„Die Jungs haben sich gegen Hamburg eine volle Halle verdient!“

Das Team der Geschäftsstelle um Björn Seipp (2.v.l.). Es fehlt: Ruth Klimpke.

DKB Handball-Bundesliga

Geschäftsführer Björn Seipp im Interview - 38-Jähriger spricht über Unterstützung in der Region, Etat und sportliche Aussicht.

Seit etwas mehr als anderthalb Jahren leitet Björn Seipp die Geschäfte des Handball-Erstligisten HSG Wetzlar. Samstag in einer Woche startet der 38-Jährige mit seinem Club in die 15. Erstliga-Saison in Folge. Dabei hat sich das Gesicht der Bundesligamannschaft der Mittelhessen in diesem Sommer doch etwas verändert. Mit Jens Tiedtke (TV Großwallstadt), Fannar Thor Fridgeirsson (TV Emsdetten), Tobias Reichmann (THW Kiel) und Michael Müller (Rhein-Neckar-Löwen) konnte sich die Handballspielgemeinschaft aus der Domstadt namhaft verstärken. Beim Vorbereitungsturnier in Hamburg, dem KONE Cup, testet die HSG Wetzlar an diesem Wochenende letztmals, ehe es zum Ligaauftakt am 25. August 2012 um 19 Uhr zu Hause gegen den HSV Hamburg geht. Wie hoch sind beim Geschäftsführer die Erwartungen für den Saisonstart? Die Antworten gibt´s in diesem Interview.

Herr Seipp, Samstag in einer Woche startet die neue Saison und die HSG Wetzlar empfängt zu Hause den HSV Hamburg. Wie groß ist die Vorfreude, dass es wieder los geht?

Björn Seipp: „Sehr groß! Mit dem Saisonstart endet für die Mannschaft eine intensive Vorbereitungsphase und für die Fans in Mittelhessen eine lange Zeit des Wartens auf Spitzenhandball, denn von den hochklassigen Handballduellen bei den Olympischen Spielen war im deutschen Fernsehen ja leider nur sehr wenig zu sehen. Der Saisonstart bedeutet aber auch, dass wir auf der Geschäftsstelle endlich wieder etwas durchatmen können, denn die sogenannte Sommerpause und die darauffolgende Vorbereitung sind für alle Clubmitarbeiter in Sachen Organisation und Planung die stressigste Zeit des Jahres. Aktuell ist bei uns noch echt Highlife!“

War es in diesem Sommer besonders anstrengend? 

Björn Seipp: „Zumindest intensiver als im Jahr zuvor. Das lag vor allem daran, dass wir erst sehr spät, besser gesagt am vorletzten Spieltag der abgelaufenen Saison Gewissheit hatten, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben. Natürlich haben auch einige Partnerunternehmen dies abgewartet und erst danach ihre Zusage gegeben, dass sie mit größtenteils unverändertem Engagement an Bord bleiben. Ähnlich verhielt es sich beim Verkauf der Dauerkarten, der erst Anfang Juni so richtig gestartet ist – knapp acht Wochen später als im Jahr zuvor. Alles in allem war der Zeitraum für Sponsorengespräche, Umsetzung von Marketing- und Ticketing-Maßnahmen doch sehr komprimiert. Aber heute können wir schon sagen, wir werden es bis kommenden Samstag erfolgreich meistern!“

Das heißt?   

Björn Seipp: „Die Zahl der Unternehmen, die der HSG Wetzlar Sponsorengelder zur Verfügung stellen, mit denen kaufmännische verantwortungsvoll umzugehen ist, ist noch einmal gestiegen! Wir können mittlerweile auf die Unterstützung von rund 160 Unternehmen bauen. Zudem liegen wir beim Verkauf der Saisontickets - gemessen an der verkürzten Verkaufsphase - absolut im Soll. Heißt konkret, dass wir auch in die Saison 2012/2013 mit einem Etat von 3 Millionen Euro gehen können und dafür gilt es allen Sponsoren und Fans, die das ermöglichen und der HSG Wetzlar somit Planungssicherheit geben, schon heute ein großes Dankeschön auszusprechen.“

Das größte Dankeschön könnte wahrscheinlich die Mannschaft aussprechen, mit einem Sieg zum Auftakt gegen den HSV! 

