"Einrahmen und genießen"! HSG Wetzlar feiert Start-Ziel-Sieg über Kiel

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DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen bezwingen Rekordmeister in "Tollhaus" Rittal Arena mit 27:24 (15:10) - Torhüter Benjamin Buric überragt mit 20 Paraden - Traumeinstand für Kasper Kvist

Die DKB Handball-Bundesliga hat die nächste Überraschung: Die HSG Wetzlar schlug am heutigen Dienstag Rekordmeister THW Kiel mit 27:24. Die Hausherren zeigten eine herausragende Leistung, standen in der Deckung gut und konnten sich auf den überragenden Benjamin Buric im Tor verlassen. In der Offensive war zunächst Jannik Kohlbacher eine gesuchte Anspielstation, als sich die Defensive der Kieler darauf einstellte, nutzte Vladan Lipovina die Räume im Rückraum und wurde mit acht Treffern bester Werfer. Der nachverpflichtete Kasper Kvist erzielte vier Tore, auf die gleiche Anzahl kam Marko Vujin als bester Schütze des THW. Nach dem Auftakterfolg in Stuttgart die ersten Minuspunkte für die Kieler, die nun wie Wetzlar ein ausgeglichenes Punktekonto haben.

"Nur mit einer perfekten Mannschaftsleistung kann uns gegen dieses Weltklasse-Team eine Überraschung gelingen", hatte Wetzlars Coach Kai Wandschneider vor der Partie gegen den THW Kiel erklärt. Die Sensation gelang. "Kiel ist in drei Monaten sicherlich noch schwieriger zu bezwingen als jetzt. Zumal wir zu Hause spielen und uns unsere Fans ganz sicher zu einer Höchstleistung pushen werden", hatte der Trainer der HSG Hoffnungen geweckt, die sein Team wahr werden ließ. Der frühe Zeitpunkt nach der für Kiel schwierigen Vorbereitung und die längere Pause seit Freitag, während die Kieler erst am Sonntag in Stuttgart aktiv waren - eine Chance, die Wetzlar von der ersten Minute an ergriff. 

Die Wetzlarer begannen ohne jeden Respekt, gleich im ersten Angriff setzte Filip Mirkulovski den ersten Treffer und sorgte damit für die nötige Stimmung in der Halle. Auf der Gegenseite rückte früh Torhüter Benjamin Buric in den Mittelpunkt, der Nachfolger von Andreas Wolff erwischte einen Glanztat und entschied das Duell gegen den keineswegs enttäuschenden EM-Held mit gut vierzig Prozent abgewehrter Bälle deutlich für sich. Dank der guten Deckung, die aufmerksam verschob und immer wieder im richtigen Moment aggressiv heraustrat, um das Angriffsspiel der Kieler entscheidend zu stören, und den Paraden von Buric konnten Philipp Weber per Strafwurf und Jannik Kohlbacher vom Kreis auf 3:0 erhöhen. 

Die Kieler scheiterten mit einem Siebenmeter an Buric und auch eine erste Glanztat von Andreas Wolff und der erste Treffer von Lukas Nilsson änderten nichts am glänzenden Start der Wetzlarer. Diese antworteten erneut durch Kohlbacher und nach dem nächsten Kieler Treffer von Marko Vujin war dann Joao Ferraz mit dem 5:2 zur Stelle. Klesniks blockte den nächsten Versuch von Vujin, Buric war erneut zur Stelle und hinzu kamen zwei Kieler Fehlwürfe - der deutsche Rekordmeister stand auch in der zwölften Minuten noch bei lediglich zwei Torerfolgen. Die Wetzlarer konnten aus der guten Deckung in dieser Phase kein Kapital schlagen, sie blieben fast acht Minuten ohne Torerfolg. Rene Toft Hansen und Lukas Nilsson konnten den THW so auf 5:4 heranführen. 

Alfred Gislason hatte bereits seine Auszeit genommen, doch Wetzlar blieb tonangebend. Die Durststrecke beendete ausgerechnet Neuzugang Kasper Kvist, dessen Spielberechtigung noch am Vortag in Frage gestanden hatte. Mit insgesamt vier Treffern sollte der Däne dabei seine Klasse bereits in diesem ersten Einsatz unter Beweis stellen. Bis zum 7:6 hielt Kiel zunächst den Anschluss, dann fanden die Wetzlarer aber wieder Jannik Kohlbacher am Kreis, dessen Doppelschlag sorgte für das 9:6. 

