Die HSG im Reich der neuen Medien

DKB Handball-Bundesliga

Welchen Stellenwert die Sozialen Netzwerke in der Markenstrategie der HSG Wetzlar einnehmen

Für das Online-Magazin „Digitale Sport Medien“, das von der Onlineagentur Result Sports herausgegeben wird, gab Alexander Finke, Marketing-Mitarbeiter des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, ein Interview. Der 26-jährige spricht über die Vermarktungsmöglichkeiten innerhalb der Sozialen Netzwerke und wie die HSG Wetzlar Fan- und Kundenmarketing bzw. Akquise über die neuen Medien betreibt.

Viel Spaß beim Lesen!

Herr Finke, welchen Stellenwert genießen die Digitalen Medien, besonders die Sozialen Netzwerke, in einem typischen Tagesablauf bei der HSG Wetzlar? 

Finke: Die digitalen Medien, allen voran Facebook, aber auch E-Mail-Marketing, die regelmäßige Berichterstattung auf unserer Internetseite und unserer App sowie viele weitere Formen der digitalen Medien genießen bei uns einen hohen Stellenwert. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht mit unseren Fans auf Facebook interagieren und Sie mit den wichtigsten Informationen rund um unser Team und unseren Club versorgen. Facebook ist mittlerweile eine der wichtigsten Kommunikationsplattformen mit unseren jungen Fans und somit auch ein extrem wichtiges Kundenbindungsmittel.

Bei uns werden die Sozialen Medien nicht als Belastung angesehen. Ganz im Gegenteil! Bei uns läuft das automatisch nebenher. Das heißt, sobald wir eine eigne News haben oder etwas Spannendes erfahren, das auch unsere Fans interessieren könnte, posten wir es abgestimmt auf Facebook. Wenn sich daraus eine längere Nachricht generieren lässt oder die Information einen besonders hohen Stellenwert hat, erstellen wir beispielsweise einen Artikel für Internetseite und/oder den Vereins-Newsletter. Auch dies geschieht mittlerweile fast täglich.

Wie ist das Social Media Management bei der HSG Wetzlar organisiert (z. B. Verantwortlichkeit, abteilungsübergreifende Abstimmung)?

Finke: Das Social Media Management bei der HSG Wetzlar fußt auf mehreren Instanzen. Das tägliche Community Management übernehme in der Regel ich. Manchmal postet abgestimmt auch unser Geschäftsführer Björn Seipp, der durch seine frühere journalistische Tätigkeit viel Spaß und Interesse daran hat.

Eng zusammen arbeiten wir mit unserer Agentur für digitale Medien ‚die.interaktiven‘. Sie sitzen auch in Wetzlar und beraten uns schon seit längerer Zeit intensiv zu allen Themen bezüglich des Online-Marketings. Wir haben gemeinsam frühzeitig erkannt, wie wichtig Social Media für das Sportmarketing und die Fanbetreuung ist und mit einem Strategieleitfaden vor 1 ½ Jahren den Grundstein für unseren heutigen Erfolg gelegt.

Welche Ziele verfolgt die HSG Wetzlar in den Sozialen Netzwerken?

Finke: Zu aller erst möchten wir unseren Fans einen Platz geben, um ihrer Leidenschaft für den Sport, die Mannschaft und dem ganzen Verein Ausdruck zu verleihen. Wir betreiben hier aktive Fanbindung und Image-Pflege, wobei uns wichtig ist, auch zu vermeintlich negativen Vorkommnissen transparent und zeitnah Stellung zu beziehen. Natürlich hilft uns das Social Media Marketing auch beim Ticketing und dem Ankurbeln des Merchandise-Geschäftes. 

Wie war ihre Vorgehensweise beim Erarbeiten ihres Social Media Auftritts bzw. ihrer Social Media Strategie?

Finke: Unsere Social Media Strategie haben wir gemeinsam mit den Online-Experten, unserer Agentur ‚die.interaktiven‘ konzipiert. Das Ziel war es zunächst einen ordentlichen Ausbau der Fananzahl auf Facebook vorzunehmen. Dafür nutzen wir eine Kombination aus Gewinnspielen, einem Einsatz von Facebook-Werbeanzeigen und der Optimierung des Contents. Beispielsweise haben wir in Verbindung mit unserem YouTube Kanal, kleine Miniclips der Spieler aus der Kabine veröffentlicht oder ein humorvolles Weihnachtsvideo erstellt. Mit diesen Videos haben wir bundesweit sehr viele positive  Reaktionen auslösen können. Die Fans begeistern wir regelmäßig mit emotionalen und authentischen Beiträgen, die das Leben der Mannschaft so zeigen, wie es beispielsweise im Fernsehen nicht möglich ist. Wir haben aber auch weitere Ziele. So vernetzen wir unsere Sponsoren im HSG-Business-Club und haben für diesen eine Gruppe auf Xing erstellt. Jeder Kanal hat bei uns seine Berechtigung und fügt sich als selbstständiger Teil in unsere übergeordnete Strategie.

Welche Kanäle bzw. welche Plattformen gibt es neben Facebook und wie sind die Kanäle intern priorisiert?

Finke: Neben den bereits erwähnten Kanälen auf Xing und Facebook nutzen wir noch Twitter und Google+. Hier möchten wir in Zukunft unsere Anstrengungen noch weiter intensivieren, indem wir beispielsweise auf Twitter einen Fan-Reporter einsetzen, der Live vom Spiel geschehen Twittert und dafür freien Eintritt bekommt. So binden wir unsere Fans noch stärker in die Strategie ein. Ebenfalls denkbar sind Aktionen mit unseren Spielern. Sie sollen möglichst direkt mit den Fans kommunizieren können. So planen wir beispielsweise einige Google+HangOuts mit Spielern und Fans. Unser neuestes Projekt ist ein Live-Podcast von den Auswärtsspielen. Daheim gebliebene können so sie Spiele im Web per Hörfunk-Liveübertragung verfolgen. Hierzu haben wir bereits viel positives Feedback auf Facebook bekommen.

