Erneut großer Kampf gegen ein Spitzenteam der Liga!

DKB Handball-Bundesliga

Grün-Weiße verlieren knapp mit 25:27 gegen die Füchse Berlin

Revanche geglückt, so die einhellige und einstimmige Meinung der beteiligten Berliner Protagonisten nach dem 27:25 (13:13) Erfolg der Füchse am Dienstagabend bei der HSG Wetzlar. Dabei hätten die Gastgeber gegen Ende der Partie, mit etwas mehr Fortune und Durchschlagskraft im Angriff durchaus ein Pünktchen holen können. 

Die Berliner erwischten den besseren Start, führten nach vier Spielminuten mit 3:1, doch in der Folge stabilisierte sich die Wetzlarer Deckung, hinter der „Bobby“ Marinovic einen starken Rückhalt darstellte. Im Angriff zeigten sich die Wetzlarer zudem immer wieder konzentriert und geduldig, konnten so schöne Kombinationen erfolgreich zum Abschluss bringen. Auf Füchse Seite hingegen mühten sich die starken Individualisten ein ums andere Mal gegen der beweglichen Deckungsreihe der HSG. Sowohl Igropulu, als auch Christophersen scheiterten des Öfteren am Block oder Marinovic. Auch der ansonsten so spielfreudige Jaszka fand kein Mittel, den Abwehrriegel der Grün-Weißen zu knacken. Nicht nur deswegen hätte die HSG die Chance gehabt schon früh einen deutlicheren Vorsprung herauszuspielen. Doch Pech und der ein oder andere schlecht vorbereitete Wurf hielt die Gäste im Spiel. 

Besonders die Umstellung von Füchse Coach Dagur Sigurdsson auf zwei Kreisspieler und die damit verbundene Hereinnahme von Borge Lund belebte das Spiel der Hauptstädter. Die Folge waren die Zwischenstände zum 6:6 (14.) und 7:7 (16.), woran Lund maßgeblichen Anteil hatte. Doch Wetzlar ließ sich davon nicht beeindrucken und setzte weiter nach. Besonders das schnelle Umschalten in der ersten und zweiten Welle sowie dem Anwurf bescherte den Gastgebern beim 12:10 (23.) erneut eine Zwei Tore Führung. Ihrem starken Keeper Petr Stochl hatten es die Berliner nun zu verdanken, dass sie weiter auf Tuchfühlung blieben. Mit einigen starken Reflexen sorgte der Tscheche für Ballgewinne, welche Christophersen und Sellin im Konter nutzten. Besonders das Zusammenspiel zwischen Romero und dem körperlich starken Pevnov am Kreis machte der HSG in dieser Phase zu schaffen, sorgte für viel Unruhe im Deckungsblock der Hausherren. Beim 12:12 (29.) hatten die Berliner dann erstmals seit der sechsten Minute erneut die Chance zur Führung, doch der eingewechselte Nikolai Weber hielt mit einem Klassereflex den Strafwurf von Igropulu. Mit einem Unterlattenknaller sorgte Harmandic 16 Sekunden vor der Pause erneut für die Führung, doch Romero aus der schnellen Mitte heraus egalisierte zum 13:13 Pausenstand. 

Die Unterzahl zu Wiederbeginn der Partie überstanden die Grün-Weißen dann noch sehr gut, aber in der Folge kamen die Füchse immer besser ins Spiel. In der 36. Minute war es dann der Ec-Wetzlarer Christophersen, der seine Farben erstmals seit der fünften Minute beim 16:15 wieder in Führung brachte. Mit viel Ruhe und flüssigem Angriffspiel bestimmten die Berliner nun bis zur 50. Spielminute das Geschehen und erhöhten ihren Vorsprung kontinuierlich auf 23:19 (50.) durch Igropulu. Dem sehr gut aufgelegten Bobby Marinovic im Wetzlarer Gehäuse war es zu verdanken, dass der Rückstand der Hausherren zu diesem Zeitpunkt nicht noch höher Ausfiel. Kai Wandschneider reagierte und setzte nun alles auf eine Karte. 

Mit einer aggressiven und sehr offenen 3:3 Verteidigung schafften die Wetzlarer zwar nun einige Ballgewinne, doch diese konnten nicht zu 100 Prozent verwertet werden, so dass der Abstand zu den Gästen nie kleiner als zwei Treffer betrug. Wetzlar verkürzte durch Fridgeirsson und Fäth per Strafwurf noch einmal auf 23:25 (58.). Besonders die Cleverness und internationale Erfahrung der Füchse und ein erneut exzellentes Zusammenspiel mit Kreis und den Einläufern sorgten immer wieder dafür, dass Berlin den Vorsprung halten konnte. Exakt eine Minute vor dem Ende parierte Marinovic beim Stand von 23:25 erneut, doch waren all seine Feldspieler bereits enteilt und sein Pass fand nicht den Weg zum eigenen Spieler, sondern wurde von Igropulu abgefangen. Die Füchse mit einer letzten Auszeit und absoluter taktischer Disziplin spielten den Vorsprung nun herunter und kamen letztlich zu einem glücklichen, aber verdienten 27:25 Erfolg.

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber - K. Schmidt (2), Fridgeirsson (2), Valo (2), Philipp Müller (4), Reichmann (2), Fäth (4/3), Michael Müller (4), Hahn, Harmandic (2), Mraz (3), Rompf.

