Grippewelle legt HSG Wetzlar lahm

DKB Handball-Bundesliga

Gelingt der HSG Wetzlar trotz einiger krankheitsbedingter Ausfälle die Revanche in Lübbecke?

»Stark erhöhte Influenza-Aktivität«, meldet die AGI, die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts, für alle Teile Deutschlands. Allein in der letzten Woche sind 7000 Menschen neu an der Grippe erkrankt. Die Gesamtanzahl der im Labor bestätigten Fälle beträgt mittlerweile 27 000. »Uns hat die Grippewelle nach dem Spiel gegen Melsungen voll erwischt«, meldet auch Kai Wandschneider, seines Zeichens Trainer von Handball-Bundesligist HSG Wetzlar.

Gleich fünf Akteure der Grün-Weißen hat es nach dem Derby gegen die Nordhessen der MT und in der Trainingswoche niedergestreckt, einige liegen immer noch flach. »Ich weiß nicht, wer am Samstag im Kader stehen wird«, klagt der Coach vor dem Spiel bei der TuS N-Lübbecke (19 Uhr), dem vor allem die Erkrankungen des eingespielten Mittelblockgespanns Evars Klesniks/Kristian Bliznac Kopfzerbrechen bereitet.

»Ich werde wohl improvisieren müssen«, sagt Wandschneider, der bereits über eine Veränderung des Deckungssystems nachdenkt. Sollte die seit Mittwoch fieberkranken Klesniks und Bliznac es nicht in den Kader für Samstag schaffen, dann steht dem 55-jährigen Sportwissenschaftler mit Carlos Prieto nur noch ein gelernter Mittelblockspieler zur Verfügung. Denkbar wäre daher eine Umstellung der Abwehrformation von 6:0 auf 5:1. Alternativ könnte Steffen Fäth von seiner Halbposition in die Mitte gezogen werden, was wiederum links eine Lücke aufreißen würde.

Neben Bliznac und Klesniks hat es auch Tobias Hahn, Ivano Balic und Florian Laudt erwischt. Alle lagen mit Fieber im Bett, konnten allerdings unter der Woche wieder ins Training eingereifen. Hahn ist seit Montag wieder dabei, Balic stieß am Mittwoch, Laudt am Donnerstag zur Mannschaft. Allerdings warnt der Trainer einschränkend: »Wenn man so schwere Grippe hat, ist man nicht so ohne weiteres wieder im Vollbesitz seiner Kräfte.« Als HSG-Fan darf man also gespannt sein, mit welcher Truppe die Lahnstädter nach Lübbecke fahren, um beim TuS vorstellig zu werden.

Mit den Ostwestfalen haben die Mittelhessen noch eine Rechnung offen. Das Hinspiel verlor die Wandschneider-Truppe in der heimischen Arena und erwischte einen »gebrauchten Tag«, wie der Coach damals sagte. Die Aufgabe in der Kreissporthalle ist indes ungleich schwerer. Nicht nur aufgrund der personellen Probleme. Lübbecke um Trainer Dirk Beuchler hat den ohnehin schon stark besetzten Kader schon vor der Winterpause punktuell verstärkt. Von Metalurg Skopje kam das 20-jährige Rückraumtalent Vuko Borozan, der damit auf seine ehemaligen Teamkollegen Vladan Lipovina und Dejan Manaskov treffen wird, die während der Saison den finanziell schwer angeschlagenen mazedonischen Champions-League-Teilnehmer in Richtung Wetzlar verlassen hatten. »Lübbecke ist überall gut besetzt, auch doppelt«, sagt Wandschneider, der beim Aufzählen des Kaders beinahe ins Schwärmen kommt. In der Tat sind beim TuS mit Drago Vukovic, Ales Pajovic, Christian Dissinger, Niclas Pieczkowski, Frank Løke und Jens Schöngarth klangvolle Namen zu finden, wobei Letzterer aufgrund seines Kapselrisses im kleinen Finger der linken Wurfhand nicht auflaufen kann. Besonders der kroatische Spielmacher Vukovic, der für den TuS das ist, was Balic für die HSG, hat es Wandschneider angetan: »Er ist Dreh- und Angelpunkt, ein toller Spieler und toller Mensch. Nicht umsonst hat ihn Berlin schon für die kommende Saison verpflichtet.«

Umso erstaunlicher ist es aber, dass der Tabellen-14. seit dem 29. November des letzten Jahres keinen Sieg mehr einfahren konnte (29:27 gegen FA Göppingen). Der Start ins neue Jahr war mit 1:5 Punkten auch eher schlecht als recht. Deswegen stand unter der Woche eine Aussprache auf dem Plan. »Wir hatten ein gutes, kritisches Gespräch. Jetzt hoffe ich, dass sich das Team wieder anders präsentiert«, sagt Lübbeckes Coach Beuchler. »Sie stehen nur drei Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz und damit stark unter Druck. Sie müssen uns schlagen«, erklärt Wandschneider – einer der wenigen, den die Grippewelle bei der HSG noch nicht erwischt hat.

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung