Erste Heimniederlage für die HSG Wetzlar!

DKB Handball-Bundesliga

Grün-Weißen unterliegen mit 27:31 dem TSV Hannover-Burgdorf - Morten Olsen überragender Mann auf dem Parkett.

So still war es Minuten vor dem Abpfiff in der Rittal Arena noch nie in dieser Saison. Doch was man als Enttäuschung werten könnte, war am gestrigen Abend Ausdruck des Respekts vor dem Gegner. Denn bei der 27:31 (14:12)-Niederlage der HSG Wetzlar gegen den TSV Hannover-Burgdorf gab es – zumindest nach dem Verlauf der zweiten Hälfte – keinen Zweifel daran, wer der verdiente Sieger der Begegnung war. Das sahen nicht nur die 3686 Zuschauer in der Heimspielstätte der Grün-Weißen so, sondern auch die Verantwortlichen der Lahnstädter, obwohl Gäste-Trainer Christopher Nordmeyer von einem „glücklichen Sieg“ gesprochen hatte.

„Ich gratuliere Christopher Nordmeyer zum Sieg, stimme mit ihm aber nicht überein, dass Hannover heute der glücklichere Sieger war. Für mich haben sie das Spiel heute absolut verdient gewonnen“, lobte HSG-Trainer Kai Wandschneider nach der ersten Heimpleite der Saison die Niedersachsen, die vor allem in Abschnitt zwei einen taktisch hervorragend Auftritt ablegten.

Von Beginn an zeichnete sich ab, dass die HSG Wetzlar an diesem Abend um jedes Tor hart würde kämpfen müssen. Die aggressive 6:0-Deckung des TSV bereitete den Hausherren im Positionsangriff ein ums andere Mal große Schwierigkeiten. So war es nicht verwunderlich, dass von den ersten neun Toren der HSG nur zwei aus dem Rückraum erzielt wurden. Allen voran Kevin Schmidt war es in der Anfangsphase zu verdanken, dass die Domstädter eine 7:4-Führung (13.) herausarbeiten konnte. Ob von außen, im Gegenstoß oder vom Siebenmeterpunkt: Schmidt traf in Halbzeit eins nach Belieben und entlastete damit die stockende Rückraummaschinerie der Grün-Weißen.

„Im Gegensatz zu den letzten Spielen haben wir es heute verstanden, während der Partie zu lernen und Dinge umzusetzen“, lobte Gäste-Coach Nordmeyer seine Truppe und begründete darin die Aufholjagd seiner Mannschaft, die nach 26 Minuten plötzlich mit 10:9 in Front gegangen war. Angeleitet vom überragend aufspielenden Mittelmann und Kopf der Mannschaft, Morten Olsen, durchbrachen die Gäste nun immer häufiger den Wetzlarer Abwehrverbund. Umgekehrt schafften es die Müller, Fäth und Co. immer weniger, die Defensive des TSV, die mit Mait Patrail und Juan Andreu Candau einen physisch äußerst präsenten Mittelblock aufboten, in Bedrängnis zu bringen, da sich die HSG-Akteure „zu oft haben festmachen lassen“, wie Wandschneider befand.

Trotz der Zwei-Tore-Führung zur Halbzeit fanden die Wandschneider-Schützlinge auch in Halbzeit zwei keine Sicherheit in ihrem Angriffsspiel und mussten  ab der 35. Minute konstant einem Rückstand hinterher laufen. Auch die frühzeitige Umstellung auf das mittlerweile berühmt berüchtigte 3:3-Abwehrsystem (36.) half der HSG nicht, den Rückstand wett zu machen. Immer wieder war es Mittelmann Morten Olsen, der die Defensive mit klugen Pässen und schnellen Antritten regelrecht zerlegte. Getreu nach dem Motto „nicht hoffen, ändern!“, stellte Wandschneider auf ein 5:1-System mit Manndeckung gegen Olsen um (47.), doch auch gegen diese taktische Variante hatten die Gäste die passenden Lösungen parat, sodass am Ende ein verdienter Sieg der Norddeutschen zu Buche stand, der ausgiebig gefeiert wurde. Und so waren es am Ende die „falschen“ grün-weißen Fans, die in der Rittal Arena den doppelten Punktgewinn bejubelten.

HSG Wetzlar: Weber, Marinovic; Schmidt (6/4); Rompf, Philipp Müller (3), Fäth (7), Mraz (2), Harmandic, Fridgeirsson (1), Michael Müller (4), Valo (1), Reichmann (1), Tiedtke (1), Kristjansson (1).

TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer, Puljezevic; Johannsen (5), Andreu (1), Mocsai (1), Patrail (5), Jurdzs (2), Fauteck, Buschmann (3), Hykkerud, Lehnhoff (2), Rydergaard, Olsen (12/4), Pollex.

 

Stimmen zum Spiel:

Nikolai Weber: „Wir haben über die gesamten 60 Minuten überhaupt nicht zu unserem Spiel gefunden. Heute hat es an vielen Ecken gefehlt, ob Abläufe oder Körpersprache. Anstatt nach der Halbzeit mit drei Toren in Führung zu gehen, lagen wir plötzlich zurück, weil wir in der Abwehr viel zu passiv waren. Heute war kein Spieler bei uns in Topform. Auf der anderen Seite muss man Burgdorf ein Kompliment machen: Sie haben das clever gemacht und waren auch auf die 3:3-Abwehr bestens eingestellt. Für uns gilt es jetzt nach vorne zu gucken und schon im nächsten Spiel besser aufzutreten.“

Michael Müller: „Vom ersten Angriff weg hat uns heute das Feuer gefehlt – ob im Angriff oder in der Abwehr. Wir waren viel zu harmlos und haben eindeutig zu viele technische Fehler gemacht, zu viele Bälle zu schnell verloren. Eigentlich darf das nicht passieren, wenn man vier, fünf Mal mit zwei Toren in Front liegt. Gegen unsere Deckungsvarianten hat der TSV mit drei schnellen Spielern hervorragend agiert, aber wir müssen die Fehler bei uns suchen. „