Füchse lassen sich nicht fangen

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»Wir lagen zwar nur mit einem Treffer hinten, aber es hat sich so angefühlt, als wären wir weiter entfernt. Es hat bei uns ein Quäntchen gefehlt«, sagte Nikolai Weber, Keeper der HSG Wetzlar, nach dem knappen 26:29 (15:18) gegen die Füchse Berlin, immerhin Tabellenzweiter der Handball-Bundesliga. Am Mittwoch aber keineswegs unverwundbar. Denn es war keine Glanzleistung der Berliner. Umso ärgerlicher, dass die Hausherren aus den Möglichkeiten zu wenig Kapital schlugen und sich die Gäste-Routine am Ende durchsetzte.

 

Immer wieder mussten die Wetzlarer unglückliche Gegentore aus großer Distanz »schlucken«, holten aus Gegenstoßchancen zu wenig Zählbares und hatten Pech mit so mancher fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung. In der spannenden Schlussphase fehlte im Angriff aber auch die Ordnung, so ging es in der »Crunchtime« vor dem Tor der Berliner häufig zu wie auf einem Wühltisch im Winterschlussverkauf. Schade auch, dass Trainer Gennadij Chalepo im zweiten Durchgang nicht mehr den Mut hatte, trotz langem Weg beim Angriff/Abwehr-Wechsel auf Steffen Fäth zu setzen, der im ersten Durchgang mit vier Toren für Aufsehen gesorgt hatte, später aber nur noch in den letzten fünf Minuten zum Einsatz kam. Der Rückraumspieler zeigte auf der Platte eindrucksvoll, warum die HSG ihn trotz bislang mäßiger Leistungen weiter an den Verein gebunden hat. Der Rechtshänder warf Nationalkeeper Silvio Heinevetter die Bälle mit einer Geschwindigkeit um die Ohren, die dessen Lebensgefährtin, »Kommissarin« Simone Thomalla, selbst mit Blaulicht auf einer Verfolgungsjagd nicht übertroffen hätte.

Lange stand es in der Endphase 26:27 aus Sicht der Hausherren, doch in den letzten vier Minuten stellte sich heraus, dass die Hypothek des schwachen Starts in den zweiten Durchgang – Johannes Sellin traf zum 20:15 (34.) – zu hoch gewesen war. »Wir haben toll gekämpft, leider haben wir uns nicht belohnt«, sagte Coach Chalepo. Wie stabil die Berliner aber zwischenzeitlich geworden sind, das hatten sie in den letzten Minuten in Wetzlar gezeigt. Andere Teams hätten der Leidenschaft der Gastgeber, die im zweiten Durchgang eine tolle Abwehr zeigten (nur elf Gegentore) sowie mit wunderschönen Kreisanspielen gefallen konnten, sicher nicht derart standhalten können. Niemals war es Wetzlar gelungen auszugleichen.

Auch die erste Halbzeit war eng. Das 7:6 der Berliner konterten Timo Salzer (7:7) und Steffen Fäth (8:7), nachdem sich Weber mit einer spektakulären Parade gegen Ivan Nincevic für dessen Siebenmeter- »Kopfschuss« revanchiert hatte. Absetzen konnten sich die Gastgeber aber nicht. Ganz im Gegenteil: In der 27. Minute hatte Iker Romero die Berliner zur bis dato höchsten Führung geworfen (16:12), mit dem Pausenpfiff traf der Spanier zum 18:15 und hatte da schon zweimal mehr Glück als Verstand gebraucht. »Wir waren bis zur 56. Minute dran. Das ist aller Ehren wert«, sagte Keeper Weber nach der Partie, den vor allen Dingen die Gegentreffer seines ehemaligen Mitspielers Sven Sören-Christophersen schmerzten. »Ich weiß genau, wo er hin wirft. Ich war da. Aber auch bei diesen Würfen hat bei uns das letzte Quäntchen gefehlt«, so Weber, der am 3. März mit der HSG beim Bergischen HC antreten muss. Ob dort der gesperrte Andrej Klimovets wieder mitwirken kann, darf bezweifelt werden. Die Sperre wegen fehlender Spielberechtigung, den Punktabzug aus dem Spiel gegen Göppingen sowie den Rücktritt von Aufsichtsratsprecher Manfred Thielmann hatten die HSG-Spieler am Mittwoch offenbar schon verdaut.

Wetzlar: Weber, Marinovic; Schmidt (1), Salzer (4), Müller (3), Fäth (4), Harmandic (3/1), Valo (1), Friedrich (3), Hahn, Jungwirth (1), Chalkidis, Kristjansson (6)

Berlin: Heinevetter, Kroll (n.e.); Löffler, Laen (1), Spoljaric, Riechwien, Pevnov (2), Romero (2), Stenbäcken, Bult (5/1), Sellin (3), Jaszka (2), Nincevic (5/2), Christophersen (7)

Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Stendal/Magdeburg)
Zuschauer: 3152
Zeitstrafen: 0:6 Minuten
Siebenmeter: 2/2:3/3

(mac)