Favorit aus Flensburg setzt sich in Rittal Arena durch!

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar verliert gegen Champions League-Teilnehmer 25:29 - 4029 Zuschauer mit Schiedsrichterleistung unzufrieden

Vier Pflichtspiele in Folge waren die Handballer der HSG Wetzlar nun in Serie ungeschlagen und so hatten sich die Grün-Weißen auch gegen den Topfavoriten aus Flensburg einiges vorgenommen. Das 25:29 (12:15) am Ende war dann allerdings, wenn auch um das eine oder andere Tor zu hoch, der zu erwartende Sieg für die Schleswiger. Die Gäste hatten, nach den zuletzt knappen Ergebnissen und bisweilen glücklichen Punktgewinnen in Wetzlar, scheinbar gehörigen Respekt und waren durch ihren Coach ausgezeichnet auf die Partie vorbereitet. Schnell lagen die Flensburger dann auch mit 4:1 (4.) durch Weinhold in Front. 

Doch Wetzlar zeigte einmal mehr die Tugenden der vergangenen Wochen und steckte nicht auf. Besonders Ivano Balic drehte mächtig auf und sorgte mit vielen guten Aktionen dafür, dass seine Farben nicht nur den Anschluss wieder herstellten sondern beim 7:5 (10.) sogar in Führung gingen. In der Folge allerdings schienen die Aktionen des mehrmaligen Welthandballer scheinbar zu schnell für die Spielleitung und die gewünschten und erwarteten Pfiffe blieben aus. Zudem blieben viele Versuche der HSG-Akteure im Block der starken Flensburger Abwehr hängen und der, bis dahin mit einem gehaltenen Ball, eher schwache Mattias Andersson drehte avancierte nun mit drei starken Paraden zum Rückhalt seiner Mannschaft. So schafften es die Flensburger nicht nur das Ergebnis beim 11:9 (20.) erneut zu drehen sondern schaffte dank ihres Zerberus sogar eine 14:11 (28.) durch Knudsen die in einem 15:12 zur Pause endete. Aus der Pause heraus schienen sich die Wetzlarer einiges vorgenommen zu haben und das 13:15 (32.) durch Tönnesen machte Mut und Hoffnung für eine Aufholjagd. 

Doch nun folgten „zehn ganz schwache Minuten mit vielen unvorbereiteten und ungeduldigen Würfen, damit kann ich nicht zufrieden sein“ (Wandschneider). Und Flensburg im Stile einer Spitzenmannschaft nutzte dies eiskalt und beim 20:14 (39.) durch einen Doppelschlag von Gottfridsson schien die HSG endgültig in eine derbe Klatsche zu schiffen. Doch mit Moral und unbändigen Kampfgeist kamen die schon tot geglaubten HSG-Kempen zurück. Gestützt auf eine nun sehr gut agierende Deckung mit einem vorgezogenen Verteidiger gegen den rechten Rückraum und einem immer stärker haltenden Andi Wolff zwischen den Pfosten war beim 19:21 (46.) durch Carlos Prieto der Anschluss wieder hergestellt. Flensburg wirkte nun fahrig, etwas müde und erst Heinl beendete mit dem 22 Treffer für sein Team eine gut sieben minütige Torflaute und die Gäste schienen sich zu berappeln. 

Wetzlar wollte nun scheinbar zu viel und erneut war die Anzahl der Fehlversuche und technischen Fehler zu hoch. Hinzu kamen in dieser Phase einige, durch die Zuschauer und Fans, wenig verständlichen und umstrittenen Entscheidungen der beiden Unparteiischen. So kommentierten die Fans die Zeitstrafe gegen Carlos Prieto (51.) mit einem gellenden Pfeiffkonzert und „Schieber, Schieber“-Rufen. Flensburg indes ließen sich wenig beirren und erhöhte beim 25:20 (50.) durch Mogenssen auf fünf Treffer. Als Weinhold dann ebenfalls die Strafbank drücken musste sorgte Tobias Reichmann mit seinem Doppelschlag von Rechtsaußen zum 22:25 (52.) erneut für Hoffnung auf Punkte, die beim 24:26 (56.) in greifbarer Nähe schienen. 

Kai Wandschneider hatte Sebastian Weber nachnominiert und agierte in einer offensiven 3:3 Deckung, was den Ballgewinn so wie den Anschlusstreffer zur Folge hatte. Doch Knudsen mit einem sehr glücklichen Treffer im Fallen und ein völlig freier Fehlwurf vom Wetzlarer Kreis beim 24:27 (57.) besiegelten das Wetzlarer Schicksal. Mit dem Schlusspfiff konnte Kevin Schmidt mit seinem zweiten Tagestreffer zwar noch auf 25:29 verkürzen, die Enttäuschung und der Frust jedoch standen allen im Gesicht geschrieben.  

