Deutschland deklassiert die Schweiz

Traf neun Mal für Deutschland: Wetzlars Kevin Schmidt.

DKB Handball-Bundesliga

36:22-Sieg der Schmidt, Reichmann, Fäth & Co. in ausverkaufter Rittal Arena

"Tore satt" im Handball-Test-Länderspiel in Wetzlar: Mit 36:22 (19:7) hat die erneut verjüngte deutsche Nationalmannschaft der Männer am Samstagnachmittag die Schweiz vor 4.412 Zuschauern vom Feld gefegt. 

Im Mittelpunkt der Torgala im ersten von zwei Duellen mit den Eidgenossen binnen 24 Stunden standen zwei Lokalmatadore: Rechtsaußen Kevin Schmidt avancierte mit neun Treffern, davon fünf Siebenmeter sogar zum besten Schützen der einseitigen Begegnung. Linksaußen Tobias Reichmann steuerte fünf herrliche Treffer zum ungefährdeten Erfolg über die völlig überforderte "Nati" bei.

"Kevin ist unser Mister Zuverlässig. Das hat er erneut unter Beweis gestellt", zollte Bundestrainer Martin Heuberger dem gleichermaßen pfeilschnellen wie nervenstarken Flügelflitzer ein dickes Sonderlob. Der 24-Jährige zeigte sich hinterher hochzufrieden: "Hier in meinem Wohnzimmer wollte ich es natürlich ganz besonders gut machen", erklärte Schmidt stolz. "Ich glaube, das ist mir gelungen."

Reichmann, der sich lediglich eine einzige "Fahrkarte" leistete, profitierte in der ersten Halbzeit vor allem von den atemberaubenden Pässen des hervorragend aufgelegten Silvio Heinevetter im Kasten der DHB-Auswahl. "Seine Abwürfe kommen fast übers ganze Feld zentimetergenau, so gut sind die getimt", zeigte sich der 24 Jahre alte Rechtsaußen, der in der zehnten Minute ein Schrecksekunde überstehen musste, beeindruckt. Nach einer Karambolage mit dem Schweizer Manuel Liniger vom HBW Balingen/Weilstetten hielt sich Reichmann kurz das verletzte linke Knie, humpelte ein paar Schritte, um anschließend seinen dritten Tempogegenstoß zum 8:3 zu vollenden. Wieder war Heinevetter der Passgeber.

Der Keeper der Füchse Berlin sorgte zugleich in der 13. Minute für den einzigen Aufreger der Partie. Da schaltete sich Heinevetter in den Angriff ein, stürmte an den Kreis, sein im Fallen erzielter Treffer wurde allerdings nicht anerkannt. Wegen Kreisbetretens. "Ein klar reguläres Tor", echauffierte sich das "Enfant terrible" aus der Bundeshauptstadt über die Entscheidung des tschechischen Schiedsrichtergespanns Jiri Opava/Pavel Valek.

Martin Heuberger gefiel die Szene im Gegensatz zu den Zuschauern, die praktisch die gesamten 60 Minuten ihre Mannschaft mit rhythmischen Klatschen nach vorne peitschten, gar nicht. "Das ist halt Silvio Heinevetter", meinte der Bundestrainer achselzuckend. "Ich möchte solche Aktionen von ihm eigentlich nicht sehen."

Steffen Fäth fehlt wegen einer Kapselverletzung bei der Torgala gegen die Schweiz

Am Samstag konnte sich der super aufgelegte Torwart diese Eskapade im ersten Länderspiel nach der Weltmeisterschaft in Spanien problemlos erlauben. Auch ohne die WM-Fahrer Oliver Roggisch und Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen sowie Stefan Kneer (SG Flensburg-Handewitt) und Spielmacher Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), die allesamt wegen der EHF-Pokal-Begegnungen ihrer Clubs ebenso fehlten wie der Ex-Wetzlarer Sven-Sören Christophersen (Knieprobleme) von den Füchsen Berlin beherrschte das kombinationsfreudige DHB-Team Ball und Gegner. Mit blitzschnellen und präzisen Angriffsaktionen wurden die ersatzgeschwächten Gäste, die vor allem ihren formidablen Rückraumregisseur Andy Schmid von den Rhein-Neckar Löwen schmerzlich vermissten, nach allen Regeln der Handballkunst demontiert. Über 12:5 (17.) enteilte der WM-Fünfte auf 18:6 (26.), womit die Partie längst entschieden war.

Heuberger konnte fortan seinen schon vor der WM eingeleiteten Umbruch weiter mutig vorantreiben. Von den drei Debütanten wusste vor allem Christian Dissinger zu gefallen. Im Angriff ohnehin, aber auch im Deckungszentrum stand der bei den Kadetten Schaffhausen in der Schweiz unter Vertrag stehende Junioren-Weltmeister von 2011 seinen Mann.

Erst nach der Pause, als der DHB-Coach weiter munter durchwechselte, leisteten sich seine Schützlinge den einen oder anderen Lapsus zu viel. Dadurch konnten die Eidgenossen die Begegnung in Durchgang zwei halbwegs offen gestalten. Besonders Mittelmann Andrija Pendic (8/3) düpierte die deutsche Abwehr nun des Öfteren. "Im zweiten Durchgang haben wir uns ordentlich verkauft", befand der Schweizer Nationaltrainer Goran Perkovac. "Im Kraft- und Ausdauerbereich hinken wir weiter zurück. Da kommt am ehesten zum Ausdruck, dass wir nur 25. der Welt sind und Deutschland Fünfter", meinte der kroatische Olympiasieger von 1998, der seit vier Jahren die "Nati" betreut.

Während sich die nach der Schlusssirene noch lange von Autogrammjägern umlagerten deutschen Nationalspieler die Finger wund schrieben, stand ein Wetzlarer abseits und schaute etwas traurig drein: Steffen Fäth. Wegen einer im Training am Freitag erlittenen Kapselverletzung im Daumen der rechten Hand hatte der Rückraumakteur pausieren müssen. "Natürlich tut das weh, nicht dabei sein zu können. Aber wenn ich den Ball nicht festhalten kann, geht es halt nicht."

Quelle: WNZ