Deutlicher Auswärtssieg beim VfL Gummersbach!

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar beschenkt Anhänger zu Ostern mit 35:30-Erfolg beim Altmeister VfL Gummersbach - Valo mit sieben Treffern!

Die Eugen-Haas-Halle in Gummersbach wird kurz vor ihrem Abgesang noch zur Lieblingsspielstätte der HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga. Vor knapp zehn Monaten sicherten sich die Grün-Weißen in der stark in die Jahre gekommenen und in der nächsten Saison nicht mehr genutzten Sporthalle den Klassenerhalt, am Samstag landeten sie gegen den nach wie vor abstiegsbedrohten VfL mit 35:30 (18:13) den ersten Auswärtssieg seit dem 8. Dezember.

"Diese Punkte tun uns unglaublich gut", war Wetzlars Trainer Kai Wandschneider regelrecht erleichtert über die Erlösung kurz vor Ostern. 90 Minuten vor dem Anpfiff sah das noch anders aus. Grimmig blickte er bei der obligatorischen Zigarettenpause vor der finalen Ansprache an sein Team drein. "Ich hatte kein gutes Gefühl", gab der 53-Jährige hinterher zu. Was vor allem daran lag, dass Wandschneider kurzfristig auf Tobias Hahn (krank) und Philipp Müller verzichten musste, der seit Freitag im Krankenhaus liegt. Bei der Behandlung des aus dem Hannover-Spiel vor einer Woche resultierenden Blutergusses am Rücken sackte sein Kreislauf ab, so dass der Rückraumspieler mit dem Krankenwagen abtransportiert werden musste. "Ihm geht es schon wieder besser", sagte sein Zwillingsbruder Michael, nachdem er ihm die frohe Kunde vom Auswärtserfolg überbracht hatte. Da sich der Bluterguss innerlich geöffnet hat, droht dem 28-Jährigen aber sogar eine Operation.

Wetzlar muss auf Philipp Müller und Hahn verzichten, zieht aber schnell davon!

Seine Teamkollegen steckten diese neuerliche Hiobsbotschaft gut weg. "Wir waren von Anfang an die bessere Mannschaft", hatte der einmal mehr gute Kreisläufer Jens Tiedtke erkannt. Über 6:3 (9.) erarbeiteten sich die Gäste eine 11:6-Führung. In der Abwehr präsentierten sie sich bissig und konnten sich zudem auf einen starken Nikola Marinovic im Tor verlassen. Im Angriff zog Adnan Harmandic geschickt die Fäden, setzte seine Mitspieler gut ein, die äußerst treffsicher waren. Steffen Fäth zeigte an alter Wirkungsstätte, wo er in der Saison 2009/2010 nicht über die Rolle des Ersatzmannes hinausgekommen war, warum er mittlerweile Nationalspieler ist. Und für Michael Müller, der zwar mit guten Anspielen glänzte, ansonsten aber wenig durchschlagskräftig war, sprang Daniel Valo in die Bresche, der einen Ball nach dem anderen im Tor des VfL Gummersbach unterbrachte. "Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Vorne wie hinten", lobte Coach Wandschneider den oft nur sporadisch eingesetzten Slowaken.

Als sich die HSG jedoch eine Vier-Minuten-Auszeit nahm und die Hausherren vor allem dank des starken Adrian Pfahl auf 11:12 verkürzten (23.), wurden Erinnerungen an Hannover wach, als die Wetzlarer in der Schlussviertelstunde noch eine Sechs-Tore-Führung verspielten. Doch am Samstag war der Altmeister aus dem Bergischen Land zu schwach, um die im Kollektiv überzeugenden Domstädter noch länger in Bedrängnis zu bringen. Die HSG enteilte bis zur Halbzeit auf 18:13 und hatte die Partie schon beim 27:18 13 Minuten nach Wiederbeginn entschieden.

"Die Phase nach der Pause hat uns endgültig das Genick gebrochen", sagte ein enttäuschter VfL-Trainer Emir Kurtagic, der bei seiner Mannschaft "fehlende Kraft" ausgemacht hatte. "Die Spiele gegen Melsungen und in Großwallstadt haben uns noch zu sehr in den Knochen gesteckt", meinte der mit 33 Jahren jüngste Coach der Liga. Von den starken Auftritten zuletzt, als der Altmeister immerhin 3:1 Punkte holte, war nichts zu sehen. Als Tobias Reichmann eine Viertelstunde vor Schluss das 30:19 erzielte, verließen die ersten Zuschauer die Halle.

Sie verpassten bis zum Abpfiff nicht viel, lediglich die Ergebniskosmetik der Hausherren, die letztlich mit der Fünf-Tore-Niederlage noch gut bedient waren. Die schwache Schlussphase wurmte die Wetzlarer ein wenig. "Da sind wir in den alten Trott hineingekommen. Das darf uns nicht passieren", meinte Reichmann. "Wir hätten höher gewinnen müssen", ärgerte sich auch Jens Tiedtke, doch der Routinier stufte das richtigerweise als "Jammern auf hohem Niveau" ein. Die Laune wollten sich HSG-Spieler, die sich laut ihrem Trainer "nach so einem Erlebnis gelechzt haben", nicht verderben lassen. Ostern kann kommen. Am Samstag läuteten die Wetzlarer die Feiertage mit einem gemeinsamen Abendessen in Gießen ein, das Aufsichtsrat Martin Bender spendierte. "Die Mannschaft hat sich das", so Wandschneider, "redlich verdient."

Stenogramm:

Gummersbach: Ristovski, Rezar (18. bis 41.) - Mladenovic (n.e.), Schindler (1), Kopco (3), Krause, Putics (1), Lützelberger (8), Larsson (5), Pfahl (8/1), Gaubatz, Zrnic (2), Santos (2).

Wetzlar: Marinovic, Weber (n.e.) - Schmidt (4/3), Fridgeirsson (1), Tiedtke (5), Rompf (1), Valo (7), Zörb, Mraz, Reichmann (6), Fäth (5), Michael Müller (3), Harmandic (3).

Schiedsrichter: Moles/ Pittner (Heddesheim/ Hemsbach) - Zuschauer: 2105 - Zeitstrafen: Gummersbach vier (Schindler, Kopco, Lützelberger, Santos), Wetzlar vier (Schmidt, Fridgeirsson, Mraz, Fäth) - verworfener Siebenmeter: Schmidt (Wetzlar) scheitert an Rezar (24.).

Quelle: WNZ