HSG Wetzlar: Wolff, Dahl; Schmidt (2/2), Prieto (1), Tiedtke (3), Tönnesen (2), Reichmann (6),  Laudt (1), Fäth (4), Bliznac (2), Balic (3), Klesniks (1), Weber, Hahn.

SG Flensburg-Handewitt: Andersson, Rasmussen ; Karlsson, Nenadic (4), Eggert (4/2),Wanne, Mogensen (2), Svan (6/1), Weinhold (5), Heinl (2), Gottfridsson (4), Radivojevic, Knudsen (2).

Schiedsrichter: Brodbeck / Reich (TuS Metzingen) – Zuschauer: 4029 – Zeitstrafen: 4:10 Minuten (HSG: Prieto 2 - SG: Karlsson, Eggert, Mogenssen, Svan, Weinhold ) –  Strafwürfe: 2:2 / 5:3 (Eggert scheitert an Wolff (20.), (47.))

Stimmen zum Spiel:

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): Glückwunsch an Flensburg, der Sieg geht über die gesamten 60 Minuten sicher in Ordnung. Sicher bin ich nicht mit allem zufrieden, was die Mannschaft so gemacht hat, aber im Großen und Ganzen mit der kämpferischen Leistung einverstanden. Besonders nach der Pause, als wir den Anschluss zum 13:15 schaffen verlieren daraufhin völlig den Faden und Felnsburg kontert uns aus. Da waren wir mit den Abschlüssen einfach zu früh und unvorbereitet. Das wir dann noch zweimal zurückkommen spricht für meine Mannschaft und dafür gebührt ihr ein Lob. Dank einer guten Deckung, Andi Wolff im Tor und einem wesentlich besseren Umschaltverhalten konnten wir bis zur Mitte der zweiten Halbzeit wieder auf Schlagdistanz kommen. Und besonders in der Phase um die 50 ste Minute haben wir dann auch spielerisch richtig gut agiert und die Chance eventuell noch etwas zu holen, aber da sind wir eben an einem Weltklassetorhüter Mattias Andersson gescheitert, das ist schade. Wir müssen eben weiterarbeiten und solche Fehler künftig weiter minimieren und vermeiden. Von der Moral und dem Kampf bin ich beeindruckt, aber ich bin auch stinksauer, wenn auch nicht auf meine Mannschaft.

Arno Jung (Teammanager HSG Wetzlar): Der Sieg für Flensburg war verdient und ich muss Kai beipflichten, wir haben sehr gut gekämpft und uns in scheinbar aussichtslosen Situationen wieder in Schlagdistanz gekämpft. Zu mehr hat es leider nicht gereicht. Der Knackpunkt für unsere Niederlage war für mich, dass einfach zu viele Bälle von uns im Inneblock und am Torhüter der SG hängen geblieben sind. Gegen einen solchen Gegner kann man durchaus verlieren, das müssen wir nun so hinnehmen. Am Sonntag erwartet uns Magdeburg und dieser Aufgabe gilt es sich nun zu stellen.

Ljubomir Vranjes (Trainer SG Flensburg/Handewitt): Ich bin natürlich sehr zufrieden, dass wir die beiden Punkte mitnehmen. Wir alle wissen wie schwer es hier in Wetzlar ist und dass mein Team das geschafft hat, das macht mich schon stolz. Besonders da wir mit Gottfridsson und Nenadic zwei Spieler über 40 Minuten im Rückraum hatten, die gerade einmal über insgesamt 20 Ligaspiele verfügen. Das haben die sehr gut gemacht. Die Abwehr mit Mattias hat einen guten Job gemacht und wir lagen in Führung als Wolff auch viele gute Aktionen hatte und plötzlich sind die Wetzlarer wieder auf zwei dran. Das ist in so einer Halle immer sehr unangenehm und schwer. Aber wir haben es dann geschafft und das ist sehr gut für mich.

Dierk Schmäschke (Manager SG Flensburg/Handewitt): Natürlich bin auch ich sehr zufrieden über die beiden Punkte heute. Gefühlt war das unser viertes oder fünftes Auswärtsspiel in Folge und dann in so einer sehr schweren Halle hier in Wetzlar. Besonders, dass die Mannschaft den Ausfall von Holger Glandorf so wegsteckt und langsam immer besser zusammenwächst und sich von Nichts beeindrucken lässt, das ist nicht zuletzt Verdienst von Lubo. Für uns war das sehr wichtig auch hinsichtlich der kommenden sehr schweren Wochen mit den Spielen gegen Hamburg in Liga und Champions League, in Melsungen und Balingen.