Europameister Steffen Fäth: „Einfach nur gigantisch!“

DKB Handball-Bundesliga

Der Kapitän der HSG Wetzlar im Interview über den Titelgewinn und seine persönliche Entwicklung bei der HSG Wetzlar

Zunächst einmal ganz herzlichen Glückwunsch zu diesem grandiosen Gewinn der Europameisterschaft. Kannst Du die vielen Gratulanten überhaupt noch zählen?

Steffen Fäth: „Gefühlt waren es tausende Gratulationen, die mich auf allen Wegen erreicht haben. Egal ob über WhatsApp, über Facebook oder persönlich! Es ist schön zu sehen, dass so viele Leute mitgefiebert und an mich gedacht haben. Insbesondere hat es mich auch gefreut von vielen zu hören, mit denen man lange keinen Kontakt hatte.“

Das ist mit Sicherheit ein tolles Gefühl! Wie war für Dich der Empfang in Berlin und hier im FORUM Wetzlar?

Steffen Fäth: „Einfach nur gigantisch. Es war einfach nur geil, wie begeistert die Menschen von uns und dem Handball im Allgemeinen sind. Ich bin sehr dankbar, dass ich sowas wie in Berlin oder hier in Wetzlar miterleben durfte.“

Aber lass uns noch einmal ein Blick zurück werfen! Wie sah bei Euch der Tagesablauf in Polen aus?

Steffen Fäth: „Er war jeden Tag sehr ähnlich. Wir hatten bis etwa 10 Uhr Zeit zu frühstücken, dann etwas Freizeit und danach ging es zum Mittagessen. An spielfreien Tagen stand nachmittags dann eine Einheit Video und abends Training auf dem Programm. Oft hatten wir nach dem Mittagessen aber auch einen Medientreff, wo verschiedene Termine mit Journalisten anstanden.“

Viele waren etwas überrascht, dass Du auf Rückraum Mitte zum Einsatz kamst. Wie war das für Dich?

Steffen Fäth: „Für mich war das absolut in Ordnung. Ich habe in der Zeit, in der ich mit Ivano Balic hier in Wetzlar zusammengespielt habe, viel dazu gelernt ein Spiel zu lesen. Auch habe ich verstanden, dass es nicht immer wichtig ist, selbst die Tore zu erzielen, sondern auch meine Mitspieler in Szene zu setzen.“

Wie war das denn früher?

Steffen Fäth: „Früher hatte ich nach einem Spiel mit wenigen selbst geworfenen Toren immer das Gefühl, dass ich kein gutes Spiel gemacht habe. Heute weiß ich, dass das nicht ausschlaggebend dafür ist, ob man gut oder schlecht spielt.“

Insbesondere die Kreisläufer haben sehr von Deinen tollen Anspielen an den Kreis profitiert. Dein Rückhand-Anspiel an Jannik ging ja in den sozialen Netzwerken um die Welt – wie hast Du das gesehen?

Steffen Fäth: „Das war tatsächlich ganz schön. Mit Jannik habe ich einfach super harmoniert, weil wir nun schon ein gutes halbes Jahr zusammen spielen. Auch er hat eine starke Leistung abgeliefert. In so einem jungen Alter schon solch einen Körper zu haben – Respekt! Und das Tolle an ihm ist: Wenn er einmal den Ball hat, dann ist er entweder drin oder es gibt Siebenmeter!“

Kannst Du Dich denn an Dein schönstes Tor erinnern?

Steffen Fäth: „Puh..! Ich bin nicht wirklich dafür bekannt schöne Tore zu erzielen. Aber natürlich sind Tore wie zum Beispiel das Tor per direkten Freiwurf  gegen Göppingen, welches zum Sieg geführt hat, toll! Aber auch hier hat sich meine Einstellung geändert. Ich freue mich nun mehr über tolle Spielzüge, die dann zum Torerfolg führen.“

Du wirst ja oft als ruhiger und sensibler Typ beschrieben. War es für dich dennoch klar, dass du auch auf dem Feld als Führungsspieler agieren willst?

