Dutenhofen soll gutes Omen sein

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HSG Wetzlar kehrt im DHB-Pokal gegen Flensburg an alte Wirkungsstätte zurück

Viel Zeit, ihre Wunden zu lecken, bleibt den Handballern der HSG Wetzlar nicht. Bereits zwei Tage nach der 23:28-Bundesliga-Pleite beim TV Großwallstadt sind die Grün-Weißen heute Abend im Heimspiel der dritten DHB-Pokal-Hauptrunde gegen die SG Flensburg-Handewitt gefordert. Das brisante Duell zwischen dem gastgebenden Tabellenneunten (7:9 Punkte) und dem als haushoher Favorit anreisenden Rangfünften (12:4) steigt um 20.15 Uhr in der Dutenhofener Sporthalle in der Wingertenstraße.

 

Jener kleinen Arena also, in der die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen in ihren ersten Erstligajahren die großen Clubs das Fürchten lehrte. "Da werden Erinnerungen an viele frühere Schlachten wach", schmunzelt Trainer Gennadij Chalepo und denkt dabei an die glorreichen Erfolge gegen den THW Kiel, TuSEM Essen - und gegen jenen Verein aus dem letzten Zipfel Norddeutschlands nahe der Grenze zu Dänemark. Wenngleich diese Siege schon lange zurückliegen. Von den letzten 21 Begegnungen mit dem deutschen Meister von 2004 aus Flensburg verlor die HSG 20, lediglich am 27. September 2008 gelang ein 27:27 in der Rittal-Arena, in der die Grün-Weißen seit dem Umzug 2005 ihre Heimspiele bestreiten.

"Die ganz besondere emotionsgeladene Atmosphäre in der engen Halle hat mich als Dutenhofener Spieler immer gepusht", sagt der 42-Jährige, "und ich hoffe, das geht meinen Jungs auch so." Der gebürtige Weißrusse spekuliert auf ein Husarenstück: "Dutenhofen soll für uns ein gutes Omen sein. Ich traue meinem Team die Sensation zu. Dafür muss allerdings alles passen."

"Es geht nicht an, dass wir alle Torhüter zur Hochform schießen"

Genau das war zuletzt nicht der Fall. Seit drei Spielen sind die Gastgeber sieglos, zuletzt leisteten sie sich eine überflüssige Niederlage mit fünf Toren Unterschied in Aschaffenburg gegen den TV Großwallstadt.

"Wir waren eigentlich die bessere Mannschaft", hadert Chalepo mit seinen Schützlingen, die nach einer starken Anfangsviertelstunde und einer 8:5-Führung (14.) den Faden verloren. "Wir sind ein weiteres Mal an unserer schwachen Chancenverwertung gescheitert", nennt der Coach einen der Hauptgründe für die überflüssige Pleite bei den Mainfranken und befand: "Der TVG besaß den größeren Siegeswillen." Zu allem Überfluss verpasste es Kreisläufer Kari Kristjan Kristjansson in der 44. Minute, die Aufholjagd der HSG mit dem 19:19-Ausgleich zu krönen. "Diesen letzten Big Point konnten wir nicht setzen", resümierte Chalepo gestern Morgen. "Das passiert uns einfach zuletzt viel zu häufig", suchte Rückraumschütze Lars Friedrich in der Frankenstolz-Arena erst gar nicht nach einer Entschuldigung. Und auch Linksaußen Kevin Schmidt fasste sich sinnbildlich bereits vor Ort an die eigene Nase: "Wir sind den Großwallstädtern mit unseren vielen Fehlwürfen praktisch ins offene Messer gelaufen. Klar hat Martin Galia super gehalten, aber es geht nicht an, dass wir alle Torhüter unserer Gegner zur Hochform schießen."

Wie ebenfalls am 9. Oktober. Da vergab die HSG, die durch ein 43:26 beim Oberligisten VTZ Saarpfalz in Runde drei einzog, im Meisterschaftsmatch in der "Hölle Nord" an der Förde sage und schreibe sechs Siebenmeter gegen das schwedisch-dänische Flensburger Torwartgespann Mattias Andersson und Sören Rasmussen. Am Ende stand dennoch ein achtbares 30:36. "Das wird eine ganz andere Geschichte", warnt Ljubomir Vranjes. Der Schwede fungiert in Flensburg seit der Entlassung von Coach Per Carlén im Vorjahr als Teammanager und Trainer in Personalunion.

Paradestück der SG, die in der zweiten Runde beim Zweitligisten GWD Minden mit 38:28 die Oberhand behielt, ist der Rückraum mit den deutschen Nationalspielern Holger Glandorf und Lars Kaufmann auf den "Halben" sowie dem Dänen Thomas Mogensen in der Mitte. "Sie sind auf jeder Position doppelt mit Klasseleuten besetzt", blickt Chalepo mit gemischten Gefühlen dem Match gegen den dreimaligen DHB-Pokalsieger entgegen, der neben Lars Kaufmann mit dem hochtalentierten Petar Djordjic einen weiteren Ex-Wetzlarer als glänzende Alternative besitzt.

Das Motto des HSG-Trainers lautet: "Kopf hoch und weiter." Und vielleicht avanciert mit Geburtstagskind Nikolai Weber mal wieder ein Wetzlarer zum Matchwinner. Der Keeper wird heute 31.

Gerhard Collinet