Flucht in Internate verhindern

DKB Handball-Bundesliga created by webmaster@hsg-wetzlar.de (Wolfgang Fischer)

DHB-Stützpunkt in Wetzlar (Quelle: mittelhessen.de, Bild: HSG Wetzlar)

Natürlich hat es sich Heiner Brand nicht nehmen lassen, persönlich vorbeizukommen. Er, der ehemalige Bundestrainer, der seit Jahren für eine bessere Ausbildung des deutschen Nachwuchses kämpft und sich deswegen schon seit Jahren einen heftigen Streit mit den Topclubs dieses Landes liefert. Nun als Manager des Deutschen Handball-Bundes (DHB) kann er endlich eigene Ideen umsetzen und Projekte anschieben. Eines davon ist der Ausbau von DHB-Stützpunkten. Am Montag nimmt einer in Wetzlar seine Arbeit auf.

Und so kam Brand gestern ins Rathaus der Domstadt und stellte gemeinsam mit Stützpunktleiter Jochen Beppler, Bürgermeister Manfred Wagner und Uwe Wieloch (Vizepräsident des Hessischen Handball-Verbandes) das vor, was ab Montag in der Sporthalle in Dutenhofen einmal in der Woche geleistet wird.

Grob gesagt geht es darum: "Wir haben in den vergangenen Jahren eine gute Nachwuchsarbeit gemacht. Aber wir haben festgestellt, dass wir die individuelle Stärke unserer Talente verbessern müssen", erläutert Brand. Das Stützpunkttraining soll dabei helfen. Eine Stunde lang erhalten bis zu 18 Spieler aus vier verschiedenen Jahrgängen ein Athletiktraining, eine Stunde lang wird danach noch handballspezifisch gearbeitet. Und das jeden Montag.

Vor allem auf eine bessere Ausbildung im athletischen Bereich legen die Verantwortlichen viel Wert. "Da waren unsere Nachwuchsspieler in den letzten Jahren deutlich schwächer als die anderer Länder", sagt Brand. Diese Einheit übernimmt mit Martin Zawieja ein ausgewiesener Fachmann. Der ehemalige Gewichtheber, der 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul Bronze gewann, arbeitete in der vergangenen Woche noch mit dem deutschen Nationalteam der Männer während der EM-Vorbereitung in Barsinghausen zusammen.

"Es ist toll, dass wir so einen Mann dabei haben", sagt Jochen Beppler nicht ohne Stolz. Der 32-Jährige ist Leiter des Wetzlarer DHB-Stützpunktes, dem einzigen in Hessen. Dafür legte der gebürtige Langgönser im November sein Amt als Co-Trainer des Bundesligisten HSG Wetzlar nieder.

"Ich musste nicht lange überlegen, als ich das Angebot bekam", erklärt Beppler, der viele Jahre als Jugendcoach im HHV tätig war und die Verbandsarbeit daher bestens kennt. Er leitet die handballspezifische Trainingseinheit und hält darüberhinaus stets den Kontakt zu Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer, den Jugendkoordinator des DHB.

Zu den Einheiten werden 16- bis 19-jährige Spieler eingeladen, die mindestens in der Hessenauswahl vertreten sind. Beppler entscheidet, wer kommen darf. Für diejenigen, die in den deutschen Junioren- und Jugendnationalmannschaften stehen, ist das Training allerdings sowieso Pflicht.

Beppler, als Lehrer an der Herderschule in Gießen angestellt, reist aber auch immer wieder quer durch Deutschland und sichtet die Talente an den anderen der insgesamt neun DHB-Stützpunkten. "Ich muss ja wissen, welche Qualitäten die anderen Spieler haben. Wenn Christian Schwarzer noch einen Linksaußen für den Kader der Jugendnationalmannschaft sucht und mich fragt, ob einer unserer Jungs dafür in Frage kommt, muss ich ja wissen, wie ich ihn im Vergleich zu der Konkurrenz einschätze."

Mit der Installierung des Stützpunktes hoffen die hessischen Vereine, aber auch der HHV darauf, für die heimischen Talente wieder attraktiver zu werden. In der Vergangenheit sind etliche gute Nachwuchsspieler an Handballinternate - beispielsweise nach Kronau - abgewandert, weil sie sich dort die für sie optimale Förderung erhofft haben. "Wir wünschen uns, dass wir durch das zusätzliche Angebot in Wetzlar einige gute Leute in Hessen halten können", sagte Uwe Wieloch.

Sechs heimische Talente sind beim ersten Training am Montag dabei

Um aber wirklich konkurrenzfähig zu den Internaten zu sein, müssen die Spieler auch in den Vereinen optimal gefördert werden. "Hier brauche ich das aber nicht zu bemängeln", sagt Heiner Brand und hat die Arbeit der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen und des TV Hüttenberg im Kopf, die er schon des öfteren als "vorbildlich" lobte.

Beppler betont aber, dass das Stützpunkttraining eine "Stelle der Region" ist und nicht eines einzelnen Clubs. Die heimischen Talenten freuen sich aber, dass der Weg zu den Übungseinheiten kurz ist. Am Montag, wenn um 18 Uhr das erste Treffen in Dutenhofen stattfindet, sind mit Jannik Hofmann, Konstantin Poltrum und Patrick Engel drei Hüttenberger und mit Ben Christian, Tom Schulcz und Moritz Zörb drei Akteure der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen dabei.

Vielleicht schafft einer dieser sechs in Zukunft einmal den Sprung in die Männer-Nationalmannschaft. Denn um die deutsche Auswahl für die Zukunft besser aufzustellen, werden solche DHB-Stützpunkte eingerichtet. Daraus macht auch Heiner Brand keinen Hehl: "Wir wollen natürlich in erster Linie gute Spieler für das Nationalteam haben." Dafür kämpft er. Und nicht erst seit gestern.