Der Wetzlarer Ibrahimovic

DKB Handball-Bundesliga

Nach drei Jahren im Trikot des heimischen Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar ist für Kristian Bliznac das Abenteuer Bundesliga beendet. Warum er das Vertragsangebot der Grün-Weißen ablehnte und wie er seine Zeit in Wetzlar empfand, verrät er im Interview mit der Allgemeinen.

Zum Interview erscheint Kristian Bliznac mit Europameister Jannik Kohlbacher im Schlepptau. »Wir sind oft hier zum Mittagessen«, entschuldigt der Schwede den Doppelpack. »Meistens ist auch Andi (Andreas Wolff, Anm. d. Redaktion) noch dabei. Aber der ist heute anderweitig unterwegs.«

Sie haben ein Vertragsangebot der HSG Wetzlar abgelehnt. Was waren die Gründe?
Bliznac: »Ja, ich habe ein Vertragsangebot von Wetzlar bekommen. Aber mein Gefühl sagt: Ich will etwas anderes machen. Was das genau ist, kann ich noch nicht sagen. Meine Freundin lebt in Norwegen, wir haben jetzt ein Jahr Distanz gehabt, das ist schon hart. Sie hat einen guten Job. Zu gut, um für mich zu sagen, sie kommt her. Es ist alles noch nicht zu 100 Prozent klar. Ich hatte drei gute Jahre, aber manchmal kommen im Leben andere Sachen, die wichtig sind.«

Geht die Tendenz zurück in den hohen Norden?
Bliznac: »Ja. Ich habe ein gutes Angebot bekommen. Das ist der Plan.«

Wäre die Bundesliga noch eine Option gewesen?
Bliznac: »Nein, es gibt nicht viele Mannschaften, die besser als Wetzlar sind. Ich hatte Angebote von zwei Vereinen, die unter Wetzlar stehen, die habe ich abgelehnt. Dann könnte ich auch hier bleiben.«

War die deutsche Bundesliga Ihr Traum?
Bliznac: »Ja, ich habe meinen Traum jetzt drei Jahre gelebt. Ich habe mit ganz fantastischen Spielern zusammengespielt. Ältere Spieler, junge Spieler, kommende Superstars. Ich habe zwei Jahre mit meinem besten Freund Kent Robin Tönnesen zusammengespielt. Das war schon unfassbar, dass wir zusammen nach Wetzlar kommen konnten.«

Dann waren Sie bei der EM quasi hautnah dabei?
Bliznac: »Ja, aber nicht nur bei Kenni. Die deutschen Spieler habe ich natürlich auch gesehen. Ich habe mit Tobias Reichmann gesprochen. Nur die Spiele von Vladan (Lipovina) habe ich nicht gesehen. Kenni war viel zu sehen. Andi (Wolff) und Steffen (Fäth) haben auch sehr gut gespielt. Überragend, alle drei von Wetzlar.«

Sie sind erst mit 15 Jahren zum Handball gekommen, haben bis dahin Fußball, Tennis und Basketball gespielt und sind geschwommen. Haben Sie sich einen Knoten in die langen Beine gespielt und sind deshalb zum Handball gewechselt?
Bliznac: »Ich bin ganz gut im Fußball. In Wetzlar bin ich der Ibrahimovic. Ich hatte mit 22 Jahren in Schweden einen Trainer, der gesagt hat: Du hast so viel Potenzial, du musst an dich glauben. Bis dahin habe ich zum Spaß Handball gespielt. Ich habe in der zweiten Liga gespielt, war sogar ein Jahr in Italien, hatte mit 19 leider nicht so viel Bock zu trainieren.«

Bei Alingsas HK kam dann der Wandel. Von 2006 bis 2012 spielten Sie dort in der höchsten schwedischen Spielklasse, den Eliteserien, und gewannen 2009 die schwedische Meisterschaft.
Bliznac: »Dort habe ich auch mein erstes Länderspiel gemacht. Man muss gar nicht so viel Talent haben, es geht auch mit viel trainieren. Ich habe nicht so viel Talent wie Jannik, Steffen oder Andi. Du wirst vielleicht nicht zum Superstar, kannst aber richtig gut werden, wenn du richtig trainierst.«

Das haben Sie getan und sich den Traum von der Bundesliga erfüllt.
Bliznac: »Ja, Ich bin zufrieden.«

Das erste Jahr in Wetzlar verlief dennoch kaum nach Ihrem Geschmack.
Bliznac: »Ich habe mit Sävehof im Jahr zuvor in der Champions League gezeigt, was ich im Angriff kann. Dann komme ich hierher und habe nicht das Vertrauen. Das war schwer, aber ich habe drei gute Jahre hier gehabt. Das ist irgendwie komisch. Ich bin als Angriffsspieler hierhergekommen, habe auch für Schweden meine Tore gemacht. Dann komme ich nach Wetzlar. Der Trainer (Kai Wandschneider) wollte Steffen als ersten Mann auf unserer Position aufbauen, das war okay für mich. Ich habe aber ein Jahr gebraucht, um diese Rolle für mich zu akzeptieren, weil ich in Schweden immer der erste Mann war. Jetzt bin ich mehr Abwehrspieler. Damit bin ich jetzt zufrieden, aber es hat eben ein Jahr gedauert.«

