„Ein großartiger Mensch“

Gute Trainer verbreiten gute Laune: (von links) Daniyel Bulut, Michael Anderl, Kai Wandschneider und sein Pate Sebastian Linder.

DKB Handball-Bundesliga

HSG-Coach Kai Wandschneider stellt die Mannschaft stets in den Vordergrund

Kai Wandschneider ist leicht verwirrt. Da betritt der Handball-Trainer der HSG Wetzlar das Karstadt Restaurant-Café und trifft prompt einen Spieler, mit dem er vor vielen Jahren mal in Dormagen zusammengearbeitet hat. „Was“, fragt der überraschte Wandschneider, „machst Du denn hier, Sebastian?“ Sebastian, mit Nachnamen Linder, druckst ein bisschen rum und sagt schließlich, dass er nur mal so vorbeischauen wollte. Auch da denkt sich Wandschneider noch nichts Besonderes.

Erst als Linder schließlich das Podium betritt und die Laudatio auf seinen ehemaligen Coach beginnt, wird Wandschneider klar, dass er von den Karstadt-Kunden und den Lesern des Gießener Anzeigers zum Trainer des Jahres gewählt worden ist. „Damit“, sagt er später, „hatte ich wirklich nicht gerechnet.“ Schließlich ist der gebürtige Rheinländer erst im März vergangenen Jahres zur HSG Wetzlar gewechselt, führte dann aber den heimischen Erstligisten sicher zum Klassenerhalt und gilt nun als Vater des überraschenden Erfolgs der Dom-städter in der aktuellen Saison.

Vater des Erfolgs? Nein, das ist Wandschneider zu viel. Zu viel der persönlichen Ehre, zu wenig des kollektiven Denkens. Und so wird es der 53-Jährige nicht müde, ein ums andere Mal zu betonen, wie groß der Anteil seiner Assistenten, der Jugendtrainer und der HSG-Geschäftsführung am Höhenflug der Wetzlarer Handballer ist. „Zum richtigen Zeitpunkt haben sich am richtigen Ort die richtigen Menschen getroffen“, sagt Wandschneider auf dem Podium und lacht dabei. Lachen tut der Mann mit dem schütteren Haar sowieso gerne. „Er ist unglaublich humorvoll und aufgeschlossen - einfach ein großartiger Mensch“, sagt auch sein früherer Schützling Linder. Und muss seinerseits lachen, als er berichtet, dass ihm Wandschneider einst in Dormagen gleich am ersten Trainingstag „ungefähr 50 neue Spielzüge“ beibringen wollte.

Taktikfuchs

Als Taktikfuchs, als gewiefter Kenner der Bundesliga und Förderer der Jugend gilt der HSG-Trainer seit Jahren. Während er einst im Rheinland das ewig klamme Team aus Dormagen bis in die Bundesliga hievte, rätselt er nun über neue Kniffe im Spiel der Mittelhessen. Das macht er am liebsten in einem Café in der Gießener Innenstadt. Und zwar ziemlich erfolgreich. So erfolgreich, dass er nun mit großem Abstand zum Trainer des Jahres gekürt worden ist.

Über seine Erfolge mag der bescheidene Mann jedoch nicht allzu gerne sprechen, lieber spricht er über seine Sportart, spricht derzeit natürlich vor allem mit Begeisterung über die starken Auftritte der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Spanien. „Wir freuen uns doch alle“, sagt Wandschneider. Und lobt im gleichen Atemzug den Bundestrainer: „Der Heuberger macht einen sensationellen Job.“ So sensationell wie Wandschneider in Wetzlar. Aber das würde der Geehrte so gewiss nie sagen. (zk)

Quelle: Gießener Anzeiger