Wie sind ihre Erfahrungen mit dem Wachstum der Fanzahlen innerhalb der Sozialen Netzwerke und dem sportlichen Erfolg? Reagieren alle Kanäle der HSG Wetzlar gleich oder ähnlich auf sportlichen Erfolg?

Finke: Natürlich ist der Fanzuwachs in Zeiten des sportlichen Erfolges etwas höher. Einen entscheidenden Einfluss hat dieser jedoch nicht. Wir verzeichnen auf allen Kanälen einen regelmäßigen und stabilen Zuwachs.

Kann Facebook oder können die Sozialen Netzwerke insgesamt ein Umsatzgenerator für die HSG Wetzlar werden?

Finke: Ein direkter Absatz über die sozialen Netzwerke ist schwierig. Auch wir haben hier unsere Erfahrungen gemacht. Was sehr gut funktioniert, sind Aktionen wie beispielsweise „Jetzt die letzten Plätze sichern“ oder ein spezielles Angebot für die Facebook-Fans zu machen. Wichtig sind Faktoren wie Exklusivität der Information oder des Angebots und ein konkreter Mehrwert für die Fans. Durch den ständigen Kontakt mit den Fans und den Reichweitenaufbau, sind die Sozialen Netzwerke jedoch schon jetzt ein indirekter Umsatzgenerator.

Welche Social Media Maßnahmen haben sich für Sie als besonders wirksam erwiesen? Was hat weniger funktioniert bzw. was würden Sie im Nachhinein anders machen?

Finke: Wie bereits erwähnt, haben Versuche mit der direkten Intention eines Verkaufs, beispielsweise durch ein Widget auf Facebook, weniger gut funktioniert. Was immer gut funktioniert ist, wenn die Fans das Gefühl haben, ganz nah an der Mannschaft sein zu können. Manchmal ist es aber einfach auch total überraschend: Bei einem unserer letzten Spiele hatten wir einen einfachen Textpost mit dem Inhalt „Sieg“ veröffentlicht. Der hat an die 500 Likes bekommen. Spontan sein zahlt sich also auch aus.

Entwickeln sich die Kanäle mit eigenen Inhalten oder nutzen Sie auch „Cross-Posting“ (gleiche Posts auf verschiedenen Plattformen)?

Finke: Generell ist es unser Ziel, jeden Kanal individuell zu pflegen. Aus Gründen der Ressourcen müssen wir aber auch Crosspostings nutzen.

Smartphones, Tablets und die Nutzung des mobilen Internets wächst immer schneller. Welche Angebote bietet die HSG Wetzlar seinen Fans im mobilen Bereich?

Finke: Mit unserer App sind unsere Fans auch unterwegs immer up-to-date: Neueste News, Bildergalerien, Halbzeit- und Endergebnisse werden per Push-Funktion direkt an das Smartphone geschickt. Zusätzlich sind alle interessanten Informationen zum Kader, der Saison oder der kommenden Spiele über die HSG-App abrufbar. Auch die Nutzung von Sozialen Medien und Newslettern ist im mobilen Bereich sehr verbreitet, weshalb unser Engagement hier sehr wichtig ist.

Beobachten Sie eine sich steigernde Nutzung von kombinierten Angeboten zwischen Mobil und Social Media (wie z.B. Check-Ins, etc.) und wenn ja, plant die HSG Wetzlar dies auch mit Gewinnspielen zu ‚veredeln’?

Finke: Eine Check-In Kampagne beispielsweise via Foursquare oder Facebook ist derzeit nicht geplant. Dennoch beobachten wir natürlich genau, wie viele Personen unser Angebot mobil nutzen, sowohl die Internetseite als beispielsweise auch Facebook. Dies ist ein starker Wachstumssektor.

Hat das Wachstum innerhalb der Sozialen Netzwerken den ‚Traffic’ auf der Website (Page Impressions und Unique Visitors) verändert? Wenn ja, in wie weit?

Finke: Durch das Wachstum auf den sozialen Netzwerken hat sich der Traffic auf unserer Internetseite, dem Online-Shop und weiteren Präsenzen vervielfacht. Uns ist es wichtig, die verschiedenen Kanäle miteinander zu vernetzen und dem Nutzer den jeweils für ihn perfekten Inhalt zu liefern. Durch die vielfältigen Angebote im digitalen Bereich bilden wir dies bereits sehr gut ab. Das Ziel ist es, möglichst alle relevanten digitalen Touchpoints anzubieten und ein skalierbares Informations- und Konsumangebot bereitzustellen.

Können Sie uns ihre Digitale Medien Planung für das Jahr 2013 mitteilen?

Finke: Wir wollen in allen Bereichen weiterhin so stark wachsen wie bisher. Dazu nutzen wir die bisher erfolgreichen Mittel, planen aber auch die ein oder andere Highlight-Kampagne. Das Webradio und die Spielerreporter werden auf ihren Mehrwert und ihre Funktionalität hin getestet und können sich vielleicht fest in der Reihe unserer Online-Maßnahmen etablieren. Auch unser Google+Engagement möchten wir ausweiten. Interessant finden wir auch das Thema Social CRM. In Zukunft möchten wir die Informationen unserer Fans noch besser nutzen, um ihnen individuelle zugeschnittene Angebote machen zu können.

Sehr geehrter Herr Finke, wir möchten uns für das Interview recht herzlich bedanken!

Hier finden Sie die komplette Maiausgabe des Online-Magazins „Digitale Sport Medien“.