"Eigene Dummheit"

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Wetzlar muss sich mit 23:23 gegen "Gallier von der Alb " begnügen

Erster Fleck auf der Heimweste der HSG Wetzlar: Nach zuvor drei Erfolgen in eigener Halle hat sich das Team von Trainer Gennadij Chalepo gestern Abend in der Rittal-Arena mit einem 23:23 (11:11)-Remis gegen den HBW Balingen/Weilstetten begnügen müssen.

 

Vor 3662 Zuschauern lieferten sich die beiden Kontrahenten eine hochspannende und zum Schluss dramatische, aber zugleich von vielen, vielen technischen Fehlern gespickte Partie der Handball-Bundesliga.

Als der Ex-Wetzlarer Alexis Alvanos 55 Sekunden vor dem Ende mit einem Siebenmeter beim Stande von 23:22 für die HSG am Außenpfosten scheiterte, schien der vierte Heimsieg greifbar nahe. Tobias Hahn hätte den Sack zumachen können, ja müssen, doch traf der Rechtsaußen freistehend ebenfalls nur das Torgebälk.

Die Balinger demonstrierten unbändigen Kampf, Leidenschaft und Einsatz und belohnten sich dafür, als Kai Häfner zwei Sekunden vor der Schlusssirene den erst in der 53. Minute für Nikola Marinovic eingewechselten Nikolai Weber zum 23:23 überwand. Den allerletzten Wurf von Steffen Fäth von der Mittellinie wehrte der auf Gästeseite sehr starke Keeper Martin Ziemer ab.

"Eigene Dummheit" brachte Philipp Müller die vertane Gelegenheit auf den Punkt. Derweil ging Coach Chalepo mit seinen Jungs hart ins Gericht: "Das war die schlechteste Leistung seitdem ich hier Trainer bin. Da war keine Körpersprache zu erkennen, so dass ich letztlich sogar zufrieden mit dem Unentschieden bin." Sein Balinger Kollege Rolf Brack schmunzelte derweil zufrieden nach dem ersten Zähler in fremder Umgebung: "Das war zwar nicht Handball vom Feinsten, aber am Ende haben wir alles richtig gemacht."

Der promovierte Diplom-Wissenschaftler, der neben seinem Traineramt als akademischer Oberrat an der Uni Stuttgart beschäftigt ist, griff in den 60 Minuten mal wieder tief in die Psycho-Trickkiste. Seine aggressive 3:2:1-Deckung mit ständigen Wechseln auf der vordersten Position setzte den Hausherren enorm zu. Die Wetzlarer verstrickten sich gegen die offensive Abwehr der "Gallier von der Alb" allzu oft in Einzelaktionen. Ab der 56. Minute nahm der 57-Jährige dann bei eigenem Ballbesitz Torwart Ziemer vom Platz und beorderte Geburtstagskind Jens Bürkle, der gestern 31 wurde, als siebten Feldspieler an den Kreis und stiftete so weitere Verwirrung in Reihen der HSG-Spieler.

Die mussten sich trotz des schwach leitenden und von den Zuschauern mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedeten Schiedsrichtergespanns Christoph Immel und Ronald Klein aus Tönisvorst und Ratingen sowie dem Pech bei elf Holztreffern an die eigene Nase fassen, dass sie einen Zähler abgaben.

Schwache Schiedsrichter und Pech bei elf Holztreffern

"Ich glaube, ich muss mit meiner Mannschaft mal ein ernstes Wörtchen reden", kündigte Chalepo bereits in der Pressekonferenz an.

Wetzlar: Marinovic, Weber (ab 53.) - Schmidt (2), Salzer (1), Valo (3), Jungwirth (2) , Mraz, Müller (4), Chalkidis (1), Fäth, Hahn, Harmandic (4/2), Friedrich (5/2) Kristjansson (1)

Balingen/Weilstetten: Ziemer (ab 26.), Puhle - König (5), Herth (3/1), Sauer, Wilke (1), Ettwein (1), Schlinger (4), W. Strobel, Häfner (2), Bürkle (5), Alvanos (2/1), Gutbrod

Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen)
Zuschauer: 3662
Zeitstrafen: Wetzlar fünf (Kristjansson zwei, Schmidt, Mraz, Valo), Balingen/Weilstetten acht (Alvanos, Bürkle, Herth, Wessig, Sauer, Häfner, Strobel, Schlinger)
rote Karte: Häfner (60., Balingen/Weilst.) wegen Spielverzögerung
verworfene Siebenmeter: Schmidt (Wetzlar) trifft die Latte (5.), Friedrich (Wetzlar) trifft den Pfosten, Friedrich scheitert an Ziemer (21.), Herth (Balingen/Weilstetten) scheitert an Marinovic (30.), Alvanos (Balingen/W.) trifft den Pfosten (60.)

Gerhard Collinet