Der Meister steht unter Druck

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HSV erwartet HSG Wetzlar

Der Spielplan ist zwar vollgepackt, Zeit für eine Weihnachtsfeier muss aber trotzdem sein. Deshalb saßen die Handballer von Bundesligist HSG Wetzlar am Mittwochabend gemütlich im "Anker" in Dutenhofen zusammen, als sich ihr nächster Gegner ins Pokal-Viertelfinale zitterte. "Das wird dem HSV einen Schub geben", befürchtet HSG-Coach Gennadij Chalepo nach dem 33:32-Erfolg der Hamburger in der Verlängerung bei den Rhein-Neckar Löwen. Der zuletzt in der Liga schwächelnde Meister erwartet die Grün-Weißen am Samstag um 15 Uhr in der O2 World der Hansestadt.

 

"Der Sieg war ungemein wichtig. Auf den Pokal werden wir uns in dieser Saison notgedrungen mit konzentrieren", sagte Michael Kraus, nachdem es in den letzten beiden Punktspielen Niederlagen beim TuS N-Lübbecke (31:32) und beim Nordrivalen THW Kiel (25:30) gesetzt hatte. Der Traum von der Titelverteidigung ist wohl geplatzt. Mit neun Treffern meldete sich der Nationalspieler nach seinem Muskelfaserriss in der Wade am Mittwochabend gegen die Badener zurück. Achtmal war der Regisseur dabei vom Siebenmeter-Punkt erfolgreich.

Ein Stein vom Herzen fiel auch dem heftig unter Druck stehenden HSV-Trainer Per Carlén: "Ich bin vor allem mit der Moral zufrieden. Fünf Minuten vor Schluss lagen wir noch mit vier Toren zurück, aber haben uns super zurückgekämpft." Zumal schon über seine Ablösung durch Martin Schwalb gemunkelt worden war. Der Meistercoach der vergangenen Saison, der 2005 ein knapp viermonatiges Gastspiel bei den Grün-Weißen gab und dann überraschend den Abflug gen Norden machte, hat im Sommer das Präsidentenamt von Andreas Rudolph übernommen.

Chalepo bangt um Chalkidis und muss auf Mraz verzichten

Sowohl der Ober-Boss als auch Schwalb blickten beim 12:14-Rückstand zur Halbzeit mächtig angefressen drein. Als ihr Starensemble die fast schon verloren geglaubte Partie noch drehte, war die Erleichterung groß. "Wir gehen jetzt mit mehr Selbstvertrauen ins Spiel", unterstrich HSV-Torhüter Dan Beutler, der mit einigen Paraden sein Team im Pokalrennen hielt. Gegen die HSG soll nun der nächste Sieg her.

"Auch wenn es derzeit etwas klemmt, ist das eine individuell sehr stark besetzte Mannschaft", sagt deren Trainer Gennadij Chalepo über den Tabellendritten und ergänzt: "Viele haben über 100 Länderspiele." Angefangen bei den französischen Welt- und Europameistern sowie Olympiasiegern Bertrand und Guillaume Gille über die deutschen Nationalspieler Pascal Hens, Michael Kraus und Johannes Bitter im Tor bis hin zu dem Polen Marcin Lijewski im rechten Rückraum und dem kroatischen Zwei-Meter-Paket Igor Vori am Kreis. "Wir versuchen trotzdem ein gutes Spiel zu machen", verspricht der Coach des Außenseiters von der Lahn, der bisher nur einen Sieg an der Elbe gefeiert hat - im Dezember 2004 mit 24:22, damals noch unter Trainer Holger Schneider. Bis auf ein Unentschieden (33:33) drei Jahre später ging die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen danach in der Hansestadt immer leer aus.

So wie auch am vergangenen Sonntag im Heimspiel gegen den TuS N-Lübbecke, das nach guter erster Halbzeit mit 24:28 verloren ging. Es haperte im Abschluss und beim Überzahlspiel. "Das haben wir in dieser Woche verstärkt trainiert", betont Chalepo, der mit seiner Mannschaft den Pokalauftritt des in dieser Saison in der Liga zu Hause noch ungeschlagenen Gegners intensiv auf Video studieren will.

Heute Morgen ist noch einmal Training angesagt, bevor die HSG-Reise mit dem Bus gen Norden geht. Der Wetzlarer Trainer bangt noch um Kreisläufer Giorgos Chalkidis, der weiter an einer Oberschenkelverletzung laboriert. Verzichten muss er auf Rückraumallrounder Alois Mraz, der sich den Mittelfinger der rechten Wurfhand gebrochen hat.

Besonders warnt Chalepo vor der 3:2:1-Abwehr der Startruppe. "Da müssen wir aufpassen. Den kleinsten Fehler bestrafen sie sofort mit einem Tempogegenstoß." Der gebürtige Weißrusse weiß nur zu gut, dass eine echte Mammutaufgabe auf seine Truppe zukommt. Bevor dann am Mittwoch (20.15 Uhr) der VfL Gummersbach zu Gast in der Rittal-Arena ist und am 27. Dezember (20.15 Uhr) das Duell beim SC Magdeburg ansteht.

Besinnliche Momente sind rund um Weihnachten Mangelware bei der HSG Wetzlar.

Christiane Müller-Lang