Fäth trifft von der Mittellinie

created by webmaster@hsg-wetzlar.de (Wolfgang Fischer)

HSG Wetzlar gewinnt mit 24:23 (10:13) bei Eintracht Hildesheim

So richtig verdient war es nicht. Aber nachdem Steffen Fäth mit aller Wucht und einer gehörigen Portion Wut im Bauch zwei Sekunden vor Schluss von der Mittellinie abzog und der Ball unten rechts einschlug, kannte der Jubel bei Handball-Bundesligist HSG Wetzlar keine Grenzen mehr. Der "goldene Schuss" des jungen Rückraumspielers bescherte den Grün-Weißen gestern Abend einen überaus schmeichelhaften 24:23 (10:13)-Erfolg bei Eintracht Hildesheim.

 

Dementsprechend erleichtert war der Matchwinner nach dem Tor des Tages. "Ich habe auf die Uhr geguckt, ,Bobby Marinovic hat mir den Ball zugeworfen. Ich habe einfach draufgehalten und er war drin. Ein tolles Gefühl", sagte Fäth - umringt von Gratulanten.

Begonnen hatten die Wetzlarer ordentlich, so dass es nach einem Siebenmetertor von Lars Friedrich 3:1 für die Gäste hieß (6.). Was dann folgte, war ein 20-minütiger sportlicher Offenbarungseid. Emotionslos, fast schon arrogant trotteten die HSG-Spieler im Angriff vor der Hildesheimer 6:0-Defensive hin und her.

In der 22. Minute liegt das Team von Trainer Chalepo mit 5:11 zurück

Mit ihrem aufreizend lässigen Stil riefen Adnan Harmandic, Daniel Valo und Philipp Müller den angeschlagenen Gegner auf den Plan. Während sich die Mannen von Trainer Gennadij Chalepo ("Wir waren zu Beginn viel zu statisch") einen haarsträubenden Abspielfehler nach dem anderen leisteten, zeigte der Aufsteiger plötzlich seine Zähne und ging angetrieben vom Publikum nach einem 6:0-Lauf mit 7:3 (13.) in Führung. Angeführt vom Ex-Melsunger Vladica Stojanovic nutzten die Gastgeber auch in der Folge jede kleine Schwäche der Grün-Weißen gnadenlos aus. Erst als Chalepo den umsichtigen Timo Salzer, den agilen Lars Friedrich sowie den wurfgewaltigen Steffen Fäth aufs Feld schickte, besserte sich ein wenig an der vertrackten Situation. Aus einem bedrohlich wirkenden 5:11-Rückstand (22.) wurde bis zur 28. Minute ein 10:11.

Doch erneut fielen die Gäste in ihr altes Schema. Einen Tag nach Nikolaus schien wohl nur Knecht Rupprecht die Truppe um Kapitän Nikolai Weber wachrütteln zu können. Im Angriff zwar mit mehr Bewegung unterwegs, wirkten die HSG-Spieler in der Abwehr weiter wie Slalomstangen für die Mannschaft von Trainer Volker Mudrow. Und immer dann, wenn die 1763 Zuschauer in der Sparkassen-Arena das Gefühl bekamen, es könnte eng werden für die leidgeprüfte Eintracht (15:14, 16:15), schlich sich der Schlendrian bei Wetzlar ein. So schnupperte der Aufsteiger lange an einem Happyend.

Das Glück der Grün-Weißen war, dass sich die Vorahnung von Mudrow ("Wir haben in entscheidenden Situationen zu wenig Qualität im Kader") in der Schlussphase bewahrheitete. Während die Hildesheimer kaum noch zu klaren Würfen kamen, besann sich die HSG - mit einem nervenstarken Lars Friedrich an der Spitze - spät, aber nicht zu spät auf ihre Qualitäten. Timo Salzers 23:21 nach 58 Minuten und 14 Sekunden hätte trotzdem beinahe nicht ausgereicht, um zwei Punkte für die Heimreise im Gepäck zu verstauen. Michael Hoffmann und Nicolas Ivakno schlugen in einer super spannenden letzten Minute noch einmal zurück.

Zum schmeichelhaften Erfolg der Wetzlarer bedurfte es schlussendlich der Energieleistung von Steffen Fäth, der den Tabellenletzten ins Tal der Tränen schickte und die eigene Truppe zu Jubelstürmen animierte. Zwei Punkte und der Wahnsinnswurf als Wiedergutmachung für "dünne" 60 Minuten in Niedersachsen - verdient war das Ergebnis nicht. Aber enorm wichtig.

Hildesheim: Klockmann, Schulz (bei zwei Siebenmetern) - Tzimourtos (3), Nikolov (n.e.), Slundt (2), Hoffmann (3), Hribar (3), Quist (4), Jahns (2/1), Coßbau, Weißbach (n.e.), Stojanovic (4), Ivakno (2), von Hermanni

Wetzlar: Weber, Marinovic (ab 42.) - Schmidt (3), Rompf, Salzer (2), Valo, Jungwirth, Mraz, Müller (2), Fäth (3), Hahn (2), Harmandic (1), Friedrich (10/7), Kristjansson (1)

Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen)
Zuschauer: 1763
Zeitstrafen: Hildesheim vier (Hribar drei, rote Karte 57.; Ivakno), Wetzlar eine (Friedrich)

Volkmar Schäfer