40 Minuten für Wetzlar auf 14:14 stellte und er münzte auch den folgenden Fehler der Gäste zur abermaligen Führung der Gastgeber um.

Je mehr der Meisterschaftskandidat mit sich und seinen Mängeln haderte, umso mental stärker musste Wetzlar werden. Andreas Wolff stärkte seinem Team mit bislang zehn Paraden den Rücken. Gleichwohl verpassten es seine Vorderleute, mehr aus der für die Löwen verfahrenen Situation zu machen als das 17:16 nach 48 Minuten. Joao Ferraz sah nach einem unnötigen Foul an Uwe Gensheimer die Rote Karte und fehlte den Wetzlarern fortan.

Beide Mannschaften schienen sich zu neutralisieren, die Partie auf ein Remis rauzulaufen. Die Dramatik war zehn Minuten vor Schluss zum Greifen.

Andy Schmid ließ im Lager der Löwen in der Crunch-Time Hoffnung auf zwei Auswärtspunkte aufkeimen. Der Schweizer wühlte sich nach dem 16:16-Treffer (47.) ins Spiel und sorgte jetzt zuverlässig für Zählbares. Zwar ließ er das 17:19 (54.) zunächst liegen, die Gastgeber trafen aber erneut nicht und dann war es abermals Schmid, der netzte. Den anschließenden Gegenstoß brachte Alexander Petersson unter. Wetzlar hatte die Chance zum Coup mit einer Fehlerserie aus der Hand gegeben, daran änderte auch eine Wandschneider-Auszeit nichts mehr. Als Schmid den Ball zum 18:21 in die Maschen hinter Andreas Wolff zimmerte, war der Zittersieg an der Lahn nach 57 Minuten gesichert.

„Das war heute ein bärenstarke Leistung unserer Mannschaft, die die Löwen an den Rande einer Niederlage gebracht hat“, bilanzierte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. „Für mich ist das Ergebnis geführt um zwei Tore zu hoch ausgefallen, was letztlich aber nichts am verdienten Sieg der Löwen ändert. Trotzdem hätte mich mal interessiert, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn es zwei Minuten vor dem Ende noch Unentschieden gestanden hätte, denn wir haben unsere Gästen ganz ordentlich ins Nachdenken und Zittern gebracht. Handball ist aber kein Wunschkonzert und deshalb herzlichen Glückwunsch an die Löwen zum Auswärtssieg.“

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Wolff, Nikolai Weber (n.e.), Prieto, Lipovina (2), Rompf (1), Ferraz, Laudt, Holst (6/3), Fäth (4), Hahn, Joli, Klesniks, Kohlbacher (4), Mirkulovski (2).

Rhein-Neckar-Löwen: Appelgren, Ristovski; Schmid (7), Gensheimer (3/3), Kneer (n.e.), Baena, Steinhauser, Mensah Larsen (1), Pekeler (2), Groetzki (2), Reinkind, Guardiola, Petersson (3), Ekdahl du Rietz (5).

Schiedsrichter: Grobe/Kinzel (Braunschweig/Bochum) – Zuschauer: 4.421 (ausverkauft) – Zeitstrafen: 8 Minuten/2 Minuten – Siebenmeter: 3/3 – Besonderes Vorkommnis: Rote Karte für Joao Ferraz (48., HSG Wetzlar) nach grobem Foulspiel.