Fäth muss auf seine Chance warten

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21-jähriger Rückraumspieler sitzt gegen Göppingen 60 Minuten auf der Bank Chalepo: »Wenig Spielraum«

Er saß und saß und saß. Beim 3:7 nach 13 Minuten, beim 8:11 nach 23 Minuten und auch nach dem 17:20 nach 40 Minuten. Steffen Fäth, vor eineinhalb Jahren als Junioren-Weltmeister 2009 zur HSG Wetzlar gewechselt, musste am Mittwochabend beim Heim-26:25 (13:14) der Mittelhessen gegen Frisch Auf Göppingen untätig bis zur letzten Minute auf der Bank Platz nehmen. Ein hartes Schicksal, welches den talentierten 21-jährigen Rückraumspieler in den vergangenen eineinhalb Spielzeiten zwar schon oft ereilte, was an diesem Mittwoch vor gefühlt weit weniger als den offiziell 3200 Zuschauern aber besonders verwunderlich war.

 

Denn es war ja nicht so, dass die Wetzlarer bei der Rundenfortsetzung gegen die Schwaben eine kritikfreie Leistung zeigten. Im Gegenteil. In Abwehr wie Angriff musste über zwei Drittel der Distanz permanent nachgebessert werden. So wechselten sich zwischen den Pfosten Nikolai Weber und Nikola Marinovic solange ab, bis Nikolai Weber Zugang zum Spiel gefunden hatte; und so löste Adnan Harmandic frühzeitig Timo Salzer auf der Rückraummitte ab, weil der das Wetzlarer Spiel weder schnell noch tief gemacht hatte. Auch die Maßnahme, Alois Mraz für Philipp Müller auf Halblinks zu beordern, machte Sinn, da zu oft quer anstatt steil agiert worden war.

»Wir haben in der ersten Halbzeit lange zu sehr quer gespielt«, erklärte Trainer Ghennadij Chalepo diese Personalie, »Alois sollte in die Tiefe gehen und hat das gut gemacht«, sah der HSG-Coach hernach keinen Grund mehr, auf der linken Angriffsseite noch einmal etwas zu verändern. Selbst nach dem 18:21 in der 43. Minute nicht, obwohl damit belegt war, dass die vielen Änderungen auch weiterhin keine Zinsen abgeworfen hatten. »Es war immer eng«, hatte Ghennadij Chalepo einen anderen Blick auf den Spielverlauf und die Zwischenstände (10:11, 25./17:18 (38.), »ich habe deshalb wenig Spielraum gesehen, einen unerfahrenen Mann zu bringen.«

Ein Einsatz des 1,95 m großen, wurftechnisch versierten Rückraumspielers stellte für Chalepo demnach ein zu großes Risiko dar, obwohl der Trainer den aktuellen B-Nationalspieler zuletzt noch für seine gute Vorbereitung gelobt und die Hoffnung geäußert hatte, dass er seine Trainingsleistungen endlich auch auf dem Parkett umsetzen könne. Gelegenheit dazu bekam Steffen Fäth, in den Augen von Aufsichtsratssprecher Manfred Thielmann einer der Perspektivspieler, am Mittwoch wieder nicht. Dass beim 26:25 letztlich gewonnene Punktepaar übertünchte diese Problematik aber ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Wetzlarer Spielkultur nach Modernisierung lechzt.

Der Betroffene selbst, der auf der Bank unvermindert bei fast jedem Wetzlarer Treffer die Faust ballte und nach dem Schlusspfiff all seine Mitspieler herzte, wollte aus der neuerlichen Nichtberücksichtigung keine Staatsaffäre machen: »Am Ende zählt allein das Ergebnis. Ich denke, ich werde meine Chance noch bekommen.« Dass dies diesmal (noch) nicht der Fall war, hatte weder gesundheitliche noch verletzungsbedingte Gründe. »Ich bin fit und beschwerdefrei«, hat Fäth, der zu Beginn seiner Zeit in Wetzlar über Monate hinweg Verletzungsprobleme hatte, derzeit noch nicht einmal einen Schnupfen. Ein wenig verschnupft dürfte er aber schon sein.

(ra)