Fanklub-Protest sorgt für bessere Arbeit

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Gastgeber mit optimierter Einstellung Zehn-Minuten-Demonstration der Anhänger Norddeutsche ohne Ahlm und Andersson

»Ein Gespräch unter echten Kerlen«, hatte HSG-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Thielmann am Sonntag mit seinem Personal geführt. Die gewünschte Reaktion – nämlich ein passables Spiel gegen die Übermannschaft THW Kiel – blieb nicht aus. In der ausverkauften Rittal-Arena setzten sich die Norddeutschen zwar mit 28:24 (13:11) bei der HSG Wetzlar durch, doch die Gastgeber wussten sich insgesamt ordentlich in Szene zu setzen und betrieben somit ein wenig Wiedergutmachung für die schwachen Spiele zuletzt. Das sah auch Trainer Gennadij Chalepo so: »Wir sind froh, dass wir uns ordentlich verkauft haben. Mit der Leistung in der Abwehr war ich zufrieden. Das war im Verbund mit Nikolai Weber im Tor doch schon recht gut.«

 

Für die Mittelhessen lief vor allem die erste Halbzeit recht ordentlich. Nachdem sich die Kieler durch einen strammen Wurf von Daniel Narcisse auf 3:0 (7.) abgesetzt hatten, war schon das Schlimmste zu befürchten. Doch mit dem Einmarsch des HSG-Fan-Klubs »Grün-Weiß«, der aus Protest für die zuletzt schwachen Darbietungen der Mannschaft die ersten zehn Minuten »schwänzte«, wurde nicht nur die Stimmung in der Arena, sondern auch das Spiel der Wetzlarer deutlich besser.
Philipp Müller traf von Halblinks zum 3:4 (10.) – die Partie war wieder offen. Als der Isländer Kari Kristjansson am Kreis eine geschickte Drehung hinlegte und zum 6:5 (14.) für die HSG einwarf, sah sich THW-Trainer Alfred Gislasson sogar sehr früh gezwungen, eine Auszeit zu nehmen. Sein Team spielte zu diesem Zeitpunkt aufreizend lässig, fast schon arrogant. Dass sich der 16-malige Deutsche Meister in Wetzlar auch durchaus leisten kann, einen oder zwei Gänge rauszunehmen, zeigte sich in der Folgezeit. Kristjansson gelang zwar noch einmal die Wetzlarer Führung (8:7/17.), doch spätestens als Daniel Kubes ein traumhaftes Zuspiel von Milutin Dragicevic anhand einer artistischen Einlage im Tor zum 11:8 (21.) für die Zebras unterbrachte, waren die Verhältnisse wieder geklärt.

Vor allem in dieser Phase zeigte der französische Weltklassekeeper Thierry Omeyer im Kieler Tor mit vier Paraden seine Fähigkeiten. Dennoch blieb Wetzlar am Drücker, kämpfte stark und hielt beim 11:13-Halbzeitstand eine ansonsten unspektakuläre Partie offen. Gislasson konnte das Spiel nicht zufriedenstellen: »Wir haben heute gesehen, dass wir ohne Andersson und Ahlm Schwierigkeiten bekommen können. Wetzlar hat das sehr gut gemacht und uns vor Probleme gestellt. Wir sind wirklich sehr froh, dass wir die zwei Punkte mitnehmen konnten. Das war nicht leicht.«

Das zeigte sich auch zu Beginn der zweiten Hälfte. Wiederum zogen die Norddeutschen das Tempo an, um dann Behäbigkeit einkehren zu lassen. Narcisse und zwei Mal der bärenstarke Jicha brachten ihr Team mit 16:12 (36.) in Front. Beim 15:17 (39.) durch Peter Jungwirth von Rechtsaußen war die HSG wieder dran.

Allerdings machte sich das Chalepo-Team durch vermeidbare individuelle Fehler das Leben selbst schwer. Zum Beispiel als Dominik Klein in doppelter Unterzahl – manngedeckt – zum 20:16 (43.) traf. Kapitän Nikolai Weber parierte in der Schlussviertelstunde einige Bälle spektakulär, konnte die Niederlage letztlich aber auch nicht mehr abwenden.

Dabei schnupperten die Lahnstädter für einen Augenblick an der Sensation. Nach einem Jungwirth-Doppelpack in der 53. Minute schnellte die Dezibelzahl in der Halle in die Höhe – Wetzlar war auf 22:23 dran. Doch die bislang verlustpunktfreien Gäste blieben ruhig und souverän. Vor allem der überragende Filip Jicha, der sich trotz einer Belastung mit zwei Zeitstrafen zum 27:23 (55.) durchtankte.

Für Manfred Thielmann war das passable Wetzlarer Ergebnis gegen den souveränen Spitzenreiter kein Grund für überschwängliche Lobeshymnen: »Ich lobe erst dann, wenn wir wieder Punkte holen. Die Einstellung war okay. Die Spieler haben eine gute Berufsauffassung gezeigt. Schweigen ist an dieser Stelle genug gelobt.«

HSG Wetzlar: Weber, Marinovic; Schmidt (5/1), Salzer, Valo (2), Jungwirth (5), Mraz (1), Müller (4), Chalkidis (1), Hahn, Harmandic (1), Friedrich, Kristjansson (5)

THW Kiel: Omeyer, Palicka; Lundström, Dragicevic, Sprenger (6), Kubes, Reichmann, Zeitz (6), Palmarsson, Narcisse (3), Ilic (2/2), Klein (2), Jicha (9).
Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Biederitz/Stendal)
Zuschauer: 4026
Zeitstrafen: 6:8 Minuten (Müller/3 – Jicha/2, Sprenger, Zeitz, Kubes)
Rote Karte: Müller (47./dritte Zeitstrafe)
Siebenmeter: 2/1:2/2

Jan Martin Strasheim