Eine Sekunde fehlt zum Derbysieg

created by webmaster@hsg-wetzlar.de (Wolfgang Fischer)

Wetzlar zeigt beim 30:30 in Kassel gegen Melsungen unbändigen Kampfgeist

Spannung, Dramatik Hektik: Nach einem verbissen geführten Hessenderby der Handball-Bundesliga hat die HSG Wetzlar gestern Abend bei der MT Melsungen hochverdient einen Punkt entführt. Letztlich fehlte sogar nur eine Sekunde, um beide Zähler mit auf die Heimreise zu nehmen. Mit dem allerletzten Wurf hämmerte Jens Schöngarth das Leder halbhoch an Nikolai Weber vorbei ins linke Eck und rettete den Hausherren das letztlich glückliche 30:30 (17:14)-Remis in der Rothenbach-Halle in Kassel.

 

"Das war unsere bisher beste Auswärtsleistung in dieser Saison", konnte HSG-Trainer Gennadij Chalepo es verschmerzen, dass auch im siebten Anlauf wieder kein Sieg bei den Nordhessen heraussprang. "Meine Mannschaft hat große mentale Stärke gezeigt", überwog bei dem 42-Jährigen die Erleichterung darüber, dass die Talfahrt mit zuletzt sechs sieglosen Spielen in Folge (1:11 Zähler) beendet wurde.

Beim 19:14 scheint die erneute Pleite fast schon beschlossen

Sein Melsunger Kollege und HSG-Vorgänger Michael Roth wirkte derweil nach dem sechsten sieglosen Match in Folge mitgenommen. "Wir haben uns trotz Verletzungssorgen 45 Minuten stark präsentiert. Aber nach dem 19:14 sind wir wieder in das Fahrwasser der leichten Fehler geraten. Da hätten wir den Sack zumachen müssen. Die Leistung von Wetzlar verdient allerdings Hochachtung", meinte der frühere Nationalspieler, der im Oktober vergangenen Jahres die HSG verlassen und zur MT gewechselt war. "Ich denke, beide Clubs können mit dem Unentschieden gut leben."

Dabei hatten die Grün-Weißen klasse in die Partie gefunden. Sie lagen beim 6:4 (10.), 7:5 (12.) und 10:8 (20.) sogar mit zwei Treffern vorne. Doch dann stockte plötzlich der Spielfluss. Melsungen glich zum 10:10 (22.) aus und als Michael Roth seine 6:0-Deckung auf eine 5:1-Formation umstellte und den schwedischen Klassemann Per Sandström zwischen die Pfosten beorderte, leisteten sich die Wetzlarer Philipp Müller, Daniel Valo und Adnan Harmandic drei Fehlversuche hintereinander. Die MT zog mit 16:14 in Front (29.), ehe Alexandros Vasilakis mit einem prächtigen Kempa-Trick-Tor auf Anspiel des früheren Wetzlarers Michael Allendorf zwei Sekunden vor der Pause sogar das 17:14 für die Hausherren draufsetzte.

Und beim 19:14 (33.) durch Nenad Vuckovic schien die erneute HSG-Pleite fast schon beschlossene Sache. "Doch wir sind noch mal zurückgekehrt", ballte der über weite Strecken hervorragend haltende Nikolai Weber hinterher die Faust. "Alle, die uns da schon abgeschrieben haben, wurden eines Besseren belehrt." In der Tat: Jetzt fighteten die Gäste um jeden Ball. Sehr zur Freude der rund 300 mitgereisten Anhänger in der mit 2750 Zuschauern gut gefüllten, aber längst nicht ausverkauften Kasseler Halle.

Timo Salzer schaffte mit einem Doppelschlag den 21:22-Anschluss (43.), Tobias Hahn markierte in der 55. Minute den 27:27-Ausgleich. Und als Alois Mraz 40 Sekunden vor dem Ende die HSG mit 30:29 in Führung warf, lag der erste Wetzlarer Derbyerfolg bei der MT in der Luft.

Nach einer Auszeit von Michael Roth kamen die Hausherren drei Sekunden vor der Schlusssirene noch einen Freiwurf zugesprochen. "Da haben wir alles auf eine Karte gesetzt", erklärte der 49-Jährige, "zwei Kreisläufer haben den Wurf von Schöngarth freigesperrt und es hat tatsächlich geklappt", atmete Roth tief durch. Während die Melsunger den Punktgewinn in letzter Sekunde bejubelten, hielt sich die Freude über das Unentschieden bei den völlig erschöpften Grün-Weißen in Grenzen.

Aber immerhin: Die Talsohle ist durchschritten. Jetzt kanns wieder aufwärts gehen. Der Anfang dazu wurde gestern am ersten Advent gemacht.

Melsungen: Sandström (ab 26.), Kelentric - Schöngarth (2), Mansson, Schweikhardt, Fahlgren (4), Vasilakis (4), Danner (3), Sanikis (1), Karipidis (7/4), Zufelde (n.e.), Allendorf (4), Vuckovic

Wetzlar: Weber, Marinovic (bei einem Siebenmeter) - Schmidt (1), Rompf, Salzer (4), Valo (6), Jungwirth (2), Mraz (3), Müller (3), Chalkidis (2), Fäth (n.e.), Hahn (1), Harmandic (3), Friedrich (2), Kristjansson (3)

Schiedsrichter: Damian/Wenz (Bingen/Mainz)
Zuschauer: 2750
Zeitstrafen: Melsungen vier (Danner, Schöngarth, Vasilakis, Allendorf), Wetzlar zwei (Schmidt, Müller)
verworfener Siebenmeter: Schmidt (Wetzlar) trifft die Latte (14.), Friedrich (Wetzlar) scheitert an Sandström (43.), Karipidis (Melsungen) scheitert an Weber (50.)

Gerhard Collinet