Die Belohnung für Wetzlar bleibt aus

DKB Handball-Bundesliga

Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat trotz zahlreicher grippekranker Spieler an einem Punktgewinn beim TuS N-Lübbecker geschnuppert.

Beinahe hätte es doch noch zu einem Punktgewinn für Handball-Bundesligist HSG Wetzlar beim TuS N-Lübbecke gereicht. Doch der finale direkte Freiwurf von Steffen Fäth nach der Schlusssirene strich knapp am Gehäuse vorbei. So blieb es bei der nicht unverdienten 26:27 (11:16)-Niederlage der Mittelhessen bei den Ostwestfalen, die ihren ersten Sieg seit dem 29. November des vergangenen Jahres feiern konnten.
Es hatte gut begonnen für die Sieben von Trainer Kai Wandschneider. Keeper Andreas Wolff entschärfte in der ersten Minute einen Strafwurf von Ramon Tauabo und hielt auch in der Folgezeit stark. Besonders Lübbeckes Gabor Langhans, der in der zweiten Hälfte noch eine entscheidende Rolle spielen sollte, scheiterte mit seinen Distanzwürfen am HSG-Keeper. In der Offensive nahmen die Gäste in den ersten Minuten merklich das Tempo aus der Partie. 

Zum einen, um nach der im Team grassierenden Grippewelle nicht gleich zu Beginn zu viel Kraft zu lassen. Zum anderen, um einen Blitzstart der hoch motiviert wirkenden Gastgeber zu unterbinden. Das gelang. Immer wieder fand die HSG Sebastian Weber am Kreis, der mit drei Treffern maßgeblich für den frühen 5:3-Vorsprung verantwortlich war. Als Spielmacher Ivano Balic noch einmal mit einer beherzten Eins-gegen-eins-Situation auf 6:4 erhöhen konnte, schienen die Grün-Weißen auf Kurs zu sein. 

Was folgte, war aber ein 1:5-Lauf aus Sicht des Tabellenzehnten. Niclas Pieczkowski, der TuS-Spielmacher Drago Vukovic abgelöst hatte, machte besonders in der zweiten Welle und bei den erweiterten Gegenstößen mächtig Druck, war von der HSG-Defensive in dieser Phase nicht zu kontrollieren. Besonders die nun einsetzende Fahrlässigkeit im Umgang mit freien Wurfchancen ermöglichten den Rot-Schwarzen schnelle Gegenstöße. »Wir haben in dieser Phase einfach zu viele Möglichkeiten liegenlassen, sind immer wieder an einem hervorragend haltenden Nikola Blazicko gescheitert«, sagte Wandschneider. Und auch Evars Klesniks wusste: » Nach unserer Führung haben wir zu viele einfache Bälle weggeworfen und zu viele Gegenstöße kassiert.«

Ein weiterer Grund war die bis dahin währende Harmlosigkeit des Wetzlarer Rückraums. Steffen Fäth, nach seinen Knieproblemen zusätzlich durch eine Grippe geschwächt, fand gar nicht statt. Auf der rechten Rückraumseite agierte Kent Robin Tönnesen zunächst unglücklich, markierte seinen ersten Treffer erst in der 20. Minute.

Gastgeber fangen zu zittern an 

Gegen die nun immer sicherer agierenden Hausherren gelang in dieser Phase nicht mehr viel. Der TuS-Mittelblock mit Ales Pajovic und Vukovic kontrollierte das Wetzlarer Aufbau- und Kreisspiel. Folgerichtig baute das Team von TuS-Trainer Dirk Beuchler seinen Vorsprung bis zum Seitenwechsel auf 16:11 aus. 
Im zweiten Durchgang änderte sich erst einmal wenig am drucklosen und häufig an der Grenze zum Zeitspiel agierenden HSG-Angriffsspiel. Lübbecke zog sogar auf sechs Tore davon und sah beim 18:12 in der 35. Minute wieder sichere Sieger aus. Doch nun griff Wandschneider in die Taktik-Kiste, verordnete seinem Team zuerst eine offensive 4:2-Abwehrformation und später gar eine 3:3-Defensive. Maßnahmen, die zogen und zumindest den TuS-Lauf einbremsten. Der Rückstand pendelte sich in der Folgezeit bei drei bis vier Toren ein. Lediglich Lübbeckes Linkshänder Langhans bekamen die Wandschneider-Schützlinge in dieser Phase nicht in den Griff. Der Vertreter des an der Hand verletzten Jens Schöngarth markierte in dieser Phase wichtige Treffer. Auf Wetzlarer Seite zeichneten sich in dieser Phase vor allem Tönnesen und Balic mit Distanzwürfen aus. 

Eine weitere Signalwirkung hatte die Hereinnahme von José Javier Hombrados, der den keineswegs schwach haltenden Andreas Wolff in der 46. Minute zwischen den Pfosten ablöste. Der Spanier fügte sich blendend ein, vereitelte mehrere Einwurfmöglichkeiten der Hausherren, unter anderem einen Strafwurf von Maximilian Schubert. 
Die Mittelhessen waren beim 23:25 wieder im Spiel. Der TuS, der in den vergangenen Heimpartien gegen Hannover/Burgdorf und Lemgo Führungen in den Schlussminuten aus der Hand gegeben hatte, begann merklich zu zittern. Den 25:26-Anschlusstreffer durch Sebastian Weber (55.) konterte Lübbeckes Routinier Vukovic. Drei Sekunden vor der Sirene hatte Fäth noch einmal mit einem Freiwurf die Möglichkeit zum Ausgleich, blieb jedoch hängen. Die neuerliche Möglichkeit zum Ausgleich per direktem Freiwurf brachte nichts mehr ein.

»Wir standen unter einem enormen Druck. Kompliment an meine Mannschaft. Heute hat jeder für jeden gekämpft«, erklärte Lübbeckes Coach Beuchler, während Wandschneider sagte: »Ich muss meiner Mannschaft für die kämpferische Einstellung ein Kompliment machen.«

TuS N-Lübbecke: Blazicko (14 Paraden), Semisch (n.e.); Loke, Vukovic (5), Langhans (7), Tauabo (4), Pieczkowski (3), Pajovic, Wöss, Dissinger (4), Schubert (2/2), Borozan, Remer (2).

HSG Wetzlar: Wolff (1.-46./Neun Paraden), Hombrados (46.-60./Vier Paraden); Prieto, Lipovina (2), Manaskov (2), Weber (6), Tönnesen (6), Laudt, Fäth (1), Hahn (3), Harmandic (1), Joli, Balic (5), Klesniks.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff (Düsseldorf). – Zuschauer: 1931. – Zeitstrafen: 8:4 Minuten. – Siebenmeter: 
4/2:0/0. Christian Bendig

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung