„Deutliche Worte unter echten Jungs“

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HSG Wetzlar spielt am Mittwoch gegen THW Kiel und definiert Saisonziel neu: Besser als die letzten Drei

Die gute Nachricht wurde durch den Ticker bestätigt. Der THW Kiel reist heute ohne seinen am Knie verletzten Kreisläufer Marcus Ahlm an. Doch ob der Schwede morgen spielt, wenn der Tabellenführer der Handball-Bundesliga um 20.15 Uhr in der voraussichtlich ausverkauften Rittal-Arena bei der HSG Wetzlar antritt, dürfte keinen große Auswirkungen auf den Ausgang der Partie haben. Alles andere als ein klarer Sieg des Starensembles ist eine Überraschung. Gennadij Chalepo, der Trainer der Gastgeber, bringt es im Blick auf die Kieler Mannschaft auf einen kurzen Nenner: „Nennst Du einen Namen, nennst Du Weltklasse.“

 

Natürlich erhoffen sich die Mittelhessen ein gutes Ergebnis gegen einen Kontrahenten, der in dieser Saison noch keinen Punkt abgegeben hat und souverän die Tabelle des 18er-Feldes anführt. Doch in erster Linie blicken die Grün-Weißen auf ihre eigene Leistung. Zwar haben sie sich bereits sieben Pluspunkte bei 7:13 Zählern auf Rang 14 erspielt, doch stellte bislang kein Auftritt der Mannschaft um Kapitän Niko Weber wirklich zufrieden. Das gipfelte in der samstäglichen 24:30-Niederlage beim TSV Hannover-Burgdorf, die der HSG vom Ergebnis noch schmeichelte.

Und prompt Konsequenzen nach sich zog. Denn schon am Sonntag lud Aufsichtsratssprecher Manfred Thielmann die Mannschaft und Trainer Chalepo zu einem einstündigen Gespräch. Dabei seien „unter echten Jungs auch mal deutliche Worte gesprochen worden“, berichtet Thielmann. Viele Gespräche führt derzeit auch „Jimmy“ Chalepo, weiß aber offensichtlich nicht so richtig, wo er den Hebel ansetzen soll und wo die Probleme der Wetzlarer Mannschaft liegen. „Für mich als Trainer ist das auch neu, ich kann nicht alles analysieren“, schwingt eine gewisse Ratlosigkeit mit. Das bisherige Pfund der mannschaftlichen Ausgeglichenheit und Geschlossenheit scheint ins Gegenteil zu kippen, weil innerhalb der Mannschaft ein wirklicher Führungsspieler vermisst wird.

Bei Thielmann hat das Auftreten der HSG-Formation, vor allem die sehr schlechten Phasen bei den Niederlagen in Großwallstadt und Hannover, auch eine gewisse Sorge entstehen lassen: Die Sorge, in den Abstiegsstrudel zu geraten. „Wir sind sicher, dass wir mit dieser Mannschaft den Klassenerhalt schaffen“, versucht er Optimismus zu versprühen und negiert Überlegungen über „wirtschaftliche Experimente“. Andererseits führt er ins Feld, dass die Wetzlarer wohl in der Rückrunde der Vorsaison „etwas über Niveau“ gespielt hätten und die aktuelle Ligazusammensetzung eine „andere“ als im Vorjahr sei, zumal es diesmal drei direkte Absteiger und keine Relegation gibt.

Hatte es vor der Saison noch geheißen „Unser Ziel muss ein einstelliger Tabellenplatz“ sein, so lautet Thielmanns Credo nun: „Unser Ziel ist es, besser als die letzten drei Mannschaften abzuschneiden.“ Abstiegskampf pur also.

Den deutlichen Worten sollen entsprechende Taten folgen. Doch erwarten das die HSG-Verantwortlichen erst nach dem Kiel-Spiel, ab dem Gastspiel beim Hessenrivalen MT Melsungen am 27. November. „Nach Kiel beginnt die Saison neu“, sagt Thielmann und sieht die Möglichkeit, gegen Melsungen zu punkten. Aber schon am Mittwoch erwartet er ein anderes Auftreten: „Der Zuschauer muss das Gefühl haben, dass die Mannschaft versucht, mit allen Mitteln sich zu wehren. Sie spielt vor 4000 Zuschauern und muss zeigen: Diese Mannschaft erfüllt ihren Beruf.“ Unter diesen Vorgaben ist es egal, ob Marcus Ahlm spielt.

(am)