Björn Seipp: „Hamburg ist natürlich ein attraktiver Gegner für die Zuschauer, aber ohne Zweifel auch ein richtig harter Brocken für unsere Mannschaft gleich zu Beginn. Martin Schwalb hat einen Kader beisammen, der fast ausnahmslos mit Weltklassespielern gespickt ist und der Club hat einen Etat, der fast drei Mal so hoch wie der unsere ist. Ich denke, wir tun gut daran realistisch zu bleiben! Der HSV ist in diesem Spiel der hohe Favorit, aber trotzdem hat gerade die Vergangenheit gezeigt, dass man zu Saisonbeginn durchaus die Chance hat, auch mal einen Großen der Liga zu schlagen. Doch dafür muss alles passen!“

Wie viel passt denn schon im neu formierten Team der HSG Wetzlar? 

Björn Seipp: „Das wird sich am kommenden Samstag zeigen (lacht). Nein, ich denke, dass Trainerteam und Mannschaft eine sehr engagierte und wirklich gute Vorbereitung absolviert haben. Die Trainings- und Spielergebnisse haben gestimmt und unsere vier Neuzugänge konnten schnell integriert werden. Kai Wandschneider hat mit den Spielern in vergangenen sieben Wochen, wie auch schon zum Rundenende, sehr konzeptioniert gearbeitet und extremen Wert darauf gelegt, dass die Abwehr und allen voran das Angriffsspiel noch dynamischer und variabler werden. Ich denke, dass wir, im Vergleich zu vor einem halben Jahr, deutlich mehr spielerische Möglichkeiten und Lösungsansätze haben und durch die Neuzugänge an Qualität dazugewonnen haben. Ich bin sehr optimistisch, dass sich dies auch in der Liga auszahlen wird.“

Welche Lehren haben die Vereinsverantwortlichen aus der abgelaufene Spielzeit gezogen? 

Björn Seipp: „Wir haben uns natürlich nach dem Rundenende und dem Hessentag in Wetzlar zusammengesetzt und die vergangene Saison kritisch aufgearbeitet. Mit Horst Spengler haben sich Aufsichtsrat und Geschäftsführung einen sportlichen Berater an die Hand geholt, der enormen handballerischen Sachverstand mitbringt und gemeinsam mit Trainer Kai Wandschneider unter anderem Konzepte zur steten sportlichen Weiterentwicklung der HSG Wetzlar ausarbeiten und umsetzen wird. Außerdem haben wir das Team rund um die Mannschaft erweitert, um den Spielern eine optimale Betreuung im stressigen Ligaalltag zu bieten - beispielsweisedurch einen erfahrenen Athletiktrainer und einen Mentalcoach.“

Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, dass man nicht wieder so lange um den Klassenerhalt zittern muss! 

Björn Seipp: „Richtig! Die abgelaufene Saison war ein Stahlbad für uns alle. Ein ähnliches Szenario möchten wir so schnell nicht wieder erleben, auch wenn wir wissen, dass die Liga mit Sicherheit nicht schwächer geworden ist. Der Anspruch unserer Mannschaft muss es sein, die eigene Leistungsstärke konstanter als im Vorjahr abzurufen und nicht zu schnell mit Kleinigkeiten zufrieden zu sein. Schaffen wir das, bin ich mir sicher, dass unser Team über genügend Potential und Teamgeist verfügt, um das Saisonziel Klassenerhalt frühzeitig zu erreichen.“

Wenn Sie einen Wunsch für Samstag frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Björn Seipp: „Ich bin Realist und kein Träumer! Ich hoffe, dass wir gegen den HSV Hamburg am Wochenende, trotz des frühen Saisonstarts und der wahrscheinlich sommerlichen Temperaturen, in einer vollen und stimmungsgeladenen Rittal Arena spielen und unsere beste Leistung abrufen. Das hätten sich Trainer, Spieler und Geschäftsstellenmitarbeiter nach dieser schweißtreibenden und wirklich extrem engagierten Vorbereitung verdient! Den Rest sehen wir kommenden Samstag, aber ich traue unseren Jungs so einiges zu.“