"Geduld ist gefragt"

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HSG Wetzlar bangt morgen um Daniel Valo und Steffen Fäth

Rolf Brack gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zunft. Weil er für jeden taktischen Winkelzug gut ist. So zählt zum Standardrepertoire des "Handball-Professors" des HBW Balingen/Weilstetten an erster Stelle der "siebte Feldspieler", für den regelmäßig der Torwart weichen muss. Aber auch mit seinen extrem aggressiven Abwehrformationen - 3:2:1 oder 5:1 - sowie der Variante, plötzlich drei Kreisläufer aufzubieten, stiftet der 57-Jährige gerne Verwirrung bei den Kontrahenten.

 

"Ein höchst unangenehmer Kontrahent", weiß sein Wetzlarer Kollege Gennadij Chalepo, der morgen Abend (Anwurf: 19.45 Uhr) mit der HSG die aufmüpfigen "Gallier von der Alb" mit Rolf Brack an der Spitze zum vierten Heimspiel der Bundesligasaison 2011/12 in der Wetzlarer Rittal-Arena erwartet.

"Vor allem ist Geduld gefragt", nennt der HSG-Coach als oberste Pflicht für seine mit 6:6-Zählern auf Rang neun platzierten Jungs. "Sie sollen lieber einen Pass mehr als einen zu wenig spielen", sagt Chalepo, "wir dürfen uns nur ganz wenige Ballverluste leisten." Weil die auf Platz 13 geführten Schwaben (4:8) nur darauf lauern, jede Chance zum Tempogegenstoß oder zur zweiten Welle zu nutzen.

"Die Balinger sind vor allem wegen ihrer aggressiven Defensive brandgefährlich", betont der 42-Jährige. Sie seien darüber hinaus aber auch im Rückraum mit dem Österreicher Roland Schlinger, Jung-Nationalspieler Benjamin Herth, U 21-Weltmeister Felix König und dem griechischen Linkshänder Alexis Alvanos, der von 2004 bis 2006 das Wetzlarer Trikot trug, klasse aufgestellt. "Trotzdem zählen sie zu den Teams, die wir zu Hause schlagen müssen."

Allerdings plagen die Grün-Weißen Personalsorgen. Daniel Valo laboriert weiter an den Folgen einer bei der achtbaren 30:36-Niederlage am vergangenen Samstag in Flensburg erlittenen Gehirnerschütterung. "Ich hoffe, dass er dabei ist, aber wir müssen abwarten", sagt Chalepo. Gestern Abend sollte der Rückraumhüne erstmals wieder mittrainieren. "Eine Entscheidung fällt sicher erst am Freitag in Absprache mit den Ärzten", glaubt Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp. Außerdem hat sich Ausnahmetalent Steffen Fäth krank gemeldet.

Jede Menge aktuelle Tipps über die im letzten Jahr in der Rittal-Arena mit 27:22 abgefertigten Gäste "steckte" der im Juli von Balingen in die Domstadt gewechselte 102-fache österreichische Nationaltorhüter Nikola Marinovic seinem neuen Chefcoach Chalepo.

Balingens "Professor" Brack setzt auf aggressive Abwehr

"Es geht nur über hundertprozentigen Einsatz", sagt er und fordert "60 Minuten volle Konzentration". "Längere Hänger, wie in unseren bisherigen Spielen, sollten wir uns diesmal besser nicht leisten", pflichtete ihm Björn Seipp bei.

Derweil gibt sich "Handball-Guru" Rolf Brack bescheiden: "Wir hatten einen enormen Umbruch zu bewerkstelligen. Die Mannschaft wurde nochmals verjüngt. Zwar stimmt die Mischung, aber vor allem auf der Bank verfügen wir nicht über die Klasse wie Wetzlar. Wenn wir überhaupt auch nur an einem Punktgewinn schnuppern wollen, dann muss gerade unsere Abwehr perfekt funktionieren. Ich werde meine Truppe auf die Rückraumqualitäten der HSG einstellen. Da ist sie auf jeder Position doppelt gut besetzt." Die Anspiele an den Kreis zu Kari Kristjan Kristjansson seien ebenfalls zu beachten. Mitentscheidend könnte seiner Meinung nach daneben der Vergleich der Torhütergespanne mit Marinovic und Nikolai Weber auf HSG-Seite und Matthias Puhle/Martin Ziemer bei den Schwaben sein.

Der neben seinem Trainerjob als Dozent an der Uni Stuttgart arbeitende Diplom-Sport-Wissenschaftler bangt noch um den Einsatz von Schlinger (Nasenbeinbruch) und Alvanos (Grippe). Besonders aber vermisst er Sascha Ilitsch, der wegen eines Fußbruchs längerfristig pausieren muss: " Er ist eine tragende Säule in unserem Spiel. Seinen Ausfall können wir nicht kompensieren."

Als rigoroser Verfechter offensiver Abwehrsysteme sieht sich Brack übrigens seit geraumer Zeit in seinem Faible bestätigt: "Der Trend geht eindeutig dahin. In der Bundesliga decken 80 Prozent der Clubs so. Sogar der THW Kiel."

Nur halt nicht in dieser extremen Form wie der HBW. Deshalb steht den Domstädtern morgen ein echter Stresstest ins Haus. Trotz der Ferien rechnet Seipp erneut mit über 3000 Zuschauern. Karten, auch Sitzplatztickets, gibt es noch an der ab 18.15 Uhr geöffneten Abendkasse..

Gerhard Collinet