Das Ende der Trockenperiode

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Timo Salzer führt Mittelhessen zum ersten Sieg seit acht Wochen 3921 Zuschauer werden bestens unterhalten

Zwei ellenlange Monate hat die HSG Wetzlar punkte-, eher noch siegesmäßig nahezu auf dem Trockenen gesessen. Das 33:28 gegen den Bergischen HC am 2. Oktober war der letzte von drei Erstliga-Erfolgen der laufenden Saison gewesen. Mit dem Heim-32:29 am gestrigen Sonntag vor 3921 Zuschauern in der Wetzlarer Rittal-Arena gegen Ex-Meister TBV Lemgo endete diese Trockenperiode glücklicherweise aber ebenso wie die Klimatechnische tags zuvor mit dem mehrstündigen Dauerregen.

 

Zehn Punkte haben die Grün-Weißen nun auf dem Konto. Die bedeuten zwar Rang zwölf, aber nur unwesentlich mehr Sicherheit als vor den unterhaltsamen 60 Minuten. Erst wenn die Mannschaft von Trainer Gennadij Chalepo (»Heute hat über 60 Minuten hinweg unsere Einstellung gestimmt«) Mittwoch den vorgezogenen 18. Spieltag bei Neuling Eintracht Hildesheim sowie die beiden vorweihnachtlichen Heimspiele gegen TuS N-Lübbecke und VfL Gummersbach erfolgreich hinter sich bringt, können Team und Verantwortliche unaufgeregt in die sechswöchige EM-Pause gehen.

Unaufgeregt war die Partie gegen Lemgo keineswegs. Die Ostwestfalen machten der mit Adnan Harmandic auf der Mitte beginnenden HSG 30, 35 Minuten mit ihrer positionsbezogenen 5:1-Deckung, »mit der wir Wetzlar verunsichern wollten« (TBV-Trainer Dirk Beuchler), das Leben schwer. Auf zwölf, 15 Metern Distanz entwickelten die Chalepo-Schützlinge kaum Druck auf das gegnerische Tor, Aktionstempo und Bewegung fehlten gleichfalls weitgehend. Da auf der anderen Seite der ehemalige Europapokalsieger ähnlich geduldig spielte und jeden vorschnellen Abschluss zu vermeiden versuchte, ähnelte das Treiben auf dem Parkett gut 20 Minuten lang (8:8, Friedrich-Siebenmeter) eher einem Spaziergang über den Adventsmarkt.

Das änderte sich mit der Einwechslung von Timo Salzer auf Wetzlarer Seite, der fortan direkter den Versuch unternahm, mit druckvolleren Aktionen das Lemgoer Abwehrrätsel zu entschlüsseln. Diese Korrektur in der Spielanlage änderte den Verlauf zwar nicht sofort und grundlegend, sodass die Wetzlarer mit einem 15:16-Rückstand in die Kabine gingen, aber sie hatte - auf die 60 Minuten bezogen - Langzeitwirkung.

Der im ersten Abschnitt starke, bei der HSG Wetzlar praktisch vor spielende Kreisläufer Christoph Theuerkauf (siehe Bericht auf Seite 35) kam nach dem Wechsel gegen eine aufmerksamere HSG-Abwehr kaum noch zur Entfaltung. Diese arbeitete konzentrierter und ließ sich von in Zeitnot befindlichen Lemgoer Werfern wie Gunnar Dietrich oder Rolf Hermann auch nicht mehr übertölpeln. Die Statistik belegte dies: Theuerkauf, Hermann und Strobel trafen im ersten Abschnitt zusammen zwölf-, im zweiten nur noch dreimal. Dazu kam, dass der sogar beim THW Kiel gehandelte Este Mait Patrail eher einem »Elefantenbaby« den einem künftigen Weltklassehandballer glich.

Somit kam in den zweiten 30 Minuten alles zusammen. Nachlassende, später nur noch 6:0 deckende Ostwestfalen auf der einen, schneller, besser und heißer werdende Wetzlarer auf der anderen Seite. Timo Salzer dirigierte und initiierte, Alois Mraz kreuzte und schoss, Philipp Müller garnierte das ganze mit den entsprechenden Emotionen. Und plötzlich führte die HSG Wetzlar unter dem stürmischen Jubel der 3900 Anhänger mit 25:20 (45.).

Timo Salzer erledigte das höchstpersönlich. Für TBV-Nationalspieler Sebastian Preiß war das die Vorentscheidung: »Wenn man in Wetzlar mit fünf Toren hinten liegt, wird es eng.« Mit der 30:27-Granate von Daniel Valo nach der x-ten Glanzparade von Torhüter Nikola Marinovic war die Partie zweieinhalb Minuten vor Schluss endgültig entschieden.

»Wir haben über Kiel und Melsungen wieder zu uns gefunden«, befand Alois Mraz, der Rückraumspieler, den Mitte der zweiten Halbzeit ein blindes Verständnis mit Spielmacher Timo Salzer (»Wir spielen nun ja schon fünf Jahre zusammen«) sowie dessen drei Treffer zum 22:19 (42.), 26:22 (49.) und 27:23 (51.) auszeichneten.

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber; Schmidt (3), Rompf, Salzer (6), Valo (4), Jungwirth (4), Mraz (3), Müller (4), Chalkidis (1), Fäth (n.e.), Harmandic, Friedrich (6/6), Kristjansson (1).

TBV Lemgo: Lichtlein, Desrüsse; Johansson (2), Preiß (3), Bechtloff (2), Patrail (2), Theuerkauf (7/2), Kehrmann (1), Strobel (4), Hermann (4), Prüßner, Liniger, Dietrich (4), Schneider.

Schiedsrichter: Moles /Pittner
Zuschauer: 3921
Zeitstrafen: Mraz (43.), Müller (34.), Chalkidis (25.), Kristjansson (54., alle Wetzlar); Johansson (21.), Dietrich (32., 41., 59./ alle Lemgo)
Rot: Dietrich (Lemgo / 3x2)
Siebenmeter: 6/6:2/2

Ralf Waldschmidt