Die HSG baut ihre Mannschaft um

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Im Gespräch: Dragicevic, Müller, Theuerkauf / Interesse: Weber, Billek, Karipidis

Erst riss er nach 1:41 Minuten Daniel Valo krachend zu Boden, dann luchste er wenig später am Mittelkreis Timo Salzer den Ball ab und vollendete zum 12:10. Insgesamt war Christoph Theuerkauf mit sieben Treffern, davon zwei Siebenmetern, der auffälligste Akteur des TBV Lemgo am Sonntagabend bei der 29:32 (16:15)-Niederlage in der Handball-Bundesliga bei der HSG Wetzlar. Das Interesse von Manfred Thielmann, dem Aufsichtsratssprecher der Grün-Weißen, hatte der Kreisläufer jedoch schon vorher geweckt.

 

"Sieben Tore hätten es ja nun nicht unbedingt sein müssen", flachste der Boss des Reiseunternehmens Gimmler, als er nach dem Match in die Katakomben entschwand, um mit dem Nationalspieler über einen Wechsel von Ostwestfalen nach Mittelhessen zu verhandeln. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass die Verträge des Griechen Giorgos Chalkidis und des Isländers Kari Kristjan Kristjansson bei der Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen wie sieben weitere auslaufen und Thielmann gemeinsam mit HSG-Coach Gennadij Chalepo dabei ist, nicht nur die Mannschaft umzubauen, sondern sie künftig sportlich hochwertiger und vor allem konkurrenzfähiger in die Saison 2012/13 zu schicken.

Verlängerung des Vertrages mit Steffen Fäth angeblich unter Dach und Fach

TBV-Geschäftsführer Volker Zerbe habe laut Thielmann sein Einverständnis zu Gesprächen mit Theuerkauf gegeben, der gebürtige Magdeburger, der in seinen bisher 25 Länderspielen 53 Tore warf, sich offen für einen Wechsel gezeigt: "Ich kann mir sehr gut vorstellen, künftig bei der HSG zu spielen", soll der 27-Jährige Thielmann mit auf den Weg gegeben haben, ehe sich der TBV-Bus in Richtung Teutoburger Wald in Bewegung setzte.

Bei den Grün-Weißen, die mit dem Erfolg über Lemgo ihre Negativserie von sieben sieglosen Punktspielen in zwei Monaten beendeten und sich in der Tabelle am TV Großwallstadt und am TSV Hannover-Burgdorf auf Rang zwölf nach oben schoben, laufen nicht nur die Verträge der beiden Kreisläufer im Sommer aus. Auch beide Rechtsaußen (Peter Jungwirth und Tobias Hahn), Regisseur Timo Salzer, Linkshänder Daniel Valo, Linksaußen Kevin Schmidt und die beiden Männer auf der Königsposition im linken Rückraum, Philipp Müller und Steffen Fäth, haben keine Kontrakte für die kommende Saison, wenngleich gerade bei Fäth Thielmanns Interesse groß ist, ihn zu halten. Dem Vernehmen nach soll der 21-Jährige bereits gestern Mittag einen Vertrag bis 2014 unterzeichnet haben.

"Gennadij Chalepo schaut sich ein Video nach dem anderen an und ich führe zahlreiche Gespräche", hat Manfred Thielmann inzwischen auch Kontakt zu Kiels serbischem Kreisläufer Milutin Dragicevic (28), der an der Förde im Schatten des Schweden Marcus Ahlm steht und zuletzt am Kreis sogar Ex-Welthandballer Filip Jicha den Vortritt lassen musste, sowie zu Nationalspieler Michael Müller (27), dem Zwillingsbruder des Wetzlarers Philipp Müller, aufgenommen.

"Hinter ihm ist allerdings halb Europa her, eine Verpflichtung wird problematisch", glaubt Thielmann eher nicht, den Linkshänder von den Rhein-Neckar Löwen, an dem in Deutschland auch die MT Melsungen, Frisch Auf Göppingen und die Füchse Berlin interessiert sind, nach Wetzlar locken zu können. "Ein Vertragsangebot habe ich Michael Müller nicht vorgelegt", so der HSG-Aufsichtsratssprecher, der betont, zunächst ab 21. Dezember Gespräche mit den Akteuren, deren Verträge auslaufen, führen zu wollen. Dann haben die Grün-Weißen hoffentlich weitere Siege in den Duellen bei Aufsteiger Eintracht Hildesheim sowie vor eigenem Publikum gegen den TuS N-Lübbecke und den VfL Gummersbach eingefahren.

"Wir arbeiten seriös. Alle Clubs, die Spieler haben, mit denen wir reden wollen, werden vorher von uns informiert. Außerdem müssen wir, wenn wir interessant sein wollen, Punkte haben und nicht im Abstiegskampf stecken", hofft Thielmann nach zuletzt drei starken Auftritten in Folge bis Weihnachten auf Entspannung in der unteren Tabellenhälfte. Christoph Theuerkauf, Michael Müller und Milutin Dragicevic sind jedoch nicht die einzigen Spieler, auf die die HSG-Verantwortlichen ein Auge geworfen haben. "Auch der TV Hüttenberg hat einige interessante Akteure in seinen Reihen", gibt Thielmann zwar zu, dass beispielsweise auf Rechtsaußen Florian Billek oder Kreisläufer Sebastian Weber, einst von Trainer Michael Roth bei den Grün-Weißen aussortiert, sein Interesse geweckt haben, fügt aber hinzu, dass es bisher keine Gespräche gegeben habe. "Wir wollen erst einmal abwarten, wo der Weg des TV Hüttenberg hingeht", so der starke Mann der HSG vielsagend.

Was auch für den hochtalentierten Spielmacher Hannes Münch vom Zweitligisten HG Erlangen sowie für Rechtsaußen Savas Karipidis (MT Melsungen) gilt, den der Gimmler-Chef gerne wieder zu einer Rückkehr nach Mittelhessen bewegen würde. Für sie alle ist die HSG Wetzlar nur interessant, wenn sie im Oberhaus spielt. Zurzeit jedoch liegt der VfL Gummersbach und Abstiegsrang 16 nur drei Zähler entfernt.

Alexander Fischer