Ein Schritt zurück, zwei Schritte nach vorne

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Zugang Michael Müller im Interview der »Gießener Allgemeinen« »Ich will zu alter Form zurück finden« »Teamgeist und Kampf bis zum Ende, das liegt mir«

Alles Müller oder was? Dem Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar ist ein Coup gelungen. Nicht nur die Vertragsverlänge¬rung von Philipp Müller bis 2014, sondern vor auch der Transfer seines Zwillingsbruders Michael Müller sorgt für Furore. Der Linkshänder wechselt von den Rhein-Neckar Löwen an die Lahn. Der Nationalspieler, der in 124 Erstligaspielen 394 Treffer erzielen konnte, erhielt einen Zweijahresvertrag. Der 27-Jährige, der seinen internationalen Durchbruch bei der WM 2009 in Kroatien schaffte, stand drei Jahre in Mannheim unter Vertrag.

Eine Kreuzbandverletzung setzte den 49-fachen Natio­nalspieler im September 2010 außer Gefecht. Dass sich der Würzburger davon erholt hat, un­termauerte er in dieser Saison mehrfach. »Ich freue mich auf Wetzlar, weil ich wieder mit meinem Bruder spielen und in einem jungen Team eine andere Rolle einnehmen kann als bei den Lö­wen«, sagt Michael Müller. Im In­terview spricht er über die Zeit in Mannheim, Ziele in Wetzlar so­wie Telefonate mit Philipp.

Ein Wechsel eines Nationalspie­lers zur HSG Wetzlar ist bisher eine Seltenheit...

Müller: »Ich spiele in der Natio­nalmannschaft die Rolle hinter Holger Glandorf und Adrian Pfahl. Ich möchte aber wieder zu einer festen Größe werden. Dazu brauche ich Spielanteile in der Bundesliga. Ich denke, dass ist in Wetzlar möglichen.«

Was war letztlich ausschlagge­bend für den Transfer?

Müller: »Ich habe drei Jahre bei den Löwen auf der Bank geses­sen. Ich will aber spielen, mög­lichst viel. Und ich möchte wie­der Spaß am Handball haben. Außerdem wollte ich gern mit meinem Bruder spielen. Das war sicher auch ein Grund für den Wechsel.«

Haben Sie ihn in den letzten Jahren auf dem Feld vermisst?

Müller (lacht): »Ich muss nicht unbedingt mit ihm spielen. Wir haben immer sehr engen Kontakt und telefonieren mehrmals täg­lich. Aber es hat sich angeboten, das Angebot anzunehmen«.

Was hat er von Wetzlar erzählt?

Müller: »Einiges. Ich war ja auch schon ab und an mal da. Ich freu mich sehr auf das junge Team, in dem ich eine andere Rolle ein­nehmen kann als bei den mit Stars gespickten Löwen. Natür­lich ist das Niveau anders, aber die HSG ist ein familiär geführ­ter Verein, mit einer familiären Truppe, die viel zusammen unter­nimmt, guten Teamgeist hat, kämpft bis zum Ende und an ei­nem Strang zieht. Das liegt mir.«

Welche Rolle möchten Sie in Wetzlar einnehmen?

Müller: »Eine wie damals beim TVG. Emotionen wecken und vo­rangehen. So wie Philipp. Das fällt mir in Wetzlar sicher leich­ter als bei den Löwen. Da bin ich nur Ergänzungsspieler.«

War der Wechsel aus Großwall­stadt zu den Löwen ein Fehler?

Müller: »Nein. Ich hatte eine schöne Zeit, habe Champions League gespielt, stand im Pokalfinale. Das waren wichtige Er­fahrungen. Aber: Ich habe mich nicht durchgesetzt wie erhofft.«

Lag das am Kreuzbandriss?

Müller: »Nee. Ich hatte schon im ersten Jahr mit Olafur Stefans­son auf meiner Position nicht das nötige Selbstvertrauen und das Vertrauen vom Trainer. Das hat sich im zweiten Jahr fortgesetzt und dann folgte die Verletzung. Es ist blöd gelaufen. Ich hoffe, dass ich in Wetzlar die Form fin­de, die ich vor dem Wechsel zu den Löwen hatte. Für mich ist es wichtig zu spielen. In Wetzlar habe ich die Chance dazu. Wenn ich dann wieder meine alte Stär­ke gefunden habe, könnte ich im­mer noch zu einem Topklub zu­rück wechseln.«

Dann ist ein Schritt zurück in diesem Fall einer nach vorne?

Müller: »Das kann man so sagen. Der vermeintliche Schritt zurück ist hoffentlich ein Schritt in die richtige Richtung.«

Sorgen, dass Wetzlar absteigen könnte, haben Sie nicht?

Müller: »Es ist zwar eng da un­ten, aber ich mache mir keine Sorgen. Wetzlar hat gegen Lemgo gezeigt, dass man zu Hause eine Macht ist. Die HSG ist kein Ab­steiger.«

Marc Schäfer (Gießener Allgemeine)