Füchse Berlin: Heinevetter, Stochl; Jaszka (2), Igropulo (9/6), Christophersen (2), Sellin (2), Pevnov (2), Nincevic (2), Lund (3), Laen (1), Löffler (3), Spoljaric, Bult, Romero (1).

Zeitstrafen: 6:6 Minuten: HSG (Mraz, P. Müller) – Füchse Berlin (Laen, Sellin, Christophersen)  – Strafwürfe: 4:3/8:6 -Schiedsrichter: Fleisch/Rieber (TV Nellingen)– Zuschauer:  4234.

 

Kai Wandschneider: "Der Sieg geht aufgrund der zweiten Halbzeit in Ordnung. Wir hatten zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Schwächephase und waren im Angriff dort einfach nicht gefährlich und durchschlagkräftig genug. In der Deckung haben uns da ein paar Prozentpunkte gefehlt, die Beine waren einfach nicht mehr schnell genug, so dass wir die gute Leistung der ersten Halbzeit nicht wiederholen konnten. Zwar haben wir auch dort schon versäumt etwas deutlicher davonzuziehen, aber da hat Berlin, im Gegensatz zu Halbzeit zwei unsere Fehler noch nicht so konsequent bestraft. Es ist insofern schade, als dass wir wieder mit einigen personellen Unwegsamkeiten zu kämpfen hatten. Steffen Fäth hat acht Tage nicht trainiert, Tobi Reichmann musste gestern das Training abbrechen und Kevin kam krank vom Nationalmannschaftslehrgang zurück, hat sich gegen Ende sogar selber ausgewechselt. Hinzu kommt, dass wir durch den Ausfall von Jens Tiedtke, erneut ohne Kreisläufer spielen mussten, auch wenn Loisi dies erneut sehr gut kompensiert hat. Die Umstellung auf 3:3 hat dann zwar noch ein paar Ballgewinne gebracht, aber wenn du die gegen Berlin nicht zu 100 Prozent verwertest, dann wird es eben sehr schwer. Jetzt werde ich gezwungener Maßen einigen Spielern ein paar Tage frei geben müssen, damit wir diese ab Montag wieder einigermaßen Fit im Training haben. Wenn wir in Essen gewinnen wollen, dann brauche ich dort die komplette Mannschaft und zwar fit."

Alois Mraz: "Wir haben, so glaube ich, ein ganz gutes Spiel abgeliefert und gegen Berlin gar nicht so schlecht gespielt. Wir haben bis zum Schluss gekämpft und nie aufgegeben. Am Ende denke ich lag es an der Chancenverwertung, wir haben ein paar gute Möglichkeiten zu viel liegen lassen, denn auch Stochl hat sehr gut gehalten. Unsere eigene Deckung und Torhüter sind bei 27 Toren gegen Berlin sicher ganz OK."

Sven Sören Christophersen: "In der ersten Halbzeit haben wir noch zu viele Konter der HSG zugelassen und waren im Angriff selbst einfach etwas zu statisch. In der zweiten Halbzeit haben wir besonders den Rückzug verbessert und zudem im Angriff stets die Ruhe bewahrt. Für uns war es, neben den taktischen Dingen, sehr wichtig, hier in dieser Atmosphäre und bei einem Rückstand nie den roten Faden zu verlieren, das ist uns, so denke ich, im zweiten Durchgang sehr gut gelungen. Schlussendlich bin ich sehr erleichtert und zufrieden über den Sieg, denn wir wussten alle, wie schwer der Gang nach Wetzlar wird. Zum einen hatten wir im Hinspiel schon die Erfahrung gemacht, andererseits spielt die HSG eine sehr gute Runde und wenn man so kurz vor dem Ende der Saison auf diesem Tabellenplatz mit diesem Kontostand rangiert, dann ist das kein Strohfeuer mehr, sondern Ergebnis von guter und harter Arbeit. Auch wenn wir am Ende glücklich über die geschaffte Revanche sind, die Hinspielniederlage stand weniger im Fokus der Vorbereitung, als die taktischen Auslösehandlungen und diese haben am Ende auch geklappt."

Evgeni Pevnov: "Ich bin wahnsinnig erleichtert, das war ein knallhartes Spiel hier. Zudem bin ich mit meiner Leistung nicht ganz so zufrieden, weil ich einfach viele Chancen vergeben habe. Zum Glück ist es mir aber gelungen ein paar Strafwürfe herauszuholen, so dass sich das etwas ausgleicht. Es waren heute ganz wichtige Punkte im Kampf um die Champions League Qualifikation. Wir müssen auf Ausrutscher der Flensburger warten und hoffen, können es aus eigener Kraft nicht schaffen. Wir dürfen uns selber keine Ausrutscher erlauben. Das wird ganz schwer, schließlich kommt jetzt Magdeburg und dann müssen wir nach Hamburg. Mit einer möglichen 3:3 Deckung haben wir uns so intensiv gar nicht befasst, wir haben da aus der Intuition heraus in Zusammenarbeit mit dem Kreis gespielt, das hatten wir vorher so nicht explizit besprochen. Schließlich hatten wir auch ein bissel Glück, dass dies so geklappt hat und wir einen größeren Vorsprung hatten, so kam es nicht mehr zum Remis."

Dagur Sigurdsson: "Wir wussten um das hitzige Hinspiel und hatten somit die Vorgabe hier Ruhe zu bewahren. Wir haben in dieser Hinsicht Charakter gezeigt und das Spiel ohne emotionale Auseinandersetzung bestanden. Besonders in der zweiten Halbzeit haben wir uns den Sieg hier erarbeitet."