Die stolze Serie reißt

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HSG Wetzlar verliert mit 27:33 gegen die Rhein-Neckar Löwen

Die stolze Heimserie von Handball-Bundesligist HSG Wetzlar ist gerissen. Exakt 202 Tage nach der letzten Niederlage in der Rittal-Arena verlor die Mannschaft von Trainer Gennadij Chalepo mit 27:33 (12:18) gegen die Rhein-Neckar Löwen.

 

Am 9. April hatte der THW Kiel mit einem 32:24 die inzwischen zur Festung auserkorenen Halle an der Lahn gestürmt, am 27. Geburtstag von Kreisläufer Kari Kristjan Kristjansson gingen die Grün-Weißen gestern Abend erneut völlig verdient als Verlierer vom Parkett. "Wir haben ohne richtige Emotionen gespielt. Das durften wir uns gegen so einen starken Gegner nicht erlauben. Nach einem guten Beginn sind wir in der ersten Halbzeit in ein Riesenloch gefallen", kommentierte Chalepo die 60 einseitigen Minuten.

Vor der Partie hatte Torhüter Nikolai Weber noch an eine Überraschung geglaubt. "Vielleicht geht ja was, gegen Flensburg im Pokal waren wir ja schon nah dran." Doch die Grün-Weißen verloren die keineswegs überragenden, aber nach ausgeglichener Startphase deutlich überlegenen Gäste früh aus den Augen. Philipp Müller - zusätzlich motiviert durch den direkten Vergleich mit seinem fünf Minuten älteren Zwillingsbruder Michael im Löwen-Trikot - sorgte zwar bis Mitte des ersten Durchgangs für Jubel bei den HSG-Fans unter den 3515 Zuschauern. Doch nach dem 9:11 durch "Geburtstagskind" Kristjansson verbauten sich die Wetzlarer reihenweise die Chance, dem EHF-Cup-Teilnehmer auf den Fersen zu bleiben. Kevin Schmidt setzte die "gute Tradition" der vergebenen Siebenmeter in dieser Saison mit einem Pfostentreffer fort (18.), Lars Friedrich beging Sekunden später in Überzahl ein Stürmerfoul, und Rechtsaußen Tobias Hahn scheiterte in der zweiten Welle an Gästekeeper Goran Stojanovic (21.).

Zu allem Überfluss bewies Coach Chalepo kein glückliches Händchen, als er den beweglichen Timo Salzer auf der Spielmacherposition bereits nach 17 Minuten durch Adnan Harmandic ersetzte. Der Bosnier wirkte neben dem total neben sich stehenden Daniel Valo wie ein Unsicherheitsfaktor, die individuellen Fehler der HSG-Offensive nutzte der Favorit aus dem Badischen gnadenlos aus. Ob der aktuelle Bundesliga-Torschützenkönig Uwe Gensheimer von der Siebenmeter-Marke, die mächtige Rückraumreihe um den starken Börge Lund oder der nach seiner Hodenkrebs-Operation und Chemotherapie aufs Feld zurückgekehrte Bjarte Myrhol - immer wieder musste der solide, aber umso bedauernswertere Nikolai Weber den Ball aus dem Netz holen.

Chalepo ist froh, dass nach drei Spielen in sechs Tagen jetzt eine Pause kommt

Dem ernüchternden 12:18 zur Pause liefen die Mannen um Kapitän Salzer in Abschnitt zwei vergeblich hinterher. Chalepo sorgte zwar mit der (nach Meinung vieler zu späten) Einwechslung von Alois Mraz in der Schaltzentrale noch einmal für Bewegung. Lars Friedrich hatte als Strafwurfschütze genügend Zielwasser getrunken, der bartlose Kristjansson riss Lücken, und hinten machte der eingewechselte Nikola Marinovic mit sechs Paraden in der Schlussphase eine gute Figur. Aber ernsthaft in Gefahr brachte die HSG den an diesem Abend übermächtigen Konkurrenten nicht mehr. Dazu war der Rückstand, den sich die Wetzlarer früh eingefangen hatten, einfach zu groß.

Während Löwen-Coach Gudmundur Gudmundsson "mit der Einstellung meiner Mannschaft sehr zufrieden war, weil wir es fast über die gesamte Spielzeit vorne und hinten toll gemacht haben", musste sein Trainerkollege die erste Bundesliga-Heimpleite seit 202 Tagen und die dritte Pflichtspiel-Niederlage innerhalb von sechs Tagen verkraften. "Deshalb bin ich froh, dass jetzt eine kleine Pause ist. Die kommt vielleicht zur richtigen Zeit", blickte Gennadij Chalepo gestern schon wieder nach vorne.

Wetzlar: Weber, Marinovic (ab 40.) - Schmidt (1/1), Salzer (1), Rompf (1), Valo (1), Mraz (3), Philipp Müller (5), Chalkidis, Fäth (2), Hahn, Harmandic, Friedrich (7/2), Kristjansson (6)

Rhein-Neckar Löwen: Stojanovic, Fritz (bei einem Siebenmeter) - Bielecki (1), Lijewski (4), Lund (4), Michael Müller (2), Schmid, Sesum (4), Gensheimer (8/6), Groetzki (6), Ruß, Gunnarsson (n.e.), Myrhol (4), Roggisch

Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal)
Zuschauer: 3515
Zeitstrafen: Wetzlar vier (Kristjansson, Valo, Chalkidis zwei), Rhein-Neckar Löwen fünf (Schmid, Sesum, Roggisch drei/rote Karte 46.)
verworfener Siebenmeter: Schmidt (Wetzlar) wirft an den Pfosten (18.)

Volkmar Schäfer