Desolater Auftritt stimmt nachdenklich

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In Niedersachsen treten Defizite der letzten Wochen deutlich in Erscheinung Keine Ideen gegen 5:1-Deckung

Das hatte man sich bei der HSG Wetzlar ganz anders vorgestellt. Nach einer schwachen und über weite Strecken desolaten Leistung verloren die Mittelhessen bei TSV Hannover-Burgdorf völlig verdient mit 24:30 (10:16). Nach dieser Niederlage musste man die Niedersachsen in der Tabelle zudem passieren lassen. »Es fehlte jegliche Einstellung und Kampfgeist. Das macht mich nachdenklich und das müssen wir analysieren«, bemühte sich HSG-Trainer Gennadij Chalepo erst gar nicht, die Pleite schönzureden. Im Gegenteil, der Chefcoach war angefressen und kündigte an, »dass wir da mal intensiv drüber reden werden«. Nach dem tragischen Unfalltod der renommierten Schiedsrichter-Zwillinge Bernd und Reiner Methe begann auch in Hannover die Partie mit einer Schweigeminute. Beide Teams wie auch die Unparteiischen Matthias Brauer und Kay Holm liefen zudem mit Trauerflor auf.

 

Die HSG Wetzlar fand gegen die aggressive 5:1-Deckung der Burgdorfer überhaupt kein Rezept und konnte sich am Ende bei Torwart Nikolai Weber bedanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel. Lediglich bis zum 7:7 nach 16 Minuten konnten die Mittelhessen mithalten, die Hausherren zogen dann binnen fünf Minuten auf 12:7 davon. Von diesem Rückstand erholte sich Wetzlar nicht mehr.

Beim Stand von 18:27 nach 53 Minuten stand man sogar an der Schwelle, dass Ergebnis in zweistellige Dimensionen abdriften zu lassen. Selbst aus einer unzureichenden Siebenmeter-Quote der Burgdorfer ließ sich kein Kapital schlagen. Vier der sechs Strafwürfe der Gastgeber fanden nicht den Weg ins HSG-Tor, weil Nikola Marinovic Siebenmeter von Jonsson, Lehnhoff und Olsen entschärfte. Weber nahm zudem Jonsson noch einen Ball ab. Kopfzerbrechen bereitete das TSV-Trainer Christopher Nordmeyer dennoch nicht: »Für uns war das eine ganz neue Situation, mal so ganz ohne Aufregung zu gewinnen. Es war eine reife Leistung von uns. Meine Mannschaft hat nie zurückgesteckt und tollen Einsatz gezeigt.«

Die Defensive mit Hallgrimsson, Svarvarsson und Clößner erstickte die Wetzlarer Bemühungen im Keim. Und wenn doch mal ein Ball durchkam, erwies sich Torwart Nenand Puljezevic als schier unüberwindliches Hindernis. »Der hat einen super Job gemacht«, musste auch Gennadij Chalepo anerkennen. »Wir haben uns zwei Wochen auf die 5:1-Deckung vorbereitet. Keine Ahnung, warum das nicht gefruchtet hat. Uns fehlte jeglicher Druck, freie Würfe wurden nicht verwandelt und dann haben wir schnelle Gegentore kassiert«, war der Trainer sichtlich angefressen. Der 42-Jährige konnte wechseln wie er wollte – nichts half. Eine in der 44. Minute genommene Auszeit war nach wenigen Sekunden wieder beendet. »Es ging in der Phase stark nach unten. Da habe ich den Spielern nur mitgeteilt, wenn sie Eier haben, sollen sie wenigstens kämpfen.«

»Das war ein ganz deprimierender Abend für uns. Wir haben unser Potenzial zu keiner Zeit abgerufen. Obwohl wir auf die 5:1-Abwehr eingespielt waren, haben wir kein Mittel gefunden. Uns fehlten die Würfe aus dem Rückraum, unseren Kreisläufer finden wir auch nicht und in der Deckung standen wir viel zu defensiv«, lautete das ernüchternde Fazit von Philipp Müller, der selbstkritisch anmerkte, »dass ich allein in den ersten fünf Minuten gleich drei Freie verknallt habe«. Torwart Nikolai Weber, dem als einzigen Normalform zu attestieren ist, erklärte nachdenklich, »dass es für uns in der Tabelle jetzt langsam ernst wird«.

TSV Hannover-Burgdorf: Puljezevic, Weiner; Przybecki (7), Lehnhoff (6/2), Olsen (5), Hallgrimsson (5), Johannsen (3), Clößner (1), Jonsson (1), Jurdzs (1), Buschmann (1), Svarvarsson, Rydergard

HSG Wetzlar: Weber, Marinovic; Friedrich (8/6), Mraz (4), Valo (3), Schmidt (3/1), Müller (2), Salzer (1), Jungwirth (1), Fäth (1), Rompf (1), Kristjansson, Harmandic, Chalkidis

Schiedsrichter: Brauer/Holm (Hamburg)
Zuschauer: 2585
Siebenmeter: 6/2:8/7 (Lehnhoff, Olsen und Jonsson scheitern an Nikola Marinovic, Jonsson scheitert an Niko Weber; Schmidt scheitert an Puljezevic)

Jürgen Kohlenberg