Steffen Fäth: „Vor meiner Wetzlarer Zeit, habe ich gerne die Führung übernommen, wenn ich auf dem Feld stand – das war damals leider nicht so oft. Als ich dann nach den schweren Zeiten dann nach Wetzlar gekommen bin, wollte ich mich erstmal auf meine eigene Leistung konzentrieren. Nach Startschwierigkeiten hat das dann auch geklappt. Ich glaube nicht, dass man sich für oder gegen die Rolle als Führungsspieler entscheiden kann. Wenn man konstante Leistungen bringt, übernimmt man automatisch immer mehr Verantwortung auf dem Feld.“

Also bist Du quasi so nebenher Kapitän geworden?

Steffen Fäth: „Jein! Wie gesagt, auch ich habe meine Zeit und auch Vertrauen gebraucht, um mich so entwickeln zu können und damit in die Rolle eines Führungsspielers reinzuwachsen.“

Und neben dem Spielfeld?

Steffen Fäth: „Neben dem Spielfeld ist das für mich eigentlich keine große Aufgabe! All das, was ich mache, würde ich von meinem Typ her sowieso machen. Ich unterstütze gerne meine Mitspieler, wo ich kann – egal ob als Kapitän oder nur als Mitspieler!“

Du hast eben von schweren Zeiten  gesprochen. Was genau meintest Du damit?

Steffen Fäth: „Als ich 2010 zur HSG Wetzlar gewechselt bin, hatte ich zwei schwere Jahre bei den Rhein-Neckar Löwen und dem VfL Gummersbach hinter mir. Der Durchbruch in der ersten Liga gelang mir dort nicht wirklich. Nach einem Jahr in Gummersbach bin ich dann wieder zurück zu meinen Eltern nach Frankfurt gezogen.“

Quasi als Du zur HSG Wetzlar gewechselt bist?

Steffen Fäth: „Genau, ich bin die ersten eineinhalb Jahre von Frankfurt nach Wetzlar gependelt. Irgendwann war mir das dann aber zu viel Fahrerei. Außerdem kann man sich einfach viel besser auf dem Handball konzentrieren, wenn man vor Ort wohnt.“

Aber auch hier lief es anfangs nicht so gut für Dich?

Steffen Fäth: Ja, insgesamt habe ich in Wetzlar unter drei verschiedenen Trainern gespielt. Michael Roth, über den auch der Kontakt zur HSG Wetzlar zur Stande kam, war nach nur wenigen Spielen kein Trainer mehr. Bei Gennadij Chalepo merkte man, dass er eine andere Handballschule als die deutsche durchlaufen hatte.“

Und dann kam Kai Wandschneider?

Steffen Fäth: „Richtig, Kai war und ist der perfekte Trainer für mich. Er legt sehr viel Wert auf das Zwischenmenschliche und bringt gleichzeitig eine hohe Erfahrung im taktischen Bereich mit. Außerdem schenkt er seinen Spielern sehr viel Vertrauen – für mich damals genau das richtige! Mein Ziel war es immer Bundesliga zu spielen und ich wusste, dass ich das hier in Wetzlar schaffen werde. Das Umfeld hier ist unglaublich toll!“

Was hattest Du denn für ein Bild als Du damals zur HSG gewechselt bist?

Steffen Fäth: „Um ehrlich zu sein, war die HSG Wetzlar damals schon eher als graue Maus verschrien. Hinzu kamen finanzielle Schwierigkeiten. Als Björn Seipp und Martin Bender dann aber das Ruder übernommen haben, ging es deutlich bergauf! Der Club hat sich auf allen Ebenen extrem entwickelt. Dazu hat der ein oder andere Weltstar, wie Ivano Balic oder auch José Hombrados, die HSG Wetzlar noch mehr ins Rampenlicht gerückt. Aber auch durch die konstanten Leistungen in den letzten Jahren ist die Wahrnehmung überall sehr viel positiver geworden.“

Leider heißt es nach der Saison jedoch „Adieu Wetzlar“. Was ist das für ein Gefühl nur noch sieben Heimspiele in der Rittal Arena zu absolvieren?

Steffen Fäth: „Das ist natürlich nicht leicht für mich, denn ich habe der HSG Wetzlar sehr viel zu verdanken! Deshalb freue ich mich umso mehr auf die sieben verbleibenden  Spiele in der Rittal Arena mit unseren tollen Fans. Das ist einfach Wahnsinn, was hier los ist! Den Rest der Saison werde ich einfach nur genießen und dann komme ich zumindest einmal in der Saison in die grün-weiße Festung zurück!“