Kiel geriet immer mehr unter Druck, daran änderte auch der Treffer von Nikola Bylik nichts. Wetzlar war bestens auf den Gegner vorbereitet, lediglich den Neuzugängen gelange ab und an Überraschungen. Wetzlar spielte sich unterdessen in einen Rausch, unter dem Jubel der Halle setzte Tobias Hahn den nächsten Treffer, Kasper Kvist war in Überzahl erfolgreich und nach einem weiteren vergebenen Siebenmeter der Gäste dann Philipp Weber in Überzahl - der Außenseiter hatte sich beim 12:7 auf fünf Tore abgesetzt und behauptete den Vorsprung bis zum 15:10-Pausenstand. 

Der zweite Abschnitt begann für den THW Kiel mit einem weiteren Rückschlag, Nikola Bylik verfehlte mit seinem Siebenmeter das gegnerische Tor. Patrick Wiencek konnte nach einem Ballgewinn in der Deckung dann im Gegenstoß zwar den ersten Treffer des zweiten Abschnitts setzen, doch die Torausbeute blieb weiterhin ein Problem für den Rekordmeister. Als Runde Dahmke und Marko Vujin in Überzahl ein Doppelschlag gelang und Domagoj Duvnjak den dritten Treffer in Serie zum 16:14 nachlegte, hofften die Kieler Fans auf Besserung - zumal mit Joao Ferraz ein Wetzlarer vom Parkett musste. Doch auf der Gegenseite ging auch Patrick Wiencek zu ungestüm zu Werke und so konnte Vladan Lipovina das wichtige 17:14 erzielen. 

Lipovina rückte im zweiten Abschnitt immer mehr in den Fokus. Die Kieler Deckung hatte das Wetzlarer Spiel mit dem Kreisläufer nun besser im Griff, die entstehenden Räume wusste der Rückraum der Hausherren aber zu nutzen - insbesondere Lipovina bereitete dem Favoriten Kopfzerbrechen. Auch das 19:16 und das 20:17 gingen auf das Konto des Linkshänders - Alfred Gislason griff zur Auszeit. Eine Viertelstunde vor dem Ende begann auch die Zeit ein Faktor zu werden. Zunächst aber feierte die Halle die nächste Glanztat von Buric und den Gegenstoß von Kasper Kvist. Buric war erneut zur Stelle, Lipovina legte das 22:17 nach - die Führung betrug erneut fünf Treffer, die Halle in Wetzlar stand Kopf. 

Der THW Kiel gab sich keineswegs geschlagen, Christian Zeitz setzte nun einen Treffer - doch die Wirkung ließen sich die Hausherren nicht anmerken. Die HSG strotzte vor Selbstvertrauen in ihren Aktionen, abzulesen beim nächsten Treffer von Lipovina, der dann auch noch das 24:18 von Kvist auflegte. Zehn Minuten vor dem Ende war der Sieg zum Greifen nahe, Alfred Gislason versuchte mit einem zusätzlichen Feldspieler neue Impulse zu setzen. Doch Wetzlar hielt Kurs und hatte weiterhin Antworten parat: Raul Santos und Patrick Wiencek brachten die Kieler zwar auf vier Tore heran und nach einem Überzahltreffer von Christian Zeitz war der Abstand beim 25:22 sogar auf zwei Tore geschrumpft, doch Lipovina und Buric hielten die Hausherren auf Kurs. Spätestens mit der neuerlichen Vier-Tore-Führung durch Kohlbacher war mit dem Beginn der letzten Minute die Entscheidung gefallen, Raul Santos markierte auf der Gegenseite noch den 27:24-Endstand - den Wetzlarer Jubel störte dies aber nicht.

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Buric, Nikolai Weber (n.e.) – Kneer, Lipovina (8), Björnsen, Ferraz (1), Mirkulovski (1), Philipp Weber (4/2), Hahn (4), Berggren, Kvist (4), Klesniks, Lindskog, Kohlbacher (5). 

THW Kiel: Wolff, Landin (46.-53. und bei einem Siebenmeter) – Toft Hansen (1), Lackovic, Weinhold (1), Ekberg (3), Zeitz (2), Dahmke (2), Vujin (4), Bilyk (2), Nilsson (2), Santos (2), Duvnjak (3), Wiencek (2), Brozovic (n.e.). 

Schiedsrichter: Brodbeck/Reich (Metzingen) – Zuschauer: 4311 – Zeitstrafen: Wetzlar fünf (Ferraz zwei, Klesniks zwei, Lindskog), Kiel drei (Toft Hansen, Wiencek zwei) – verworfene Siebenmeter: Ekberg (Kiel) scheitert an Buric (4.), Vujin (Kiel) scheitert an Buric (26.), Bilyk (Kiel) trifft die Latte (31.), Philipp Weber (Wetzlar) scheitert an Landin (35.).

Quelle: www.handball-world.com