"Gebrauchter Tag": Zu 100 Prozent fehlt HSG Wetzlar viel!

Quelle: www.sportfotografie-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

22:28-Niederlage gegen die TuS N-Lübbecke - Wandschneider: "Heute ist keiner unserer Spieler an die obere Leistungsgrenze gekommen."

Als Kai Wandschneider, der Trainer der HSG Wetzlar, beim Stande von 8:10 nach 17:05 Minuten eine erste Auszeit nahm und in dieser durch Jose Hombrados, Florian Laudt, Jens Tiedtke, Steffen Fäth und Tobias Hahn fast seine ganze Anfangsformation ersetzte, deutete sich bereits an, dass dies ein beschwerlicher Handballabend für den heimischen Bundesligisten werden sollte. Am Ende war es »ein gebrauchter Abend«, wie der Coach enttäuscht eingestand, mit einer verdienten 22:28 (12:16)-Niederlage gegen TuS N-Lübbecke, gegen das über die gesamte Spielzeit hinweg zu viel zu 100 Prozent Leistungsvermögen fehlte, als dass die Balic Co. auch nur annähernd in die Nähe eine Punktgewinnes hätten kommen können.

Wandschneider: »Heute ist keiner unserer Spieler an die obere Leistungsgrenze gekommen.«

Eine löchrige, stets misstrauische, aber dennoch zu unaufmerksame 6:0-Abwehr gestattete vor allem Nettelstedts Halbrechten Jens Schöngarth schon vor der Pause ein halbes Treffer-Dutzend. Darüber hinaus wurden die Kreise von TuS-Spielmacher Drago Vukovic nicht entscheidend eingeengt, so dass der 150-fach kroatische Nationalspieler seine Nebenleute immer wieder schnell und effizient in Szene setzen konnte oder selbst erfolgreich abschloss (9:12, 22.). »Unsere Angriffseffektivität in der ersten Halbzeit war sehr hoch«, bestätigte Gästetrainer Dirk Beuchler.

Perfekt in Szene gesetzt wurde der solide, ruhige und kompakte Auftritt der Ostwestfalen allerdings durch die Wetzlarer höchstselbst. Drei verworfene Siebenmeter, zwei ausgelassene freie Einwurfmöglichkeiten sowie zwei Gegentreffer ohne eigenen Torerfolg in Überzahl hatten dem TuS N-Lübbecke vor 3514 Zuschauern in der Rittal-Arena die komfortable Vier-Tore-Führung zur Pause (16:12) ermöglicht.

Die Kunst, auf dem Parkett zu überleben, hatten die Tiedtke und Co. auch in der zweiten Halbzeit nicht, obwohl die Abwehrumstellungen auf 3:3 bzw. 5:1 zwischenzeitlich Hoffnung machten. Mit viel Energie und neuem Willen auf das Parkett zurückgekehrt, nahmen sich die Wetzlarer abermals selbst wieder schnell den Wind aus den Segeln. Eine wieder in Überzahl von Christian Rompf vergebene freie Wurfchance (33.) sowie der bereits vierte vergebene´Strafwurf in der 35. Minute (Joli) bauten den Kontrahenten sofort wieder auf. Kein Wunder, dass die Grün-Weißen über das 14:18 (40., Huljina) und das 18:22 (45., Remer) bis zum 20:24 (52., Vukovic) immer diesem Vier-Tore-Rückstand hinterherhechelten.
 In der Endphase ermöglichten übergroße Hektik und Würfe ohne Not auf HSG-Seite der Beuchler-Truppe sogar einen noch höheren Erfolg. Im Grunde genommen waren die sechs Tore Unterschied nicht einmal zuviel, da TuS N-Lübbecke unbestritten die bessere Mannschaft war.

»Wir waren von Anfang an sehr präsent in der Abwehr, zusammen mit dem Torwart«, wollte Trainer Dirk Beuchler die gute Nettelstedter Abwehrarbeit nicht unerwähnt lassen, »das war heute der Grundstein.« Derweil HSG-Coach Kai Wandschneider diesbezüglich zwar auf die endlose Mängelliste im eigenen Offensivverbund verwies (»Wir haben von der ersten Minute an im Angriff katastrophal abgeschlossen«), dürfte die Videoanalyse belegen, dass dem Wetzlarer Offensivspiel über die kompletten 60 Minuten hinweg die Fähigkeit und die Inspiration fehlte, die Gäste-Deckung um Drago Vukovic und Ales Pajovic im Innenblock in Bewegung zu bringen – und im Notfall brachte der Zwei-Meter-Slowene Ales Pajovic im Stile eines irischen Einwanderers Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika die Angriffsbemühungen der HSG mit seiner Körperlichkeit effektiv und resolut zum Stillstand.

»Die Mannschaft war heute da und man hat gesehen, was für eine Qualität in ihr steckt«, freute sich Beuchler über die Auswärtspunkte sechs und sieben. Bei der HSG Wetzlar indes passte nach sechs passablen Saisonauftritten bei diesem siebten fast gar nichts zusammen. Daran hätten wohl auch die auf die Tribüne verweisten Magnus Dahl und Carlos Prieto nichts geändert. Denn selbst das letzte Aufbäumen beim 20:22 (50., Rompf) nach zwei Wolff-Paraden wendete das Blatt nicht mehr.

HSG Wetzlar: Hombrados, Wolff; Tiedtke (1), Rompf (5), Weber (1), Tönnesen (8/4), Laudt (1), Fäth (2), Hahn (2), Bliznac (1), Harmandic, Joli, Balic (1), Klesniks.

TuS N-Lübbecke: Blazicko, Semisch; Vukovic (6), Langhans, Tauabo (2), Pieczkowski (5), Pajovic (3), Huljina (2), Wöss, Dissinger, Schubert, Schöngarth (8), Remer (2).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Pritschow/Pritschow (Leinfelden/Degerloch). .- Zuschauer: 3514. - Zeitstrafen: Bliznac (45.), Klesniks (37., beide Wetzlar); Vukovic (48.), Pieczkowski (57.), Huljina (15., 32., alle Lübbecke). - Siebenmeter: 8/4:0/0.- Torfilm: 2:4 (5.), 7:5 (12.), 8:10 (18.), 10:13 (25.), 12:16 (Halbzeit); 12:17 (35.), 14:18 (40.), 18:22 (45.), 20:26 (56.), 22:28 (Endstand).
    

Quelle: Gießener Allgemeine (Ralf Waldschmidt/Daniela Pieth)