Mit Ivano Balic hatten Sie aber jemanden, der Sie gestärkt und unterstützt hat, oder?
Bliznac: »Er hat mir klargemacht, so ist das Geschäft. Er hat gesagt, konzentriere dich auf deine Arbeit, ändern kannst du es nicht.«

Mit Evars Klesniks im Mittelblock haben Sie aber Ihren kongenialen Partner gefunden.
Bliznac: »Wir spielen eine gute Abwehr und haben einen Top-Torwart hinter uns. In dieser Saison vielleicht sogar den besten der Bundesliga.«

Bei Gegenstößen sind Sie aber immer wieder dabei. Obwohl man manchmal Angst haben muss, dass Sie sich mit Ihren langen Armen und Beinen nicht verheddern.
Bliznac: »Ich habe letztes Jahr viele Tore im Gegenstoß in der ersten Welle gemacht!« *lacht*

Welche Gründe gab es vor drei Jahren, nach Wetzlar zu kommen?
Bliznac: »Ich konnte weiter mit Kenni Handball spielen. Wir hatten beide Angebote von verschiedenen Vereinen, aber nur Wetzlar wollte uns beide.«

Die Stimmung in der Rittal-Arena soll auch ein Grund gewesen sein. Sie haben sich Videos auf Youtube angeschaut und sollen begeistert gewesen sein.
Bliznac: »Ja, richtig. Das erste Mal waren wir im Sommer in der leeren Halle. Das erste Spiel haben wir dann zwar verloren, aber die Stimmung war geil. Diese Fans sind super, machen eine tolle Stimmung in der Halle. Stehen hinter der Mannschaft, auch wenn wir verlieren.«

Ihr Höhepunkt in Wetzlar?
Bliznac: »Der Sieg gegen die Rhein Neckar Löwen letztes Jahr. Das war ein sehr wichtiges Spiel, die mussten uns schlagen. Obwohl: Jedes Spiel in der Rittal-Arena ist ein Highlight. Diese Stimmung findest du kaum in einer Halle in Deutschland. In Wetzlar und vielleicht noch in Flensburg.«

Der Tiefpunkt?
Bliznac: »Das erste Jahr. Und vor dieser Saison wollte Berlin mich holen, Wetzlar hat nein gesagt. Das wäre eine große Chance für mich gewesen.«

Werden Sie in Zukunft wieder vermehrt im Angriff spielen?
Bliznac: »Das weiß ich noch nicht. Mal sehen, wo ich im nächsten Jahr spiele. Ein bisschen mehr wäre gut, ich schaffe schon noch 40 Minuten auf der ersten Position.« *schmunzelt*

Werden Sie Kontakt nach Wetzlar halten?
Bliznac: »Ja. Ich habe hier Freunde gefunden. Kiel ist in der Nähe. Wenn Wetzlar in Kiel spielt, werde ich kommen. Ich möchte schon mit einigen in Kontakt bleiben.«

Im Sommer veranstalten Sie in Göteborg zum zweiten Mal ein Handballcamp für 100 Kinder in Göteborg.
Bliznac: »Ja, mit meinem Kumpel und Mitspieler aus Kindertagen, Jesper Konradsson. Das Camp dauert vier Tage. Viele ehemalige Mitspieler und Handball-Stars sind als Coach dabei. Ich möchte auch gerne internationale Gäste haben. Das ist cool für die Kinder. Im letzten Jahr war Ivano dabei und er kommt auch in diesem Jahr. Und ich hoffe zwei Leute aus meiner Mannschaft, der HSG Wetzlar, kommen im Sommer zu mir.« *grinst dabei Kohlbacher an*.

Nun zu einer Frage, die ich unbedingt stellen soll: Wie ist das, wenn einen die weiblichen Fans anhimmeln? Wie gehen Sie damit um?
Bliznac: »In der Arena ist das alles okay. Wenn die Leute Autogramme haben wollen oder ein Foto mit mir. Alles andere ist privat. Du musst Arbeit und Privatleben trennen. Facebook oder Messenger, das geht nicht. Das ist für meine Freunde da. Ich muss schon mein Privatleben schützen. Über Instagram und die Facebook-Fanseite können sich die Fans über mich informieren. Viele schreiben mich jetzt an, fragen: Warum verlässt du Wetzlar? Das Leben geht weiter. Wetzlar hat ein tolles Team aufgebaut. Einige Spieler verlassen die Mannschaft, andere kommen hinzu. They will do it again.«

Quelle: Gießener Allgemeine/Danny Pieth