Der 15. Anlauf in der "Hölle Nord"

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HSG Wetzlar spielt morgen bei der SG Flensburg-Handewitt und trifft auf zwei alte Bekannte

Für die HSG Wetzlar gibt es immer noch Orte auf der Landkarte der Handball-Bundesliga, da haben die Grün-Weißen in ihrer über 13-jährigen Erstliga-Geschichte noch nie etwas Zählbares mitgenommen. Die Campushalle, die Heimat der SG Flensburg-Handewitt, ist ein solcher Ort. Am Samstag (Anwurf: 19 Uhr) unternimmt die HSG den 15. Versuch, in der "Hölle Nord" zu punkten.

 

In bislang 13 Bundesligapartien und einem DHB-Pokal-Match hat das Team aus der Domstadt in Flensburg noch nicht einmal an einem Zähler gerochen. Die knappste Niederlage datiert aus der Saison 2001/2002. Damals unterlagen die Wetzlarer nur mit 21:26. Ansonsten kassierte die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen im hohen Norden zumeist hohe Klatschen.

Die jüngste ist HSG-Coach Gennadij Chalepo noch gut in Erinnerung. "Wir haben mit 20 Toren Unterschied verloren. Das war bitter", denkt der 42-Jährige nur ungern an die 22:42-Pleite vom zweiten Weihnachtstag des letzten Jahres zurück. Klar, dass Chalepo vor dem Duell morgen fordert: "Wir müssen das wesentlich besser machen."

Der gebürtige Weißrusse zeigt großen Respekt vor den Qualitäten des deutschen Meisters von 2004. "Sie haben nur Topleute und sind auf jeder Position doppelt besetzt", sagt der HSG-Coach und denkt an die starke Dänen-Fraktion mit Linksaußen Andres Eggert, Spielmacher Thomas Mogensen, Kreisläufer Michael Knudsen und dem fintenreichen Rechtsaußen Lasse Svan Hansen. Dazu gesellen sich mit dem zurzeit in prächtiger Form befindlichen Torhüter Mattias Andersson, dessen schwedischem Landsmann Tobias Karlsson, dem Ungarn Tamas Mocsai sowie den deutschen Nationalspielern Lars Kaufmann, Holger Glandorf und Jacob Heinl weitere Klasseleute. Nicht zu vergessen der ehemalige Wetzlarer Petar Djordjic, der in der aktuellen Saison immer wichtiger für die Norddeutschen wird.

Unter Ex-Trainer Per Carlén hatte Djordjic, der 2008 als 17-Jähriger für die HSG in der Bundesliga debütierte und im Januar 2010 an die Förde wechselte, einen schweren Stand. Als Carlén im November des vergangenen Jahres entlassen wurde und Team-Direktor Ljubomir Vranjes das Amt übernahm, blühte der hochtalentierte Serbe auf. "Seine Entwicklung geht nach oben", sagt Förderer Vranjes und fügt hinzu: "Petar hat erstmals eine Vorbereitung bei uns mitgemacht. Das zahlt sich aus."

Beim jüngsten 21:20-Erfolg in Großwallstadt erzielte Djordjic wichtige Tore für die SG und ist derzeit im linken Rückraum eine gute Alternative zu Lars Kaufmann, dem zweiten ehemaligen Wetzlarer im Flensburger Trikot.

Kaufmann, der im Sommer aus Göppingen kam, ist in der nördlichsten Bundesligastadt noch nicht richtig angekommen. "Ich möchte, dass er anders Handball spielt als in den vergangenen Jahren. Er muss seine Bewegungen ändern und fürs Team arbeiten. Solche Umstellungen sind nicht ganz leicht", erklärt Vranjes, der aber auch bemerkt: "Lars hat einen kaputten Daumen und spielt mit einer Schiene. Das darf man nicht vergessen."

Kaufmann, der wie der ebenfalls im Sommer gekommene Glandorf und Kreisläufer Heinl bis gestern bei einem Lehrgang der Nationalmannschaft weilte, wird morgen gegen seinen Ex-Club - wie zuletzt auch - auf die Zähne beißen. Fehlen wird den Flensburgern nur der am Knie verletzte Viktor Szilagyi. Mit vier Siegen und einer Niederlage steht der dreifache DHB-Pokalsieger momentan als Tabellensechster gut da. Vranjes sieht aber trotz der guten Ergebnisse zuletzt "noch viel Luft nach oben".

Salzer und Weber sind wieder fit

Gennadij Chalepo baut darauf, dass seine Truppe morgen an die letzten 15 Minuten vom vergangenen Sonntag anknüpft. Da legte die HSG im Heimspiel gegen den Bergischen HC (33:28) einen 14:7-Lauf hin und tütete damit den dritten Saisonsieg (bei zwei Niederlagen) ein. Die beiden Matchwinner Nikolai Weber und Timo Salzer, die wegen ihren Verletzungen erst spät in die Partie kamen, haben in dieser Woche wieder komplett mit der Mannschaft trainiert, so dass alle Mann zur Verfügung stehen.

Schon heute um 8 Uhr reisen die Wetzlarer nach Flensburg. "Dann sind wir am Samstag ausgeruht", hofft Chalepo. Damit es im 15. Spiel in Flensburg nicht die 15. Niederlage gibt.

Arne Wohlfarth